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Panorama

Rolf Zacher

"Sobald du denkst, du bist was, bist du klein"

Er saß ebenso oft im Knast wie in Entzugskliniken: Rolf Zacher gibt vor der Kamera gern Figuren am Rande der Gesellschaft. Nun gab der Schauspieler zu, dass ihm die Warterei am Set gehörig auf den Wecker geht.

Montag, 23.03.2009   14:03 Uhr

Hamburg - Mehr als 60 Versuche soll Rolf Zacher gebraucht haben, um seine Heroinsucht zu bekämpfen. Der mit dem Bundesfilmpreis geehrte Schauspieler saß im Knast und stand dennoch immer wieder erfolgreich vor der Kamera.

Dennoch - und vielleicht gerade deswegen - hält er sich nicht für etwas Besonderes. Zacher freut sich, wenn er erkannt wird, aber "ich empfinde mich deswegen nicht als etwas Besseres, wie die meisten Kollegen", sagt der 67-Jährige. Es gehe nicht darum, dass er der große Mime sei. "Denn sobald du denkst, du bist was, bist du klein."

Ab Mai ist Zacher als Aussteiger Harry in der ARD-Telenovela "Rote Rosen" zu sehen. Der Einstieg in die Telenovela sei für ihn eine Gelegenheit, schnell zu arbeiten: "Das liebe ich. Denn mir geht diese überflüssige Warterei beim Drehen so auf den Wecker", sagt Zacher. Gewiss habe er schon Filme gedreht, bei denen aufwendiges Arbeiten gerechtfertigt gewesen sei. "Aber von diesen Filmen kann man nicht leben, weil zu wenige davon gemacht werden", sagte der 67-Jährige, der bereits in "Verbotene Liebe" mitwirkte.

Die zügige Arbeitsweise bei den "Roten Rosen" komme ihm entgegen, denn sie sei mit der eines Zirkusartisten auf dem Drahtseil vergleichbar: "Mit seiner Balancestange geht er einmal über das Seil, nochmal zurück, und das war es." Allerdings müsse die Vorstellung gut sein, sonst falle der Artist herunter. "Und ich versuche immer Qualität abzuliefern", sagte Zacher. Das habe er von seinem Großvater gelernt, der einer der besten Schneidermeister in seiner Gegend gewesen sei.

Bei den "Roten Rosen" will er in seiner Rolle als Harry mit Lebenserfahrung und autodidaktischem Wesen überraschen. "Er traut sich Dinge, die sich andere nicht trauen", beschrieb Zacher die Figur, die für eines seiner Gesichter stehe. Wie er jedoch wirklich sei, wisse kein Mensch und solle die Öffentlichkeit auch nicht erfahren.

Mit seiner Philosophie "Nimm dir Zeit zum Lachen" will Zacher auch künftig alles ausprobieren. "Ich habe immer das gemacht, was ich wollte", betonte der Künstler.

In den vergangenen Jahrzehnten spielte Zacher in mehr als 250 Film- und Fernsehserien mit und erhielt für Reinhard Hauffs Drama "Endstation Freiheit" 1982 den Bundesfilmpreis als bester Darsteller.

jjc/ddp

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