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Panorama

Todesstrafe wegen Drogenhandels

Indonesien richtet fünf Ausländer hin

Brasiliens Präsidentin und der niederländische König schalteten sich vergeblich ein: Wegen Drogenhandels hat Indonesien die Todesurteile gegen fünf Ausländer und eine Einheimische vollstreckt.

Sonntag, 18.01.2015   11:36 Uhr

Hamburg - Trotz internationaler Gnadenappelle sind in Indonesien fünf Ausländer und eine Einheimische wegen Drogenvergehen hingerichtet worden. Die Ausländer stammten aus den Niederlanden, Brasilien, Vietnam, Malawi und Nigeria. Sie und die Einheimische wurden in der Nacht zu Sonntag von Exekutionskommandos erschossen. Aus Protest beriefen die Niederlande und Brasilien ihre Botschafter in Jakarta vorübergehend ab.

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff sei "bedrückt und empört", teilte ein Sprecher mit. "Die Vollstreckung der Todesstrafe, die von der Weltgemeinschaft immer stärker abgelehnt wird, hat schwere Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen unseren Ländern."

Indonesiens Staatschef Joko Widodo, der im vergangenen Oktober sein Amt angetreten hatte, vertritt bei der Umsetzung der strikten Anti-Drogen-Gesetze des Landes eine harte Linie. Die Gnadengesuche der Verurteilten hatte er im Dezember abgelehnt. Noch einen Tag vor der Hinrichtung bat Rousseff in einem Telefonat mit Widodo vergeblich um eine Aussetzung der Exekution aus humanitären Gründen.

Der niederländische Außenminister Bert Koenders sagte, er sei "unglaublich traurig" über den Tod der sechs Menschen. "Mein Herz ist bei ihren Familien, für die dies nun das dramatische Ende von Jahren der Ungewissheit ist."

Koenders zufolge hatten der niederländische König Willem-Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte Kontakt zum indonesischen Staatschef. Die Regierung habe "alles in ihrer Macht stehende" versucht, um die Hinrichtung des 62-jährigen Niederländers zu stoppen. Er war für schuldig befunden worden, ein großes Ecstasy-Labor betrieben zu haben. Die fünf anderen waren wegen versuchten Drogenschmuggels in den Jahren 2000 bis 2011 verurteilt worden.

Fünf Hinrichtungen fanden laut Generalstaatsanwaltschaft auf der Insel Nusakambangan vor der Südküste der indonesischen Hauptinsel Java statt, wo sich ein Hochsicherheitsgefängnis befindet. Eine weitere Exekution gab es demnach im Bezirk Boyolali im Zentrum von Java.

Rupert Abbott von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einem "sehr traurigen Tag". Er forderte die Regierung auf, weitere geplante Exekutionen zu stoppen. Laut Behördenangaben sind in dem südostasiatischen Inselstaat insgesamt 20 Hinrichtungen für dieses Jahr geplant. Unter anderen sind eine britische Großmutter, zwei Australier und ein Franzose zum Tode verurteilt worden.

Indonesien hatte die Vollstreckung der Todesstrafe 2008 ausgesetzt, sie 2013 aber wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr war niemand hingerichtet worden. Die Verhängung der Todesstrafe für Drogendelikte begründen die Behörden mit täglich 50 Drogentoten. Rund 4,5 Millionen der insgesamt etwa 250 Millionen Indonesier seien drogenabhängig.

hut/AFP/dpa

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