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Kabelbrand

Bahnverkehr im Osten Berlins bricht zusammen

Nichts geht mehr: Aufgrund eines Kabelbrands sind im östlichen Teil Berlins Dutzende Züge ausgefallen. Auch der Regional- und Fernverkehr ist betroffen. Ein gleichwertiger Ersatz mit Bussen ist offenbar nicht möglich.

DPA

S-Bahnhof Warschauer Straße in Berlin am Montagmorgen: Nichts geht mehr

Montag, 23.05.2011   09:54 Uhr

Berlin - Zehntausende Berliner und Brandenburger haben am Montagmorgen im Ostteil der Hauptstadt und im östlichen Umland vergeblich auf ihre Bahn gewartet. Aufgrund eines Kabelbrands im Verkehrsknotenpunkt Ostkreuz fielen nach Angaben eines Bahnsprechers die Signale und der Strom für die Züge aus, etliche Bahnen fuhren nicht. Die Bahn könne keinen Ersatzverkehr mit Bussen bieten, weil zu viele Linien von dem Ausfall betroffen seien.

Die Störung wird den Angaben zufolge mindestens den Vormittag lang andauern. Erschwert wurde die Situation dadurch, dass die Lokführergewerkschaft GDL seit dem Morgen wieder die Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (Odeg) bestreikt. Fahrtanzeiger und Lautsprecher auf den betroffenem Bahnhöfen seien allerdings ebenfalls ausgefallen, so dass die Fahrgäste kaum informiert werden könnten, hieß es.

Nach Angaben auf der Internetseite des Berliner S-Bahn fiel der Verkehr auf den Linien S9, S46 und S47 ganz aus. Die S5, S7 und S75 verkehrten am Morgen nur im 20-Minuten-Takt. Die S3 fuhr nur zwischen Spandau und Ostbahnhof. Die Berliner Ringbahn werde komplett befahren - allerdings unregelmäßig im 10- oder 20-Minuten-Takt. Der Flughafen Schönefeld wird ausschließlich mit Bussen angefahren. Günstig sei der Schnellbus SXF1, sagte der Sprecher.

Zu erheblichen Einschränkungen kam es auch im Fern- und Regionalverkehr. Besonders betroffen waren die Strecken von Ostbahnhof in Richtung Fürstenwalde, Schönefeld und Königs-Wusterhausen. Die Bahn richtete nach eigenen Angaben Umleitungen über Lichtenberg und Gesundbrunnen ein.

Der Kabelbrand betraf eine Computerzentrale der Bahn. Das Feuer sei gegen 3.00 Uhr im Kommunikationsknoten der IT-Sparte DB Systel entdeckt worden, teilte das Unternehmen mit. Von den Schäden war auch die Internetseite des Konzerns betroffen. Tickets könnten derzeit nicht online gebucht werden, teilte die Bahn mit. Auch Reservierungen und aktuelle Fahrplanauskünfte seien nicht möglich.

Erst am 1. November 2010 hatte es einen ähnlichen Kabelbrand gegeben. Er war durch einen Brandanschlag Autonomer verursacht worden. Die Auswirkungen waren damals aber geringer als am Montag. Die Bundespolizei hat sich eingeschaltet: Es werde in alle Richtungen ermittelt, so ein Polizeisprecher. Erkenntnisse zur Ursache lägen jedoch noch nicht vor. Vom Unfall bis zum Brandanschlag werde derzeit alles in Betracht gezogen.

Die S-Bahn in der Hauptstadt hat seit langem große Probleme. Wegen technischer Mängel ist seit knapp zwei Jahren immer nur ein Teil der Flotte einsatzbereit. Der Rest muss in den Werkstätten sicherheitstechnisch überprüft werden. Hinzu kommen umfangreiche Bauarbeiten mit dem Schwerpunkt im nunmehr lahmgelegten Bahnhof Ostkreuz, die immer wieder zu Unterbrechungen des normalen Linienverkehrs führen.

hut/dpa/dapd

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