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Panorama

Wettbewerb in Kanada

Villa zu verkaufen - für 25 Dollar und einen schönen Brief

Alla Wagner aus Kanada hat einen Wettbewerb ausgerufen: Wer den überzeugendsten Brief schreibt, bekommt für eine kleine Gebühr ihre Villa am See. Im Interview erzählt sie, worauf es dabei ankommt.

Ken Zacharias
Von
Donnerstag, 07.02.2019   08:26 Uhr

Bis zum vergangenen Sommer hatte Alla Wagner nie daran gedacht, ihre Villa in Millarville zu verkaufen. Hier, in der kleinen Ortschaft im kanadischen Bundesstaat Alberta, wollte sie alt werden, so erzählt sie es. Ihr Familienunternehmen hatte das Haus gebaut, 2011 zog sie selbst ein - und hatte vor zu bleiben. Doch es geschah ein Unglück.

Die chronisch kranke Frau fiel von einem Stuhl, verletzte sich am Rücken und konnte keine Treppen mehr steigen. Ihr erwachsener Sohn zog wieder bei ihr ein, um ihr zu helfen. Alla Wagner entschied schließlich, das Anwesen zu verkaufen und sich etwas Kleineres zu suchen.

Doch für den Preis von rund 1,7 Millionen kanadischen Dollar habe sich kein Käufer gefunden, sagt Wagner. So kam sie auf die Idee mit dem Wettbewerb: Sie beschloss, ihr Haus an denjenigen zu geben, der ihr in 350 Worten am überzeugendsten beschreibt, warum das neue Zuhause sein Leben verändern würde. "Schreib einen Brief, gewinne ein Haus", nennt sie die Aktion auf Facebook. Die Vorauswahl trifft sie, später entscheidet eine Jury, so der Plan.

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Millarville: Die Villa am See

Jeder Teilnehmer, schreibt sie, muss eine Gebühr von 25 kanadischen Dollar zahlen - bei ungefähr 68.000 Briefen wäre damit der Preis des Hauses erreicht. Sollte diese Mindestanzahl nicht erreicht werden, scheitert der Wettbewerb. Ebenso ende er ohne Gewinner, wenn sich zuvor jemand findet, der bereit ist, den kompletten Preis zu zahlen. Alle Teilnehmer würden ihre Gebühr in den Fällen zurückbekommen, verspricht Wagner.

Den Wettbewerb sieht sie als Crowdfunding mit doppeltem Sinn: Es könne eine Familie mit einem kleinen Investment glücklich machen. Ihr selbst könne es helfen, wieder selbstständiger zu leben. Kostenlos würden die neuen Hausbesitzer freilich nicht in der Villa wohnen: Allein die monatlichen Steuern lägen bei 600 kanadischen Dollar, heißt es auf Facebook. Hinzu kommen demnach bei zwei Personen Nebenkosten von 300 bis 350 kanadischen Dollar.

Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann noch bis zum 5. April seinen Beitrag einsenden. Sollte die Mindestanzahl nur knapp verfehlt werden, sei es möglich, die Frist zu verlängern, schreibt Wagner auf Facebook.

Alla Wagner

Alla Wagner

SPIEGEL ONLINE: Frau Wagner, was macht einen Siegerbrief aus?

Alla Wagner: Er kann ein Essay sein, ein Gedicht, ein wunderschöner, romantischer Brief. Die Geschichten müssen nicht traurig sein, sie können erhebend sein, sie können motivierend sein. Ich muss mir das Leben der Person, der Familie, in diesem Zuhause vorstellen können.

SPIEGEL ONLINE: Spielt es eine Rolle, woher die Teilnehmer kommen?

Wagner: Internationale Teilnehmer müssen sich nur über die Gesetze informieren. Wenn ich die Briefe lese, ignoriere ich komplett, woher sie kommen.

SPIEGEL ONLINE: Für einen erfolgreichen Wettbewerb müssen mindestens 68.000 Briefe zusammenkommen - wollen Sie die tatsächlich alle lesen?

Wagner: Absolut. Ich freue mich darauf. Ich habe immer noch viele Schmerzen, weil ich mehr sitze, als ich gewohnt bin, aber ich fühle mich trotzdem energiegeladen und fröhlich. Sie sollten einige der Schreiben sehen, die ich bekomme: Manche Leute haben ihre Geschichte in einem kleinen Hardcover-Buch verpackt, manche schicken Puzzles.

SPIEGEL ONLINE: Sie bekommen E-Mails und handschriftliche Briefe. Wie viele schaffen Sie an einem Tag?

Wagner: Ich bin eine fleißige Leserin, 750 Zuschriften pro Tag sind mein Minimalziel. Einmal hatte ich Probleme, weil mein E-Mail-Postfach zu klein war, an solchen Tagen schaffe ich weniger.

SPIEGEL ONLINE: Was waren die berührendsten Briefe, die Sie bis jetzt gelesen haben?

Wagner: Die Geschichten, die mich wirklich für eine Weile zum Weinen gebracht haben, waren beide von Kindern, elf und neun Jahre alt. Sie schrieben, wie sehr sie sich wünschen, dass ihre Mütter glücklich sind. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie es in das Finale schaffen. Denn es geht bei dem Wettbewerb um kreatives Schreiben und nicht um die rührseligsten Geschichten. Manchmal frage ich meinen Sohn nach einer zweiten Meinung. Mit 28 Jahren ist seine Perspektive auf das Leben eine andere.

SPIEGEL ONLINE: Wie wollen Sie verhindern, dass jemand das Haus bekommt, der es nur als Investment sieht?

Wagner: Das ist ein großes Problem. Rechtlich kann ich es nicht verhindern. Ich zähle auf den menschlichen Anstand.

SPIEGEL ONLINE: Was mögen Sie an Ihrem Haus am liebsten?

Wagner: Den Ausblick. Von meinem Schlafzimmer sehe ich den wunderschönen See, die wunderschönen Bäume und Berge. Der einzige Raum in dem Haus, der keinen spektakulären Ausblick hat, ist mein Keller. Er hat keine Fenster. Ich liebe den Komfort meiner Badezimmer, ich liebe meinen Weinkeller, meine Terrassen, und ich verehre meine Küche.

SPIEGEL ONLINE: Manche Leute bezeichneten Sie als Betrügerin - was sagen Sie denen?

Wagner: Hört euch meine Geschichte an, schaut euch die Videos an. Sie zeigen, dass ich echt bin. Und ich werde nicht meinen Ruf, den meiner Familie und meines Landes aufs Spiel setzen.

insgesamt 21 Beiträge
dasfred 07.02.2019
1. Im Grunde ist das eine Art Tombola
Statt Lose im Wert des Hauses zu verkaufen, kassiert sie "Gebühr" zur Teilnahme und verbindet das ganze dann mit diesem absolut subjektiven Wettbewerb. Viel Spaß dann mit täglich 750 Aufsätzen.
Statt Lose im Wert des Hauses zu verkaufen, kassiert sie "Gebühr" zur Teilnahme und verbindet das ganze dann mit diesem absolut subjektiven Wettbewerb. Viel Spaß dann mit täglich 750 Aufsätzen.
kalim.karemi 07.02.2019
2. clickbait
da wird in der Überschrift der Eindruck vermittelt, eine herzensgute Philantrophin verschenkt quasi ihre Villa, dabei gehts um eine Verlosung, Einsatz 25$. Die Geschicht mit der guten Geschichte, die entscheidend sein soll, ist [...]
da wird in der Überschrift der Eindruck vermittelt, eine herzensgute Philantrophin verschenkt quasi ihre Villa, dabei gehts um eine Verlosung, Einsatz 25$. Die Geschicht mit der guten Geschichte, die entscheidend sein soll, ist völlig nebensächlich, wie der Vorrredner schon schreibt, kein Mensch liest 750 Geschichten am Tag. Vielleicht betrachtet man das Ganze mal von der steuerlichen Seite, philantrophisch ist daran überhaupt nichts.
spon_3175452 07.02.2019
3. ist das wirklich richtig so.
eine unrealistische Kaufpreisvorstellung wird mit der Verlosung realisiert.
eine unrealistische Kaufpreisvorstellung wird mit der Verlosung realisiert.
sternenguckerle 07.02.2019
4. Wirklich, Spon?!
Hier geht es doch nicht um eine nette aber bedauernswerte Frau und ihr großzügiges "Geschenk". Hier geht es um eine verschleierte Glücksspiel-Tombola, mit der die gute Frau den ihr entgangenen Verkaufsgewinn reinholen [...]
Hier geht es doch nicht um eine nette aber bedauernswerte Frau und ihr großzügiges "Geschenk". Hier geht es um eine verschleierte Glücksspiel-Tombola, mit der die gute Frau den ihr entgangenen Verkaufsgewinn reinholen will. Warum veröffentlicht der Spiegel online solche Geschichten?
sven2016 07.02.2019
5. Eigentlich müsste sie für die Aktion
eine Glücksspiellizenz erwerben. Dann würden erhebliche Abgaben fällig und 68.000 Teilnehmer reichen nicht mehr, eher die doppelte Anzahl. Das wird vorher platzen, da bin ich sicher.
eine Glücksspiellizenz erwerben. Dann würden erhebliche Abgaben fällig und 68.000 Teilnehmer reichen nicht mehr, eher die doppelte Anzahl. Das wird vorher platzen, da bin ich sicher.

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