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Panorama

Anklage gegen Michael Avenatti

Anwalt soll Stormy Daniels betrogen haben

Der juristische Ärger für Michael Avenatti nimmt zu: In New York wurde Anklage gegen den Ex-Anwalt von Stormy Daniels erhoben - weil er die Pornodarstellerin bei einem Buch-Deal um 300.000 Dollar betrogen haben soll.

Frederic J. BROWN /AFP

Michael Avenatti (Archiv): Weitere Anklagen gegen Anwalt erhoben

Donnerstag, 23.05.2019   08:25 Uhr

Gegen den prominenten US-Anwalt Michael Avenatti sind weitere Anklagen erhoben worden. Wie die Staatsanwaltschaft in New York mitteilte, wird der 48-Jährige unter anderem beschuldigt, seine frühere Mandantin Stormy Daniels bei einem Buchvertrag um rund 300.000 Dollar (etwa 270.000 Euro) betrogen zu haben. In einer weiteren neuen Anklage wird ihm versuchte Erpressung des Sportartikelherstellers Nike angelastet.

Avenatti hatte als Anwalt der Pornodarstellerin in ihren Rechtsstreitigkeiten mit US-Präsident Donald Trump und dessen Ex-Anwalt Michael Cohen Bekanntheit erlangt. Stormy Daniels, die mit bürgerlichem Namen Stephanie Clifford heißt, hatte nach eigener Aussage im Jahr 2006 Sex mit Trump.

Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen sagte kürzlich, er habe im Auftrag Trumps Schweigegeld an den Pornostar gezahlt, um im Wahlkampf Schaden von Trump abzuwenden. Trump räumte nach mehreren Dementis eine Zahlung ein, bestreitet aber die Affäre mit Clifford. Die 40-Jährige hat mittlerweile ein Buch über den Fall veröffentlicht.

AFP

Stephanie Clifford (Stormy Daniels) und Michael Avenatti im April 2018: "Extrem unehrlich"

Avenatti wiederum liebäugelte im vergangenen Jahr auf dem Höhepunkt seiner Medienpräsenz zwischenzeitlich mit der Idee, sich selbst um das Präsidentenamt zu bewerben. Inzwischen ist sein Stern tief gesunken. Bereits im April war Avenatti in Los Angeles wegen Diebstahls, Bankenbetrugs und Steuerhinterziehung angeklagt worden. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Millionen von Dollar von mehreren Kunden gestohlen zu haben.

In einer der jetzt neu erhobenen Anklagen wird Avenatti vorgeworfen, sich der Fälschung von Dokumenten bedient zu haben, um den für seine Mandantin bestimmten 300.000-Dollar-Vorschuss eines Verlegers an sich überweisen zu lassen. Die Mandantin wird in der Klageschrift zwar nicht namentlich benannt und nur als "Opfer-1" bezeichnet. Laut US-Medienberichten handelt es sich jedoch um Clifford. Sie hatte sich im Streit von Avenatti getrennt und ihm vorgeworfen, "extrem unehrlich" mit ihr umgegangen zu sein.

Avenatti bestreitet Vorwürfe

Das Geld aus dem Buch-Deal verwendete Avenatti laut Anklage unter anderem für die Bezahlung eines Luxusautos, Hotelübernachtungen und Flüge, Mahlzeiten und die Reinigung seiner Kleidung. Avenatti wies die Vorwürfe zurück. Keine der für Clifford bestimmten Zahlungen sei "jemals abgezweigt" worden, erklärte er.

Als Anwalt des Pornostars hatte sich Avenatti vor allem dafür eingesetzt, dass eine von Clifford mit Cohen unterzeichnete Schweigevereinbarung von 2016 formell annulliert worden sollte. Clifford hatte sich darin kurz vor der Präsidentschaftswahl gegen eine Zahlung von 130.000 Dollar dazu verpflichtet, nicht über die angebliche Affäre mit Trump zu sprechen.

In der zweiten in New York erhobenen Anklage wird Avenatti beschuldigt, gemeinsam mit einem Komplizen bei einem Treffen mit Nike-Anwälten gedroht zu haben, Vorwürfe des Fehlverhaltens bei dem Sportkonzern publik zu machen. Auf diese Weise habe er mehr als 20 Millionen Dollar von dem Unternehmen erpressen wollen. Wegen dieser Anschuldigung war Avenatti im März in New York kurzzeitig festgenommen worden, er kam damals gegen eine Kaution von 300.000 Dollar frei.

wit/AFP/Reuters

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