Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

NSU-Prozess

Beate Zschäpe will sich zu allen Anklagepunkten äußern

Jahrelang kein Ton, nun angeblich komplette Offenheit: Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe will im Münchner NSU-Prozess laut ihrem Anwalt umfassend aussagen.

DPA

Beate Zschäpe Mitte November vor Gericht: Will ihr Schweigen brechen

Montag, 07.12.2015   16:07 Uhr

Die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe will im NSU-Prozess nach Angaben ihres Verteidigers Mathias Grasel zu allen Anklagepunkten Angaben machen. Grasel will die Erklärung voraussichtlich in dieser Woche verlesen, womöglich bereits diesen Dienstag. "Diese Erklärung wird sich mit allen angeklagten Punkten beschäftigen, und wir werden da auf jeden einzelnen Punkt eingehen", sagte der Verteidiger am Montag dem Bayerischen Rundfunk.

Konkret werde es darum gehen, was die Hauptangeklagte Zschäpe gewusst habe und worin sie involviert gewesen sei, erklärte Grasel. Fragen des Gerichts würden voraussichtlich nicht von Zschäpe selbst, sondern von ihm oder seinem Kollegen Herrmann Borchert beantwortet.

Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass "Schweigen hier nicht mehr die richtige Strategie ist, sondern dringend eine Erklärung geboten ist", erklärte Grasel, der vom Oberlandesgericht erst im Juli, nach mehr als zwei Jahren Prozessdauer, zum vierten Pflichtverteidiger bestellt worden war. "Das entspricht im Übrigen auch dem ursprünglichen Wunsch von Frau Zschäpe, der bereits seit ihrer Verhaftung im Jahr 2011 so existierte", sagte Grasel.

Der Ankündigung der Aussage war ein Streit zwischen Zschäpe und ihren Verteidigern Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl vorausgegangen. Das Vertrauensverhältnis zwischen Angeklagter und ihren drei Verteidigern galt als zerrüttet. Grasel stieß daraufhin auf Wunsch Zschäpes hinzu. Über ihn hat sie nun auch die Bereitschaft zur vollständigen Offenheit geäußert. Die drei Altverteidiger hatten zuletzt mehrfach erfolglos ihre Entpflichtung beantragt.

Beate Zschäpe ist wegen Mittäterschaft an zehn Morden des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) angeklagt. Bisher gibt es keine Erkenntnisse, dass sie an einem der Tatorte der Morde war. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 2011 mutmaßlich durch Suizid ums Leben gekommenen NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Morde verübt hatten. Zschäpe soll die Taten gedeckt und verheimlicht haben, außerdem wird ihr vorgeworfen, das letzte Versteck des Trios in Brand gesetzt zu haben.

NSU-Chronik

apr/dpa/AFP

insgesamt 22 Beiträge
eisern79 07.12.2015
1. Endlich Licht ins Dunkle?
Nach den zahlreichen Prozesstagen kommt jetzt hoffentlich endlich Licht ins Dunkle. Bin gespannt auf Ihre Aussagen
Nach den zahlreichen Prozesstagen kommt jetzt hoffentlich endlich Licht ins Dunkle. Bin gespannt auf Ihre Aussagen
chjuma 07.12.2015
2. ich dachte immer
dass Anwälte FÜR ihre Mandanten sind. Falls es richtig ist, dass Frau Z. bereits seit ihrer Verhaftung reden möchte, jedoch von ihren Anwälten daran gehindert wurde, sollte vielleicht auch eine Zelle für diese wegen [...]
dass Anwälte FÜR ihre Mandanten sind. Falls es richtig ist, dass Frau Z. bereits seit ihrer Verhaftung reden möchte, jedoch von ihren Anwälten daran gehindert wurde, sollte vielleicht auch eine Zelle für diese wegen Nötigung, Stfafvereitelung, versuchter Rechtsbeugung und Beihilfe zur Freiheitsberaubung sauber gemacht werden. Es ist ja nett, dass hierzulande jeder Verbrecher das Recht hat mittels Rechtsbeistand jede Dreckigkeit mit schwerer Kindheit zu begründen um dann von rührseligen Richtern zu Strafurlaub oder zigfacher Dauerbewährung "verdonnert" zu werden. Aber bei vorsätzlichen Morden und organisiertem Verbrechen sollten auch Anwälte an ihre Pflichten gegenüber dem Recht und der Gesellschaft erinnert werden. Denn nicht nur Verbrecher haben Rechte. Eigentlich....oder????
trevi 07.12.2015
3. Und dafür wurde...
bisher jahrelang prozessiert und Unsummen an Gerichts-Prozess-Geldern verschwendet. Ich empfinde es mehr als ein Trauerspiel wie sich das Gericht nun seit Jahren an der Nase herum führen lässt. Deweil gäbe es doch so viel zu [...]
bisher jahrelang prozessiert und Unsummen an Gerichts-Prozess-Geldern verschwendet. Ich empfinde es mehr als ein Trauerspiel wie sich das Gericht nun seit Jahren an der Nase herum führen lässt. Deweil gäbe es doch so viel zu tun, bzw. Gerichtstermine zu erledigen ...
ernstmoritzarndt 07.12.2015
4. Das soll mich doch mal verlangen .....
... würde der gute Bremer sagen. Es sollte dabei nicht unberücksichtigt bleiben, daß irgendwann auch einmal eine Prozeßtaktik geändert werden muß. Ob das jedoch durch einen Verteidiger geschehen kann, der eine rund [...]
... würde der gute Bremer sagen. Es sollte dabei nicht unberücksichtigt bleiben, daß irgendwann auch einmal eine Prozeßtaktik geändert werden muß. Ob das jedoch durch einen Verteidiger geschehen kann, der eine rund 2-jährige Beweisaufnahme selbst nicht miterlebt hat, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. Andere Begründung: die Angeklagte ist nicht mehr in der Lage, die Belastungen eines solchen Verfahrens zu ertragen.
derweissheitletzterschlus 07.12.2015
5. Konkrete Aussage? Wohl kaum!
Warum der Wandel? Wozu sollte Frau "Ich-kneife-den-Mund-zusammen" ihre Strategie des Schweigens und der Justizverhöhnung gerade jetzt aufgeben? Diese und ähnliche Ankündigungen konnte man schon oft hier lesen. Diese [...]
Warum der Wandel? Wozu sollte Frau "Ich-kneife-den-Mund-zusammen" ihre Strategie des Schweigens und der Justizverhöhnung gerade jetzt aufgeben? Diese und ähnliche Ankündigungen konnte man schon oft hier lesen. Diese endlose Zirkusnummer, bei der sich sogar möglicherweise einer der noch lebendigen Darsteller, noch als V-Mann des so Verfassungsschutzes aus der Torte hüpft, endet bestimmt nicht mit Überraschungen. Juristische Kunststückchen seitens der Pflichtverteidigung und auch der Staatsanwaltschaft werden an diesem Punkt wieder in rote Aktendeckel geheftet, so die Angeklagte und Hauptzeugin wieder das menschenverachtende Poker-Lächeln auf ihr Gesicht zaubert, Befangenheitsanträge stellt, Pflichtverteidiger entbinden lässt und frisch gefönt vor dem Hohen Haus in erneutes Schweigen verfällt.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP