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Panorama

Missbrauchsfall in Lügde

Neue Durchsuchung auf Campingplatz - weiterer Mann unter Verdacht

Im Zusammenhang mit dem Fall des sexuellen Missbrauchs von Kindern hat die Polizei erneut den Campingplatz in Lügde durchsucht. Im Visier der Ermittler: ein weiterer Mann.

Joanna Nottebrock

Diese Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde wurde von der Polizei durchsucht (Archiv).

Donnerstag, 04.07.2019   10:37 Uhr

Im Missbrauchsfall in Lügde gibt es einen weiteren Beschuldigten. Es handele sich um einen 57-jährigen Mann aus Steinheim bei Höxter, teilten die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei Bielefeld mit.

Demnach begann die Polizei am Mittwoch damit, eine weitere Parzelle auf dem Campingplatz zu durchsuchen, die bisher nicht im Mittelpunkt der Ermittlungen stand. Einen entsprechenden Bericht des "Westfalen-Blattes" bestätigte ein Sprecher der Polizei Bielefeld. Auf dem Campingplatz seien Ermittler im Einsatz und "bestimmte Bereiche abgesperrt", sagte der Sprecher dem SPIEGEL.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, dass auch die Wohnung des Verdächtigen in Steinheim durchsucht wurde. Das minderjährige Opfer, durch das die Ermittler auf den 57-Jährigen gekommen waren, gehöre zu den Kindern, die bisher noch nicht befragt worden seien, sagte Reul.

Das Kind sei erstmals am Mittwoch befragt worden. Das Kind habe eigentlich nur zu Verdachtsmomenten gegen die bereits bekannten Tatverdächtigen gehört werden sollen, sagte Reul. Dann aber habe sich der Verdacht des sexuellen Missbrauchs auch dieses Kindes ergeben, und zwar "innerhalb des eigenen sozialen Umfelds". Es habe Hinweise auf den 57-Jährigen aus seinem "sozialen Nahbereich" gegeben. Unmittelbar darauf hätten die Durchsuchungen der Parzelle und der Wohnung begonnen.

Ziel sei das Auffinden von Beweismitteln, teilten die Ermittler mit. Bei der Durchsuchung wurden offenbar Gegenstände sichergestellt. Ermittler in weißen Schutzanzügen fotografierten auf der Parzelle und trugen in Kisten Gegenstände von dem Gelände, wie ein dpa-Reporter am Mittag berichtete.

Auf der Parzelle steht laut der Zeitung ein älterer Wohnwagen mit einem festen Anbau. Demnach wurde er mit Flatterband abgesperrt und über Nacht bewacht. Der 57-Jährige sei durch die Vernehmung eines minderjährigen Opfers in den Fokus der Ermittlungskommission "Eichwald" geraten, teilten die Ermittler mit. Gegen den Mann wurde demnach aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet.

Der Mann befinde sich jedoch auf freiem Fuß, teilte die Polizei Bielefeld mit. "Er wurde weder vorläufig festgenommen, noch wurde ein Haftbefehl gegen ihn beantragt", hieß es.

Reul schließt nicht aus, dass noch mehr Verdächtige auftauchen könnten. Auch weitere, bisher noch nicht befragte Kinder, würden angehört. Das Wichtigste sei zunächst aber gewesen, dass der Prozess habe starten können. Die Ermittlungskommission "Eichwald" wurde nach Angaben Reuls inzwischen von rund 80 auf noch 31 Beamte reduziert.

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Der Strafprozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz geht am Donnerstag vor dem Landgericht Detmold weiter. Dabei sollen weitere Opfer und Angehörige gehört werden. Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt.

Vor Gericht stehen noch zwei Angeklagte, der 56-jährige Andreas V. aus Lügde und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, den 49-jährigen Heiko V. aus dem niedersächsischen Stade, war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden. Es wird am 17. Juli fortgesetzt.

Die Anklage wirft Andreas V. und Mario S. hundertfachen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen und in einem Haus in der Ortschaft Steinheim vor. Der 49-Jährige aus Stade soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben. Angeklagt wurden die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer. Die Ermittler der Polizei Bielefeld gehen inzwischen von mehr als 40 Opfern aus.

wit/le/dpa

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