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Panorama

Isolierte Familie in den Niederlanden

Vater meldete sich als ausgewandert ab

Die Kinder sollen neun Jahre lang eingesperrt gewesen sein: Der Vater hatte die Existenz der Familie auf einem abgeschiedenen Hof in den Niederlanden offenbar mit einem Trick verschleiert. Behörden bemerkten nichts.

Jannink/ANP/dpa

Ruinerwold: In diesem abgelegen Hof soll die Familie jahrelang gelebt haben, von der Außenwelt abgeschnitten

Sonntag, 20.10.2019   15:05 Uhr

Der Mann, der seine Kinder über Jahre auf einem Hof in den Niederlanden festgehalten haben soll, hat vor etwa zehn Jahren seine Auswanderung gemeldet. Kurz darauf aber war er mit sechs Kindern auf einem Bauernhof in Ruinerwold in der östlichen Provinz Drenthe untergetaucht. Der Mann wird der Freiheitsberaubung der heute erwachsenen Kinder verdächtigt und sollte am Montag dem Haftrichter vorgeführt werden. (Einen Vorortbericht dazu lesen Sie hier.)

Der Vater und die vier Mädchen und zwei Jungen im Alter von 18 bis 25 Jahren hatten vermutlich seit 2010 in einem abschließbaren Raum auf dem Hof gelebt. Die Familie war vor knapp einer Woche entdeckt worden, nachdem der 25-jährige Sohn Jan in einer Kneipe um Hilfe gebeten hatte.

"Kein weiteres Geld gefunden"

Gerrit Jan van D. habe sich 2009 aus der niederländischen Einwohnermeldeliste streichen lassen, teilte die Staatsanwaltschaft in Groningen mit. Dabei habe er angegeben, er sei ausgewandert.

Die Hintergründe des Falles sind unklar. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass die Familie wie in einer Sekte zusammenlebte. Weiterhin in Haft ist auch ein 58-jähriger Österreicher. Josef B. war Mieter des Hofes. Auch er wird der Freiheitsberaubung verdächtigt.

Die Polizei setzte am Wochenende die Durchsuchung des Hofes fort. Auch ein Geldsuchhund zum Aufspüren versteckter Geldscheine sei eingesetzt worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Groningen. "Es wurde aber kein weiteres Geld gefunden." Vor einigen Tagen war ein "substanzieller Betrag" entdeckt worden. Um welche Summe es genau geht, ist unklar. Weitere Ergebnisse der Ermittlungen wurden nicht mitgeteilt.

Bewohner des 4000-Seelen-Dorfes hatten nie etwas von der Anwesenheit einer Familie bemerkt. Bei den niederländischen Behörden war die Existenz der Kinder gar nicht bekannt, sie waren dort nie gemeldet worden.

Der Vater besitzt nach Angaben der Polizei seit den Neunzigerjahren in der Region nahe dem Ort Staphorst ein großes Waldstück. Dort wollte er eine Lebensgemeinschaft mit ehemaligen Drogensüchtigen aufbauen, berichteten Anwohner niederländischen Medien.

koe/dpa

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