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Panorama

Zwangsräumung in Sachsen-Anhalt

Ex-Mister Germany von SEK angeschossen

Bei der Zwangsräumung eines Hauses in Sachsen-Anhalt fielen Schüsse. Zwei SEK-Beamte und der Hauseigentümer wurden verletzt. Der 41-Jährige gehört der Reichsbürgerbewegung an.

DPA

Polizeieinsatz in Reuden

Donnerstag, 25.08.2016   16:28 Uhr

In Reuden in Sachsen-Anhalt hat es einen Schusswechsel gegeben, als ein Haus von der Polizei zwangsgeräumt werden sollte. Sowohl der 41-jährige Hausbesitzer Adrian Ursache als auch die Polizei hätten Schüsse abgefeuert, sagte eine Polizeisprecherin. Dabei soll Ursache schwer verletzt worden sein. Er kam mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus.

Zwei SEK-Beamte, so hieß es, hätten leichte Verletzungen erlitten. Ein Beamter sei womöglich durch einen Schuss am Hals verletzt, der andere sei von einem Unterstützer von Ursache gebissen worden.

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Adrian Ursache bei einem Schönheitswettbewerb (Archiv)

Ursache sei Anhänger der so genannten Reichsbürgerbewegung, die die Bundesrepublik nicht als souveränen Staat anerkennt. Wie die "Mitteldeutsche Zeitung" berichtet, hat der ehemalige Mr. Germany auf dem Grundstück den Mini-Staat "Ur" ausgerufen. Er sehe sich nicht an deutsche Gesetze gebunden.

Die Grenzen der deutschen Staatsmacht

Bei früheren Auseinandersetzungen mit der Polizei soll Ursache gerufen haben, er sei auf seinem Staatsgebiet, die Polizei könne ihm gar nichts.

Eigentlich sollte die Zwangsräumung des Hauses bereits am Mittwoch stattfinden. Da sich allerdings zeitweise 120 Unterstützer von Ursache - darunter auch Frauen und Kinder - auf dem Gelände befanden, brach die Polizei die Aktion ab, wie die Sprecherin SPIEGEL ONLINE sagte.

Bei der Ankunft der deutschen Staatsgewalt hätte eine Gruppe von ungefähr 15 Personen gegen die Räumung protestiert. Laut der Sprecherin wurden die Polizisten aus der Gruppe heraus mit Pflastersteinen und anderen Gegenständen beworfen. Ursache habe die Beamten zudem mit einer Waffe bedroht, woraufhin es dann zu der Schießerei gekommen sei.

Wer zuerst geschossen habe, ist laut Aussage der Sprecherin noch unklar. Der genaue Hergang werde derzeit von Kriminaltechnikern rekonstruiert. Die Polizei war mit einen Großaufgebot angerückt, darunter gut 200 Beamte eines Spezialeinsatzkommandos und der Landesbereitschaftspolizei, um die Zwangsräumung durch einen Gerichtsvollzieher zu unterstützen.

Die Zwangsräumung solle trotz der turbulenten Ereignisse noch am Donnerstag vollzogen werden, hieß es. Laut Polizei soll eine nicht beglichene Grundschuld Anlass für die Maßnahme gewesen sein.

jal/dpa

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