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Panorama

Kriminalfall Lübcke

Erschossener CDU-Politiker - neue Hinweise nach TV-Aufruf

Der Fall des erschossenen CDU-Politikers Walter Lübcke beschäftigt Dutzende Ermittler. Ein Aufruf bei "Aktenzeichen XY" führte nun zu neuen Hinweisen aus der Bevölkerung - inklusive Fotos und Videos.

Ralph Orlowski/REUTERS

Tatort in Wolfhagen-Istha bei Kassel

Donnerstag, 06.06.2019   09:37 Uhr

Im Fall des erschossenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke sind neue Hinweise bei den Ermittlern eingegangen, nachdem die Polizei in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" um Informationen aus der Bevölkerung gebeten hatte. "Eine ganz heiße Spur war aber noch nicht dabei", sagte der Soko-Sprecher der Polizei, Torsten Werner.

Über das Hinweistelefon seien am Mittwochabend "ein paar wenige Anrufe eingegangen". Die Ermittler hatten sich mehr von der Fernsehfahndung versprochen, sagte Werner. Wie viele Hinweise seit der Ausstrahlung insgesamt eingegangen sind, ließ die Polizei offen.

Zudem seien "einige Fotos und Videos" von Besuchern einer Kirmes in der Nähe des Tatorts per E-Mail zugesandt worden. Die Dateien müssten aber noch ausgewertet werden. "Bislang haben wir keine konkreten Erkenntnisse", sagte Werner.

Uwe Zucchi/ DPA

Walter Lübcke im Jahr 2012

Die Kirmes fand zwischen Donnerstag und Sonntag wenige Meter entfernt vom Haus des CDU-Politikers statt. Die Polizei bat daher Zeugen um Videos und Fotos, die dort in der Nacht von Samstag auf Sonntag zwischen 22 und 1 Uhr aufgenommen worden seien. Wer am Samstagabend oder nach Mitternacht in Istha Knall- oder Schussgeräusche gehört habe, sollte sich ebenfalls melden.

Unterdessen wurde die Soko "Liemecke" von etwa 20 auf rund 50 Beamte verstärkt. Es sei üblich, dass solch eine Einheit im Laufe der Ermittlungen aufgestockt werde, sagte Soko-Sprecher Werner.

Ein Angehöriger hatte Lübcke in der Nacht zum Sonntag auf der Terrasse seines Wohnhauses in Wolfhagen-Istha nahe Kassel gefunden. Der 65-Jährige starb an einem Kopfschuss, der aus kurzer Distanz abgefeuert worden war. Täter und Motiv sind noch unklar.

Der 65-jährige Lübcke war zehn Jahre lang Regierungspräsident in Kassel. Das Präsidium ist eine Behörde mit etwa 1200 Beschäftigten. Sie führt im Wesentlichen Entscheidungen der hessischen Landesregierung aus.

Die Trauerfeier für Lübcke soll am 13. Juni in Kassel stattfinden. In der Martinskirche werde es um 16 Uhr einen Trauergottesdienst mit "protokollarischen Ehrenbekundungen" geben, wie die stellvertretende Regierungssprecherin in Hessen, Elke Cezanne, sagte.

Bei dem Trauergottesdienst werden Polizei und Bundeswehr eine Ehrenwache am Sarg halten, wie Cezanne sagte. Außerdem werde der Sarg mit der hessischen Landesfahne bedeckt. Sprechen sollen auf der Trauerfeier Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein.


Das LKA Hessen nimmt Hinweise entgegen unter 0561-910 44 44 oder wolfhagen@polizei-hinweise.de

mxw/dpa/AFP

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