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Panorama

Inhaftierter Drogenboss

"El Chapo" bleibt in Einzelhaft, Haftbedingungen gelockert

Zweimal ist dem mexikanischen Drogenboss "El Chapo" schon die Flucht aus einem Gefängnis gelungen. Um einen dritten Ausbruch zu verhindern, hat ein US-Richter ein Ende der Einzelhaft ausgeschlossen.

U.S. law enforcement / AP / DPA

Joaquín "El Chapo" Guzmán (Archivbild)

Freitag, 05.05.2017   02:45 Uhr

Die Haftbedingungen für den in den USA inhaftierten mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán sind leicht gelockert worden. Ein New Yorker Bundesrichter entschied, dass Guzmán künftig Briefe an seine Frau schreiben darf. Familienbesuch darf der Drogenbaron jedoch auch weiterhin nicht erhalten, ebensowenig wie Telefonanrufe. Einen Besuch durch Vertreter der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bei Guzmán wurde abgelehnt.

Der Richter schloss auch ein Ende der Einzelhaft aus. Die strengen Haftauflagen seien notwendig, um einen neuerlichen Gefängnisausbruch Guzmáns zu verhindern, der in der Vergangenheit in Mexiko zweimal aus der Haft entkommen war. Auch müsse verhindert werden, dass der Drogenboss aus dem Gefängnis heraus Gewalt gegen mutmaßliche Verräter in den eigenen Reihen organisiere oder die Geschäfte seines Sinaloa-Kartells leite.

Guzmáns Pflichtverteidiger hatten kritisiert, die Einzelhaft schade der körperlichen und mentalen Gesundheit ihres Mandanten. Er leide unter Atembeschwerden, Hals- und Kopfschmerzen. Außerdem habe er über akustische Halluzinationen geklagt; er habe in seiner Zelle Musik gehört, obwohl das Radio ausgeschaltet gewesen sei. Die Anwälte hatten beantragt, Guzmán den bisher untersagten Kontakt zu seiner Frau zu ermöglichen und ihn in Gruppenhaft zu verlegen. Derzeit darf er seine Zelle für eine Stunde am Tag verlassen.

Am Freitag soll Guzmán erneut vor Gericht erscheinen

Der New Yorker Richter hielt in seiner 18-seitigen Entscheidung fest, Guzmán erhalte nahezu täglich Besuch von seinen Anwälten, diese Treffen dauerten durchschnittlich etwa vier bis fünf Stunden. Beschwerden über die Größe von Guzmáns Zelle oder von deren Fenster wies er zurück. Amnesty International hatte sich zuvor ebenfalls besorgt über Guzmáns Haftbedingungen geäußert. Diese seien offenbar "unnötig hart" und verstießen gegen humanitäre Standards. Der Richter nannte einen Besuch von Vertretern der Menschenrechtsorganisation "überflüssig".

Guzmán war im Januar von den mexikanischen Behörden an die USA ausgeliefert worden. Dem früheren Chef des Sinaloa-Kartells droht lebenslange Haft, er ist unter anderem wegen Waffenvergehen und Drogenhandels angeklagt. Derzeit sitzt Guzmán in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan. Am Freitag soll "El Chapo" zum dritten Mal vor Gericht in New York erscheinen. Mit seinen kriminellen Geschäften soll Guzmán mehr als 14 Milliarden Dollar verdient haben - finden konnten die Sicherheitsbehörden in Mexiko und den USA das Vermögen bislang allerdings nicht.

Möglicherweise könnte sich das bald ändern, nachdem am Dienstag sein Vertrauter und möglicher Nachfolger Dámaso López Núñez alias "El Licenciado" ("Der Akademiker") gefasst wurde. Derzeit befindet dieser sich in einem Hochsicherheitsgefängnis in Ciudad Juárez, wo auch "El Chapo" vor seiner Auslieferung in die Vereinigten Staaten einsaß. Gegen López Núñez liegt ein Auslieferungsgesuch des US-Bundesstaats Virginia vor.

max/AFP/AP/dpa

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