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Panorama

Statistik des BKA

Mehr als 7000 Minderjährige werden in Deutschland vermisst

Die meisten Vermissten in Deutschland sind jünger als 18 Jahre. Insgesamt sucht das BKA hierzulande 11.000 Menschen. Je länger jemand vermisst wird, desto geringer sind die Chancen auf ein Wiedersehen.

DPA

Schriftzug "Vermisste Person" auf einem Fahndungsaufruf des BKA im Internet (Archiv)

Montag, 24.12.2018   10:03 Uhr

Mehr als 11.000 Menschen werden in Deutschland vermisst - darunter mehr als 7000 unter 18 Jahren. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden auf Anfrage mit.

Rund die Hälfte der vermissten Minderjährigen machen junge, unbegleitete Flüchtlinge aus. Mit Stand 1. Oktober 2018 galten rund 3500 unbegleitete Flüchtlinge in Deutschland als vermisst, darunter 902 unter 13 Jahren. Diese Zahlen könnten allerdings "lediglich als Annäherung dienen", sagte eine BKA-Sprecherin.

Es sei schwer, die tatsächliche Zahl zu erheben. Einige Flüchtlinge seien beispielsweise wegen verschiedener Schreibweisen ihres Namens mehrfach erfasst worden, oft fehlten außerdem Papiere.

Bis zu 300 neue Vermisstenmeldungen pro Tag

Bereits im März 2018 lag die Zahl der Vermissten in Deutschland bei ungefähr 11.000 (mehr zur Suche nach vermissten Personen lesen Sie hier). Die Zahl der Vermissten umfasst sowohl Fälle, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch Vermisste, die bis zu 30 Jahren verschwunden sind. Pro Tag werden nach BKA-Angaben etwa 250 bis 300 Fahndungen nach Vermissten neu erfasst, ähnlich viele werden gelöscht.

Die seltensten Fälle sind dabei so spektakulär wie beispielsweise die jahrelange Suche nach Peggy aus Oberfranken, die nach 15 Jahren mit dem Fund ihrer Leiche endete und deren Tod auch nach der Festnahme eines Tatverdächtigen vor knapp zwei Wochen noch immer nicht geklärt ist. Oder so aufsehenerregend wie die Rückkehr der jahrelang verschwundenen Maria H. nach Freiburg in diesem Jahr.

"Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 Prozent der Vermisstenfälle innerhalb der ersten Woche", hieß es beim BKA. Armin Gartelmann, Leiter der Vermisstenstelle bei der Bremer Polizei, sagte: "Es gibt Menschen, die gehen eine Woche ins Krankenhaus und sagen es keinem. Andere fahren in Urlaub und erzählen es niemandem."

Auch für das Verschwinden von Kindern und Jugendlichen gebe es viele unterschiedliche Gründe, so das BKA: "Probleme in der Schule oder mit den Eltern, Liebeskummer" - und so weiter.

Die meisten Vermissten sind männlich

Nach einem Monat sind den BKA-Angaben zufolge mehr als 80 Prozent der Fälle erledigt. Der Anteil der Menschen, die länger als ein Jahr vermisst werden, liegt nur bei rund drei Prozent.

Knapp zwei Drittel aller Vermissten sind laut BKA männlich. Neben Minderjährigen werden häufig auch Senioren vermisst gemeldet.

Ein Fall in Niedersachsen ging in diesem Jahr tragisch aus. Mitte November entdeckte ein Angler in Uelzen die Leiche einer fast zwei Wochen lang vermissten 80-Jährigen. Opfer einer Straftat wurde die Frau laut Polizei vermutlich nicht. Sie war an Demenz erkrankt.

jme/dpa

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