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Panorama

Spreepark-Familie

Politiker wollen Deutschen aus peruanischem Gefängnis holen

Die Pleite ihres Freizeitparks führte die Schaustellerfamilie Witte nach Peru. Vieles lief schief, Sohn Marcel landete wegen Drogenschmuggels im Gefängnis. Deutsche Politiker wollen sich nun dafür einsetzen, dass er nach Deutschland zurückkommt.

imago/ Future Image
Montag, 26.10.2015   13:48 Uhr

Marcel Witte ist der Sohn des ehemaligen Betreibers des Berliner Spreeparks, eines seit 2001 brachliegenden Freizeitparks im Osten der Stadt. Der Aufstieg und Fall des Projekts sind eine Geschichte für sich, Schlagzeilen gemacht hat zuletzt vor allem das Schicksal des 35 Jahre alten Witte: Seit zwölf Jahren sitzt er wegen Drogenschmuggels in einem Gefängnis in Lima ein - und appellierte bereits an die Bundesregierung, nach Deutschland überstellt zu werden. Mehrere Bundestagsabgeordnete wollen sich nun für Witte einsetzen. Gemeinsam mit Justizminister Heiko Maas (SPD) wollen sie über eine Lösung sprechen.

Die Vorgeschichte des Dramas: Als der Vergnügungspark 2001 pleiteging, siedelte die Familie mit ein paar Fahrgeschäften nach Peru über. Doch die Pläne scheiterten, Vater Norbert Witte ließ sich mit Drogenschmugglern ein. 2003 versuchten er und sein Sohn, 167 Kilo Koks im Inneren eines Fahrgestells nach Deutschland zu schmuggeln - und wurden verhaftet. Der Vater wurde zu acht Jahren Haft verurteilt und kam nach vier Jahren frei. Der Sohn erhielt eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Während Norbert Witte heute in Berlin lebt und auf dem Bau arbeitet, sitzt sein Sohn noch immer im Gefängnis.

Die Haftbedingungen in der peruanischen Hauptstadt sind umstritten. "Es muss eine Regelung im Sinne der Menschenrechte geben", sagte der SPD-Politiker Frank Schwabe in Lima. Er leitet eine Delegation des Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe.

Norbert Witte beteuerte stets, dass er den geplanten Drogenschmuggel eingefädelt habe, nicht sein Sohn. "Der Junge hatte keine Ahnung, das ist allein meine Schuld", sagte er im Jahr 2009. Auch Marcel Witte bestreitet seine Schuld. Die beiden haben mittlerweile keinen Kontakt mehr. Er wolle nichts mehr mit seinem Vater zu tun haben, sagte Witte kürzlich.

Witte wünscht sich, nach Deutschland überstellt zu werden. Doch ein Problem war bisher, dass Deutschland eine Umsetzung des Urteils schon theoretisch nicht anbieten kann, da so ein Fall hier höchstens mit 15 Jahren bestraft werden dürfte. Mit Peru müsste dann vereinbart werden, welche Strafe Marcel Witte hierzulande noch zu verbüßen hätte. Vermutlich nur ein paar symbolische Monate. "Die Peruaner würden der Überstellung nach Deutschland im Prinzip zustimmen, es hängt an der Bundesregierung", sagte Marcel Witte.

Lesen Sie hier mehr zur Geschichte von Berlins skandalträchtigem Vergnügungspark.

Spreepark Berlin

kis/dpa

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