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Panorama

Flüchtiger Kartellboss

"El Chapos" Fahrt in die Freiheit

Ein Motorrad unter Tage, Generatoren, professionelle Luft- und Stromversorgung: Fotos zeigen, wie akribisch die Flucht von Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán aus einem Hochsicherheitsgefängnis vorbereitet wurde.

Foto: REUTERS
Donnerstag, 16.07.2015   16:43 Uhr

Mexiko hat bei der Fahndung nach dem flüchtigen Kartellboss Joaquín "El Chapo" Guzmán Tausende Sicherheitskräfte mobilisiert. 8200 Bundespolizisten seien in höchster Alarmbereitschaft, teilte das Innenministerium am Mittwochabend (Ortszeit) mit. Weitere 1250 Beamte suchen demnach rund um das Hochsicherheitsgefängnis El Altiplano gezielt nach dem Chef des Sinaloa-Kartells. Unterstützt werden sie von mehr als 180 Angehörigen einer Spezialeinheit der Gendarmerie.

Guzmán war am Samstag durch einen 1,5 Kilometer langen Tunnel aus der Haftanstalt geflohen. Ihm werden in Mexiko und den Vereinigten Staaten unter anderem Drogenhandel und organisierte Kriminalität vorgeworfen. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft setzte ein Kopfgeld in Höhe von 60 Millionen Pesos (etwa 3,4 Millionen Euro) auf ihn aus.

Zugleich wurde die Suche ausgeweitet. Hotels, Krankenhäuser und selbst Bestattungsinstitute würden durchsucht, alle Flugpassagiere überprüft ebenso wie Passanten und Autofahrer an mehr als hundert Kontrollpunkten, teilte das Innenministerium mit. Die Behörden in Guatemala verschärften auf Bitten Mexikos ihre Kontrollen an Flughäfen sowie entlang der gemeinsamen Grenze.

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Flucht von Drogenboss Guzmán: Motorrad im Tunnel
Umgebautes Motorrad im Tunnel

Am Mittwoch wurde Journalisten erstmals Zugang zu Guzmáns Zelle gewährt. 22 Stahltüren standen zwischen dem Drogenboss und der Freiheit - also wählte er den Gang in den Untergrund. Ein Video zeigte Guzmáns letzte Minuten in der Zelle, ehe er durch den Fluchttunnel im Duschbereich verschwand. Dieser wurde von Überwachungskameras nicht abgedeckt.

Unter Tage war ein Motorrad auf Schienen installiert, an dem zwei Anhänger befestigt waren. Entweder habe der Drogenboss das Motorrad benutzt oder sei in einem der Wagen chauffiert worden, hieß es. Am Ende des rund 1,5 Kilometer langen Tunnels kletterte er einen Schacht empor. Der Raum, in dem er ankam, enthielt einen Generator, der Energie für die Beleuchtung und Luftzufuhr im Tunnel erzeugte. Nochmals ein paar Stufen, und er stand in dem Rohbau, der den Tunnel vor Entdeckung geschützt hatte.

Experten schätzen, dass der Bau eines solchen Tunnels normalerweise 1,5 oder zwei Jahre dauern würde. Guzmán war gerade einmal 16 Monate in Haft - der Tunnelbau muss quasi mit seiner Inhaftierung begonnen haben. Die Analyse der verwendeten Materialien und der Bauweise zeige, dass keine Kosten gescheut worden seien, um den Drogenboss schnell zu befreien.

Der 58-jährige Guzmán, zeitweise der meistgesuchte Verbrecher der Welt, war im Jahr 1993 in Guatemala geschnappt worden, konnte aber acht Jahre später ein erstes Mal aus dem Gefängnis ausbrechen. Nach 13 Jahren auf der Flucht fassten ihn mexikanische Fahnder im Februar 2014 in einem Badeort des Bundesstaats Sinaloa.

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Sie kämpfen um die Macht und das Geld - mit brutalsten Mitteln: In Mexiko haben Drogenkartelle dem Staat und ihren Rivalen den Krieg erklärt. SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Syndikate welche Regionen kontrollieren, und erklärt, wer die Hintermänner sind.

ulz/dpa/AFP/AP

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