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Panorama

Missbrauch von Höxter

Prozess gegen Folterpaar beginnt

In Paderborn hat die Verhandlung gegen ein Paar aus Höxter begonnen. Laut Staatsanwaltschaft sollen die beiden mehrere Frauen mit Gewalt als Leibeigene gefügig gemacht haben. Zwei ihrer Opfer starben.

REUTERS

Wilfried W. vor Gericht

Mittwoch, 26.10.2016   11:36 Uhr

Ein geschiedenes Ehepaar steht in Paderborn vor Gericht. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: zweifacher Mord durch Unterlassen und mehrfache Körperverletzung. Mit Kontaktanzeigen sollen der 46-jährige Wilfried W. und seine ein Jahr ältere Ex-Frau Angelika W. ihre Opfer in ihr Haus nach Höxter gelockt und dort gequält haben.

Oberstaatsanwalt Ralf Meyer schilderte dabei am Landgericht Paderborn Details aus der Leidenszeit der beiden getöteten Opfer. Ziel der Angeklagten sei es gewesen, Frauen mit Zeitungsanzeigen für den 46-jährigen Wilfried W. nach Höxter zu locken, um diese als "Leibeigene" für alle Lebenslagen gefügig zu machen. Dabei sei den Opfer vorgegaukelt worden, dass sie für den Ex-Mann von Angelika W. die große Liebe seien.

Das Paar soll laut Anklage den Willen der Frauen mit Schlägen, Tritten und Notsituationen systematisch gebrochen haben. Sie sollen die Frauen angekettet, der Kälte ausgesetzt und körperlich schwer misshandelt haben. Zwei Frauen starben in Folge der Tortur, eine weitere Frau entkam. Andere Frauen sollen sie um größere Geldmengen gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft geht im Zuge der noch laufenden Ermittlungen insgesamt von mindestens acht Opfern aus.

Die beiden Angeklagten hatten die lebensgefährlich verletzte Susanne F. aus Bad Gandersheim zurück nach Niedersachsen bringen wollen. Bei einer Autopanne entschieden sie, den Notarzt zu verständigen. Die Frau starb wenige Stunden später im Krankenhaus. Aufgrund der Verletzungen der Toten nahm die Polizei die Ermittlungen auf.

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Angeklagte Angelika W.

Die Angeklagte Angelika W. hatte nach ihrer Festnahme detailliert ausgesagt und dabei auch den weiteren Todesfall aus dem Jahr 2014 zugegeben. Die Leiche der 33-Jährigen Annika W. sollen sie erst eingefroren, dann zerstückelt und nach und nach im Ofen verbrannt haben. Am Straßenrand verstreute Überreste suchte die Polizei vergeblich.

Im Mittelpunkt des Prozesses stehen die beiden Todesfälle. Das Gericht wird erhellen müssen, wer der beiden Angeklagten welche Rolle spielte. Wilfried W. schweigt bislang. Sein Anwalt bestritt mehreren Medien gegenüber dessen direkte Beteiligung. Die Ex-Frau dagegen belastet ihn mit ihrer Aussage, sie habe auf seine Befehle hin gehandelt. Bislang geht das Gericht davon aus, dass der Prozess mindestens bis Ende März dauern wird.

SPIEGEL TV Magazin (08.05.2016)

cnn/dpa/AFP

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