Schrift:
Ansicht Home:
Panorama

München

Biete Gratis-Döner, suche Laden

Döner, so viel man möchte - und kostenlos dazu: Ein Münchener Imbiss startete eine Aktion, bei der es den Betreibern um mehr geht als um ein paar neue Kunden.

Vincent Morelli

Flyer-Aktion in München

Von
Dienstag, 18.12.2018   16:11 Uhr

"Lebenslange Döner-Flat" steht in roten Buchstaben auf dem Flyer: Das klingt zuerst nach einer Werbeaktion, doch hinter dem Aufruf von "Mam's Döner" aus München steckt mehr. Die Belohnung soll bekommen, wer Betreiberin Sevilai Bebe und ihrem Mann ein neues Ladenlokal vermittelt.

Der Imbiss befindet sich in einem Gebäude im Stadtteil Sendling, das im kommenden Jahr abgerissen werden soll. Der Antrag ist genehmigt, bestätigt das Referat für Stadtplanung und Bauordnung.

Spätestens Ende Mai müssten sie aus dem Gebäude raus, sagt Bebe. Doch vermutlich werden sie schon Ende Januar den Betrieb in der Einkaufspassage einstellen: "Dadurch, dass es die Info über den Abriss gab, haben wir und auch die anderen Geschäfte weniger Zulauf."

Wegziehen oder in einem anderen Stadtteil weitermachen will das Paar nur ungern: Seit sieben Jahren verkaufen sie in Sendling mit Unterbrechung ihren Döner, hier haben sie treue Kunden. "Woanders müssten wir wieder von null anfangen", sagte Bebe. Sie sucht möglichst eine leere Ladenfläche. Verkaufswillige Konkurrenten verlangten eine hohe Ablöse, die sie nicht zahlen könne.

"Ein ziemliches Döner-Vakuum"

Die Idee zu dem Aufruf hatte nicht die "Mam's Döner"-Betreiberin selbst. Vincent Morelli und Lars Kleber arbeiten im Viertel und sind Stammkunden. Als sie in einer Mittagspause hörten, wie schwer es für die Betreiber ist, einen neuen Laden mit bezahlbarer Miete zu finden, starteten sie die Flyer-Initiative - auch aus Eigennutz: "Hier in Sendling gibt es noch ein ziemliches Döner-Vakuum", sagt Morelli.

Auch der Vorschlag einer "Döner-Flat" als Belohnung kam von den beiden Kollegen. Sie ist laut Morelli vor allem dazu gedacht, die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen. Das funktioniert offenbar - die Inhaberin hat laut eigenen Angaben bereits einige Vorschläge für Läden bekommen. Bislang gibt es jedoch noch niemanden, der lebenslang gratis essen darf. Das passende Objekt war noch nicht dabei.

Für den Fall, dass sie nicht rechtzeitig ein neues Geschäft finden, hätten sie sich schon nach anderen Jobs umgeschaut, sagt Bebe: "Wir haben drei Kinder, wir müssen weiterarbeiten." Je näher der Termin des Auszugs komme, desto mehr mache er ihr zu schaffen, sagt sie: "Das geht mir an die Nieren, wir haben das hier wirklich mit Leib und Seele gemacht."

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP