Nach Kritik an Leihmutterschaft
Promi-Allianz gegen Dolce & Gabbana
London/Rom - Elton John war einer der Ersten. "Was nehmt ihr euch heraus, meine wunderbaren Kinder als 'synthetisch' zu bezeichnen", schrieb der Sänger auf Instagram und wandte sich damit an die italienischen Modeschöpfer Domenico Dolce und Stefano Gabbana. Schämen sollten sie sich, so herablassend über künstliche Befruchtung zu sprechen. Und dann - sozusagen als Todesstoß - legte der Sänger nach: "Ich werde nie wieder Dolce & Gabbana tragen."
Das war am Sonntag. Und inzwischen ist klar: Elton John ist nicht der einzige Prominente, der dem Aufruf der italienischen Internetseite LGBT unter dem Hashtag #BoycottDolceGabbana folgt. "Ich habe gerade alle meine Sachen von Dolce & Gabbana herausgesucht und will sie verbrennen", schrieb zum Beispiel Sängerin Courtney Love bei Twitter. Ihr fehlten schlicht die Worte angesichts der Äußerungen der Designer.
Die beiden hatte sich in einem Interview mit der italienischen Zeitschrift "Panorama" zum Thema Homosexualität geäußert - und darin ihrer Abneigung gegenüber "synthetischen Babys" und "gemieteten Gebärmüttern" freien Lauf gelassen. Die beiden Designer sind schwul und haben keine Kinder. Im Gegensatz zu Elton John: Er und sein Ehemann David Furnish ziehen zwei Söhne groß, die eine Leihmutter zur Welt brachte.
"Eure Stimmen sind zu mächtig, um so viel Hass zu versprühen", schrieb der homosexuelle Sänger Ricky Martin als Reaktion auf das Interview - er selbst ist dank einer Leihmutter Vater von Zwillingen. "Wacht auf, es ist 2015." Designerin Victoria Beckham sandte via Twitter ihre herzlichsten Grüße an "Elton David Zachary Elijah" und all die wunderbaren Babys, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden (mehr Promi-Reaktionen lesen Sie hier).
Gabbana selbst reagierte mit einem Statement auf die Kritik: Es sei niemals die Absicht gewesen, die Entscheidungen anderer zu verurteilen, zitiert ihn die Nachrichtenagentur AP. "Wir glauben an Freiheit und Liebe." Dolce ergänzte, seine Ansichten über das Familienleben resultierten aus seinen eigenen Erfahrungen - er sei in einer traditionellen Familie mit einer Mutter, einem Vater und Kindern großgeworden.
Die aktuellen Äußerungen der Designer sorgen umso mehr für Aufsehen, weil sie dem Inhalt eines Gabbana-Interviews aus dem Jahr 2006 widersprechen. Damals sagte der Designer der "Daily Mail", dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder großziehen sollten. Er selbst wünsche sich jedoch Nachwuchs. "Ich will mein eigenes Kind, ein biologisches Kind, die Frucht meines Spermas, empfangen durch künstliche Befruchtung, weil es für mich keinen Sinn machen würde, mit einer Frau zu schlafen, die ich nicht liebe."
Das Internetportal "Daily Beast" veröffentlichte dazu einen Artikel mit der schlichten Überschrift: "Boykottiert Dolce & Gabbana: Auch Schwule können heuchlerische, befangene Idioten sein."
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