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Panorama

Kasan

50 Menschen sterben bei Flugzeugunglück in Russland

Die Piloten versuchten zu landen - doch es gelang ihnen nicht. In der russischen Stadt Kasan sind bei einem schweren Flugzeugunglück alle 50 Insassen einer Maschine ums Leben gekommen. Die Boeing 737-500 brach bei der Landung auseinander und explodierte.

REUTERS
Sonntag, 17.11.2013   20:56 Uhr

Hamburg - Der Landeanflug gestaltete sich außergewöhnlich schwierig. Die Piloten versuchten die Boeing 737-500 zu Boden zu bringen, doch es gelang ihnen nicht. Beim zweiten Landeversuch schlug die Maschine am Boden auf und explodierte. Augenzeugen zufolge rammte die Maschine die Landebahn mit dem Bug.

50 Menschen waren beim Start in Moskau an Bord gegangen, 44 Passagiere und 6 Besatzungsmitglieder. Keiner von ihnen überlebte das Unglück. Der Ermittlungsausschuss erklärte, drei mögliche Ursachen würden geprüft: ein Pilotenfehler, technisches Versagen und die Wetterbedingungen. Der Flughafen wurde bis Montagmorgen geschlossen

Das Wetter bei der Landung war gut. Leichter Schnee, drei Grad Celsius, schwacher Wind, nichts Außergewöhnliches. "Die Sicht betrug 5000 Meter, die Landebahn war trocken. Bessere Bedingungen gibt es kaum", sagte ein Sprecher des Flughafens. Die Piloten der Maschine der Tatarstan Airlines galten als erfahren. Aber natürlich könne ein menschlicher Fehler nie ausgeschlossen werden, teilte die Polizei mit.

Zustand der Maschine

Russische Medien berichten, die Boeing 737-500 sei bereits seit 1990 im Einsatz, seit mehr als 23 Jahren. Im Internet wurden nach der Katastrophe Vorwürfe laut, das Flugzeug sei technisch mangelhaft gewesen. "Diese Maschine schüttelte ihre Passagiere wie in der Waschmaschine", schrieb etwa User "@bulat116" bei Twitter. Eine Journalistin, die am Vortag mit der Maschine geflogen war, berichtete im Fernsehen von "unglaublichen Vibrationen". Die Boeing habe vor einem Jahr wegen defekter Sensoren in Kasan notlanden müssen, und einem anderen Flugzeug der gleichen Gesellschaft sei 2010 ein Teil des Fahrgestells abgefallen, hieß es.

Nach der Explosion machten sich 135 Rettungskräfte und 35 Helfer zum leicht verschneiten Unglücksort auf. Alle Toten seien geborgen, teilte das Zivilschutzministerium mit. Unter den Opfern seien auch der Sohn eines ranghohen Lokalpolitikers sowie der örtliche Geheimdienstchef. Die Behörden boten allen Angehörigen psychologische Hilfe an. Der Flughafen von Kasan wurde gesperrt.

Putin ordnet Einrichtung einer Untersuchungskommission an

Kremlchef Wladimir Putin äußerte sein Mitgefühl und beauftragte Verkehrsminister Maxim Sokolow, nach Kasan zu reisen. Der Präsident ordnete die Bildung einer Untersuchungskommission an. Die Katastrophe müsse restlos aufgeklärt werden, sagte der Staatschef.

Kasan ist die Hauptstadt der russischen Republik Tatarstan und liegt rund 720 Kilometer von Moskau entfernt.

Der Unfall wirft ein Schlaglicht auf die schlechten Sicherheitsverhältnisse im russischen Luftverkehr. Zu Zeiten der Sowjetunion hatte die Airline Aeroflot ein Quasi-Monopol inne. Nach der Kollaps des Landes drangen viele kleine private Unternehmen auf den Markt.

Im Dezember 2012 war auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo ein Flugzeug über die Landebahn hinausgeschossen, durch einen Zaun auf eine Straße gelangt, auseinandergebrochen und in Flammen aufgegangen. Fünf Insassen starben. Unglücksursache war vermutlich ein Versagen der Bremsen. Im April 2012 starben 33 Menschen bei einem Absturz in Sibirien. Im September 2011 wurden 44 Menschen bei einem missglückten Start nahe Jaroslawl getötet.

han/dpa/Reuters

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