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Panorama

Missbrauchsfall in Lügde

Hauptangeklagte haben offenbar um Kinder konkurriert

Die Opfer des Lügder Missbrauchsfalls wurden offenbar "wechselseitig missbraucht". Die Anhörung der Betroffenen lässt laut einem Anwalt auf eine Konkurrenzsituation zwischen den Verdächtigen schließen.

Friso Gentsch/ DPA

Die Angeklagten (Mitte) im Missbrauchsfall von Lügde sollen die Kinder nach Angaben eines Opferanwalts wechselseitig missbraucht haben

Freitag, 05.07.2019   15:36 Uhr

Die Hauptangeklagten im Missbrauchsfall von Lügde sollen sich abwechselnd an ihren minderjährigen Opfern vergriffen haben. "Klar ist, dass die Kinder wechselseitig missbraucht wurden, aber wir haben bislang noch nicht klar und deutlich gehört, inwieweit sie sich abgestimmt haben", sagte Opferanwalt Roman von Alvensleben in einer Verhandlungspause des Prozesses am Landgericht Detmold.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit waren mehrere Kinder und teilweise auch deren Angehörige als Zeugen gehört worden. Nach Darstellung des Anwalts deuten die Aussagen darauf hin, dass es auf dem Campingplatz eine Art Konkurrenzverhältnis der beiden Angeklagten im Umgang mit den Kindern gegeben habe.

Das Gericht hatte bei den Aussagen der Zeugen im Alter zwischen 6 und 13 Jahren zum Teil auch die Angeklagten bei der Befragung ausgeschlossen. Die Anwälte der Nebenkläger hatten dies beantragt und dies mit der großen Angst ihrer Mandanten vor den Angeklagten begründet. Die Mutter eines Opfers wurde bei ihrer Aussage von einer Psychologin begleitet.

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Den Angeklagten Andreas V. und Mario S. wirft die Staatsanwaltschaft hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch vor. Die beiden Angeklagten gestanden zum Auftakt des Prozesses den Großteil der Vorwürfe.

Das Verfahren gegen einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade wurde abgetrennt. Hier will das Gericht am 17. Juli ein Urteil verkünden. Er soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen und die beiden Männer teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

Erst am Donnerstag hatten die Ermittler auf dem Campingplatz eine weitere Parzelle durchsucht. Sie soll einem Freund von Mario S. gehören. Gegen den Mann wurde bereits im vergangenen Jahr ermittelt, nachdem eine 15-Jährige Strafanzeige erstattet hatte. Sie beschuldigte ihn, sie nach einer Feier im Frühling 2018 vergewaltigt zu haben. Der 57-Jährige bestritt das. Ende Oktober wurde das Ermittlungsverfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Am späten Donnerstagabend wurden die Durchsuchungen auf der Parzelle des Mannes laut Polizei abgeschlossen. Die Ermittler fanden dabei mehrere Datenträger. Zahlreiche Gegenstände, die als Beweismittel infrage kommen könnten, seien sichergestellt worden, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit.

fek/dpa

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