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Panorama

Modedesigner Kretschmer

Guido ist für alle da

Guido Maria Kretschmer saß neben Bohlen beim "Supertalent", ist bei Vox die eigentliche "Shopping Queen", macht Werbung für Joghurtdrinks und hat jetzt auch noch einen Bestseller geschrieben. Warum tut er sich den Modezirkus auf der Fashion Week eigentlich noch an?

Getty Images
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Freitag, 17.01.2014   18:02 Uhr

Er müsste ja gar nicht mehr. Guido Maria Kretschmer könnte sich allein auf seine TV-Karriere konzentrieren. Auf die als Werbefigur. Oder auf die als Bestsellerautor. Er müsste sich den Stress nicht zweimal im Jahr antun: das Kreativsein auf Kommando, die Skizzen, die Auswahl von Stoffen und Models, das Vorbereiten der Schau; kurz: den Stress, den so eine Fashion Week mit sich bringt. "Aber die Klamotte, das ist mein Zuhause", sagt er. Und zeigt auf die neue Kollektion, die in seinem Showroom in Berlin-Charlottenburg hängt.

Am Donnerstagabend präsentierte er sie im Fashionzelt am Brandenburger Tor. Judith Rakers war da, Katja Riemann, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Simone Thomalla, Detlev Buck. Es war die wohl höchste Promi-Dichte in der ersten Reihe bei dieser Fashion Week. Und am Ende bejubelten sie ihn wie kaum einen Designer zuvor. Kretschmer genießt das. Verschwindet nicht sofort wieder backstage, wie die meisten anderen das am Ende ihrer Schau tun. Kretschmer schlendert den Laufsteg entlang, vor und zurück, klatscht, winkt, Everybody's Darling.

Er ist Guido, der Entertainer. Aber eben auch: Guido, der Designer. Man kann leicht vergessen, dass Kretschmer eine lange Karriere als Modeschöpfer hinter sich hat, dem Massenpublikum wurde der 48-Jährige erst durch "Shopping Queen" bekannt: Auf Vox kommentiert er jeden Wochentag die Versuche von mal mehr, meist weniger stilvollen Damen, sich für 500 Euro ein neues Outfit zusammenzustellen. Er ist das neue Gesicht einer Kampagne für einen Joghurtdrink. Schreibt eine monatliche Modekolumne. Und sein Buch "Anziehungskraft" ist seit Wochen auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Li-La-Launebär

Kretschmer ist kein Urteilsdiktator wie Dieter Bohlen. Und keine Rampensau wie Stefan Raab. Kretschmer gibt den charmanten, den witzigen Typ von nebenan. Wenn er seine "Shopping Queen"-Kandidatinnen kritisiert, klingt das so:

"Die sieht aus wie ein Gebäck, das nicht aufgegangen ist."

"Das ist Rollbraten auf drei Etagen."

"Also das ist Textilterrorismus, ne."

Die Zuschauer können darüber lachen. Die Betroffenen auch.

Die "Zeit" nannte Kretschmer den "sympathischsten Mann Deutschlands". Aber wird es auf Dauer nicht furchtbar anstrengend, immer den Li-La-Launebären zu geben?

"Ich verstelle mich nicht. Ich mache weit auf." Weit aufmachen. Damit meint er, dass er auf die Menschen zugehe. Dass ihn der Kopf interessiere, der aus den Klamotten herausguckt. Dass er sich nicht über seine Kunden stelle. "Wir Frauen müssen zusammenhalten", ist so ein typischer Kretschmer-Spruch.

Kretschmer ist einer, der Gespräche mit einem Kompliment beginnt. Der rasch das Du anbietet. Manchmal denke er darüber nach, dass das weit Aufmachen vielleicht auch eine Gefahr sein könnte. "Dann, wenn sich die Zeiten ändern. Wenn man oben ist, wollen ja viele, dass sich das wieder ändert", sagt Kretschmer.

Reich, reich, berühmt, berühmt

Den Großteil seines Erfolges, so sagt er, verdanke er seiner Bodenständigkeit. Eine wichtige Rolle spiele dabei Frank, mit dem er seit 28 Jahren liiert ist. "Ich hole die Leute in meine Welt", sagt Kretschmer. Seine Welt besteht auch aus einer Finca auf Mallorca samt Gärtner, Pool-Junge, Haushälterin. Aus großen Autos und 60 Angestellten.

"Ich kann es aber noch wertschätzen", sagt Kretschmer. "Ich habe keine Sehnsucht nach reich, reich, berühmt, berühmt." Der Luxus mache sein Leben zwar angenehmer. Er mache ihn aber nicht aus. "Ich besitze keinen Scheiß. Ich habe in allen Wohnungen und Häusern nur Sachen, die ich wirklich mag und von denen ich weiß, wo sie herkommen." Er habe auch nicht vergessen, wo er herkomme. Noch so ein typischer Kretschmer-Spruch.

Kretschmer kommt aus Münster, zu seiner Mutter hat er ein inniges Verhältnis. Wichtig für die Bodenhaftung. Er war neun Jahre alt, da bekam er seine erste Nähmaschine geschenkt. Er sei ein textiles Kind gewesen, sagt Kretschmer. Habe Stoffe ständig fühlen müssen. Als seine Mutter ihn zum Flötespielen bringen wollte, verschönerte er stattdessen das zugehörige Täschchen. In seinem ersten Auto dekorierte er erst mal das Innendach mit Sternen.

Trotzdem studierte er Medizin, zwei Semester hielt er es aus. Brach ab, machte noch eine Ausbildung zum Krankenpfleger, designte seinen Kittel neu. Und zog dann nach Spanien, um sich ganz der Mode zu widmen. Sein erster prominenter Kunde war Udo Lindenberg: Er kaufte Kretschmer auf Ibiza einige Jacken ab.

Designer-Ego ohne Knacks

1989 gründete Kretschmer sein Corporate-Fashion-Label, seitdem entwirft er Firmenuniformen für Hapag Lloyd, für die Deutsche Telekom, für die Kempinski Hotels oder Montblanc. Die Arbeit für Unternehmen macht bis heute einen großen Teil seines Umsatzes aus.

2004 kam dann seine Couture-Linie auf den Markt, er präsentierte sie in Shanghai und Tokio, ab 2005 auch regelmäßig auf der Berliner Fashion Week. Sein Designer-Ego sei aber nicht angeknackst, wenn er heute nur als Moderator oder nur als Autor wahrgenommen werde. Das sei ok. "Ich bin halt multifunktional."

insgesamt 6 Beiträge
birdie21 17.01.2014
1. Ach ja, der Herr Kretschmer...
Er ist ja wirklich ein netter, bodenständiger und sympathischer Kerl. In "Shopping Queen" finde ich ihn sensationell gut. Aber so langsam ist's auch gut... Die "Promis" heutzutage müssen aufpassen, dass sie [...]
Er ist ja wirklich ein netter, bodenständiger und sympathischer Kerl. In "Shopping Queen" finde ich ihn sensationell gut. Aber so langsam ist's auch gut... Die "Promis" heutzutage müssen aufpassen, dass sie mit ihrer Omnipräsenz nicht "nervig" werden.
elferkiller1234 17.01.2014
2.
Seh ich genauso. Für mich ist Herr Kretschmer einer der sympathischsten Figuren im deutschen Fernsehen. Aber so langsam wird er selbst mir zu viel - musste diese Joghurt-Werbung jetzt auch noch sein?
Zitat von birdie21Er ist ja wirklich ein netter, bodenständiger und sympathischer Kerl. In "Shopping Queen" finde ich ihn sensationell gut. Aber so langsam ist's auch gut... Die "Promis" heutzutage müssen aufpassen, dass sie mit ihrer Omnipräsenz nicht "nervig" werden.
Seh ich genauso. Für mich ist Herr Kretschmer einer der sympathischsten Figuren im deutschen Fernsehen. Aber so langsam wird er selbst mir zu viel - musste diese Joghurt-Werbung jetzt auch noch sein?
Newspeak 18.01.2014
3. ...
"Ich kann es aber noch wertschätzen", sagt Kretschmer. "Ich habe keine Sehnsucht nach reich, reich, berühmt, berühmt." Der Luxus mache sein Leben zwar angenehmer. Er mache ihn aber nicht aus. Wer es [...]
"Ich kann es aber noch wertschätzen", sagt Kretschmer. "Ich habe keine Sehnsucht nach reich, reich, berühmt, berühmt." Der Luxus mache sein Leben zwar angenehmer. Er mache ihn aber nicht aus. Wer es glaubt. Niemand, der so in die Öffentlichkeit drängt, ist so bescheiden, wie er vorgibt, zu sein. Denn wo wäre sonst die Motivation, das zu tun, was man tut? Es gibt immerhin genausoviel Kreative, die viel weniger im Rampenlicht stehen, die viel weniger auf Luxus geben, und zwar ganz objektiv. Die z.B. gar keine Villa irgendwo haben...und nicht nur behaupten, in der Villa, die sie haben, wäre ja nur das nötigste versammelt. Das ist Snobismus pur. Von mir aus, kann er das ja so tun, aber er sollte bedenken, daß seine Außendarstellung nicht so aufgefasst werden muß, wie er das glaubt. Aus einer anderen Perspektive betrachtet kann so was auch ganz schön arrogant und ignorant wirken.
dasüblichetheater 20.01.2014
4. (rtl) -
... Herr Kretschmer macht sich diesen Umstand halt einfach zunutze (lach:) Dass er bei SPQ den Ehrlichen mimt und sich dabei der zu kurzgekommenen bürgerlichen "Möchtegerns" bedient, seis drum! (lach) Gleichzeitig [...]
... Herr Kretschmer macht sich diesen Umstand halt einfach zunutze (lach:) Dass er bei SPQ den Ehrlichen mimt und sich dabei der zu kurzgekommenen bürgerlichen "Möchtegerns" bedient, seis drum! (lach) Gleichzeitig aber die Masse derjenigen bedienen zu wollen, die sich täglich "SUPERträume" mehr als "Actimel" leisten können - das macht mich fassungslos.
dasüblichetheater 20.01.2014
5. (rtl) -
... Herr Kretschmer macht sich diesen Umstand halt einfach zunutze (lach:) Dass er bei SPQ den Ehrlichen mimt und sich dabei der zu kurz gekommenen bürgerlichen "Möchtegerns" bedient, seis drum! (lach) Gleichzeitig [...]
... Herr Kretschmer macht sich diesen Umstand halt einfach zunutze (lach:) Dass er bei SPQ den Ehrlichen mimt und sich dabei der zu kurz gekommenen bürgerlichen "Möchtegerns" bedient, seis drum! (lach) Gleichzeitig aber die Masse derjenigen bedienen zu wollen, die sich vielfach täglich "SUPERträume" mehr als "Actimel" leisten können - das macht mich fassungslos.

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