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Panorama

Höxter-Prozess

Angeklagte schildert das Leiden der Susanne F.

Susanne F. wurde vom sogenannten Folterpaar von Höxter offenbar zu Tode gequält. Im Prozess um die Misshandlungen hat die Angeklagte Angelika W. nun geschildert, wie sie die Frau malträtierte.

DPA

Angeklagte Angelika W.

Dienstag, 13.12.2016   14:07 Uhr

Im Mordprozess um die Misshandlungen von Höxter hat die Angeklagte Angelika W. das wochenlange Martyrium des zweiten Todesopfers geschildert. Susanne F. aus dem niedersächsischen Bad Gandersheim war im Frühjahr 2016 auf den kleinen Hof nach Ostwestfalen gekommen. Sie sei in dem Wissen eingezogen, dass sie dem mitangeklagten Wilfried W. gehorchen musste, sagte Angelika W. vor dem Landgericht Paderborn.

Sie selbst habe Susanne F. auf deren Rolle als Leibeigene eingeschworen und ihr immer wieder den strengen Regelkatalog im Hause W. erklärt. Unter anderem habe Wilfried W. verlangt, dass die Frauen ihn im Gespräch anschauen mussten, sie sollten beim Essen nicht kleckern und nicht widersprechen. Da Susanne F. den Mann immer mit Fehlverhalten provoziert habe, habe sie sie schließlich bestraft, sagte die Angeklagte. Sie habe damit den Erwartungen von Wilfried W. entsprechen und endlich Ruhe haben wollen.

Vor einer Woche hatte die Angeklagte bereits ausgesagt, wie sie und Wilfried W. gemeinsam Annika W. zu Tode gequält hätten. Angelika W. hatte dem Gericht zudem eine Liste mit mehr als 70 Arten von Misshandlungen vorgelegt, die sie oder ihr mitangeklagter Ex-Mann den Frauen zugefügt hätten. Die Taten reichten demnach von Schlägen und Beleidigungen über Verbrühungen bis zu stundenlangem Anketten im Schweinestall. Sie beschrieb ein System willkürlicher Strafen, dem sich die Frauen beugen mussten.

Angelika will Susanne F. geschubst und ihr die Haare versengt haben. Sie habe sie gezwungen, schwere Säcke sinnlos die Treppe hinaufzuschleppen. Zuvor sei bereits ihr Ex-Mann Wilfried handgreiflich geworden. Sie habe beobachtet, wie er die Frau mit beiden Händen gewürgt habe. Der Richter verlas von Susanne F. unterschriebene Schriftstücke, in denen sie versichert, sich freiwillig dem Willen von "ihrem süßen Schatz Wilfried" unterworfen zu haben.

Susanne F. war im April im Krankenhaus gestorben. Die Angeklagten hatten sie schwer verletzt zurück nach Niedersachsen bringen wollen. Bei einer Autopanne entschieden sie, einen Rettungswagen zu rufen. Die Polizei nahm daraufhin die Ermittlungen auf und stieß auf die weiteren mutmaßlich gequälten Frauen.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Angeklagten vor, über Jahre hinweg Frauen zu sich nach Höxter-Bosseborn gelockt und brutal misshandelt zu haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben durch die Quälereien, mehrere Frauen entkamen. Angeklagt sind die beiden wegen Mordes durch Unterlassen. Der 46-jährige Wilfried W. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Über seine Anwälte hatte er im Vorfeld des Prozesses bestritten, Frauen misshandelt zu haben.

SPIEGEL TV Magazin (08.05.2016)

apr/dpa

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