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Gesägt, getan

Gesägt, getan

Verflixte Kiste

SPIEGEL ONLINE
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Sonntag, 06.01.2019   19:01 Uhr

Kindergeburtstag, Programmpunkt Schatzsuche: Da darf eine Holzkiste nicht fehlen. Der Heimwerker träumt von einem filmreifen Seeräubermodell - und muss froh sein, am Ende eine Aktenablage erschaffen zu haben.

Sollten Sie neulich am Abend ein paar Flüche gehört haben, ergänzt durch das Geräusch von Hammerschlägen auf Holz, gefolgt von weiteren Flüchen: Entschuldigen Sie die Störung, gut möglich, dass ich der Wüterich war.

Ich stand, vor Frust bebend, im Bastelschuppen, in der Hand den Hammer, vor mir auf dem Boden die Trümmer einer Holzkiste, die das Schmuckstück des anstehenden Kindergeburtstages hätte sein sollen, Endpunkt der geplanten Schatzsuche.

Die Schatzkarte war auf alt getrimmt, der Weg zum Ziel genau ausgesucht. Da sollte auch die Holztruhe was hermachen. Vor meinem geistigen Auge hatte ich schon lange ein Exemplar, das mit ein wenig Farbe auch in "Fluch der Karibik" nicht fehl am Platz gewesen wäre.

Entsprechend selbstbewusst ging ich ans Werk. Schließlich habe ich im Kistenbau schon Erfahrung, und das vorige Projekt ähnlicher Dimension war ziemlich gut gelaufen. Mir schwebte eine Kiste mit sorgfältig verleimten Seiten und einem hübsch in Nuten eingelassenen Boden vor. Und vor allem mit einem gewölbten Deckel. Damit hatte ich noch keine Erfahrung, was sich als verheerend erweisen sollte.

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Kistenbau: Fiasko im Bastelschuppen

Meine Idee war, die Kiste zunächst komplett geschlossen zu bauen: Seitenteile und Boden zusammenfügen, Deckel drauf. Dann erst wollte ich den oberen, gewölbten Teil absägen, um sicherzustellen, dass Unterteil und Deckel genau zueinander passen. Scharniere und Schloss dran, fertig.

Mit ein paar Reststücken Sperrholz und eigens gekauften besonders biegsamem Modellbauholz für den Deckel ging ich ans Werk. Das Zusägen der Seitenteile und des Bodens, das Aussägen der Wölbungen, das Fräsen der Nuten für den Boden, sein Einbau und das Verleimen der vier Seiten ging quasi problemlos.

Dann kam der Deckel.

Die Wölbung, die ich gewählt hatte, war rückblickend wohl ein bisschen zu sehr ausgeprägt für mein doch nicht ganz so flexibles Sperrholz. Erst wollte ich schrauben, aber das erwies sich als wenig praktikabel. Dann eben nageln, dachte ich und versuchte, mir die Sache schönzureden. Da sieht die Kiste doch gleich viel rustikaler aus - dank Nägeln kommt der Seeräuberlook frei Haus.

Ich hätte ahnen können, dass die Sache mit den Nägeln kein gutes Ende nimmt. Mit jedem Nagel wuchs die Spannung, unter der das Deckelholz stand. Und die ständigen Erschütterungen durch die Hammerschläge taten offenbar auch dem Rest der Kiste nicht gut. Als ich eine Seite des Deckels mit Müh und Not fertig angenagelt hatte, sah ich die nahende Katastrophe: Die Kiste begann auseinanderzufallen.

Ich unternahm noch ein paar halbgare Rettungsversuche, aber in mir wuchsen schon Verzweiflung und Frust. Bald war klar: Da ist nichts mehr zu machen. Das war die Zeit, in dem Sie die Flüche und Hammerschläge gehört haben könnten.

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Mit dem größten Hammer in Reichweite zerschlug ich die kümmerlichen Reste meiner Schatzkiste. Rückblickend kann ich froh sein, dass Spaltaxt und Vorschlaghammer gerade nicht griffbereit waren, sonst hätten Bastelschuppeneinrichtung und womöglich auch ich größeren Schaden genommen.

Besonders bitter war, dass ich das Holz nicht einmal wiederverwenden konnte. Entweder waren die Teile durch die Hammerschläge komplett zerstört, oder in ihnen waren so viele Nägel, dass ich keinerlei Lust hatte, alle davon mühsam zu entfernen. Selbst wenn ich es getan hätte: Das Holz war von den Nägeln so durchlöchert, dass es zu nichts mehr zu gebrauchen gewesen wäre.

Als die größte Wut verschwunden war, wurde mir klar, dass ich nicht nur vor den Trümmern meiner Arbeit, sondern plötzlich auch akut unter Zeitdruck stand. Sollte der Schatz beim Kindergeburtstag nicht in einem Müllsack verstaut werden, musste innerhalb von 24 Stunden eine neue Kiste her.

Die habe ich dann tatsächlich noch gebaut. Quaderförmig, schnöde verschraubt, keine Nuten, flacher Deckel. Keine Farbe. Wie eine Ablage, in der ein Buchhalter Akten verstaut.

Ursprünglich hatte ich gedacht, nach dem Geburtstag könnten die Kinder mit der Kiste spielen. Diesen Plan verwarf ich. Eine Buchhalterkiste bei Piraten- oder Ritterspielen halte ich aus erzieherischer Sicht für unzumutbar. Jetzt benutze ich das Ding, um Verschnittreste aufzubewahren.

P.S. Den Kindern war selbstverständlich komplett schnuppe, ob die Kiste einen ebenen oder gewölbten Deckel hat. Aber Perfektionismus bei Kindergeburtstagen ist ein anderes Thema.

insgesamt 20 Beiträge
Tom Joad 06.01.2019
1.
Das "Sperrholz", das Sie für die Seitenteile verwendet haben, nennt man Tischlerplatte. Hätten Sie es quer gelegt, hätten Sie bessere Chancen gehabt, die Schrauben für den Deckel zu befestigen. So haben Sie sie ins [...]
Das "Sperrholz", das Sie für die Seitenteile verwendet haben, nennt man Tischlerplatte. Hätten Sie es quer gelegt, hätten Sie bessere Chancen gehabt, die Schrauben für den Deckel zu befestigen. So haben Sie sie ins Hirnholz geschraubt (das macht man grundsätzlich nicht). Es gibt auch spezielles Biegesperrholz, das Sie für den Deckel hätten verwenden können. Einweichen in Wasser wäre ebenfalls eine Möglichkeit gewesen.
mvaugusta8 06.01.2019
2.
Die Biegung hätte kleiner seien müssen. Noch besser wäre es gewesen, das Holz vorher mit Dampf zu biegen. Notfalls kann man Sperrholz bis zu einer gewissen Dicke mit Hilfe vom Geschirrspüler (Trockengang verwenden) gefügig [...]
Die Biegung hätte kleiner seien müssen. Noch besser wäre es gewesen, das Holz vorher mit Dampf zu biegen. Notfalls kann man Sperrholz bis zu einer gewissen Dicke mit Hilfe vom Geschirrspüler (Trockengang verwenden) gefügig machen. Man sollte Holz und Sperrholz im trockenen Zustand(außer sehr dünne Stücke), so wenig wie möglich in unnatürliche Formen pressen, denn die Kräfte die wirken, wenn sich das Material zurückzieht, sind enorm. Hinterher ist man immer schlauer.
Flari 06.01.2019
3. Oje..
Über die Schönheit eines "Möbels" mit offenen Kanten von Tischlerplatten möchte ich lieber nichts sagen.. Auch nichts zu jemanden, der Rundungen äusserst grob zurechtsägt und anschliessend passend schleifen [...]
Über die Schönheit eines "Möbels" mit offenen Kanten von Tischlerplatten möchte ich lieber nichts sagen.. Auch nichts zu jemanden, der Rundungen äusserst grob zurechtsägt und anschliessend passend schleifen möchte, obwohl er über eine Oberfräse verfügt... Nein, auch über das dünne Sperrholz als Deckel sag ich nichts, auch wenn man Kisten/Truhen ja auch gerne mal als Steighilfe benutzt und ungern einbrechen möchte (der seine Kinder einbrechen lassen möchte). WENN man das aber so möchte, aber feststellt, dass sich das Sperrholz schlecht biegen lässt, WARUM macht man das nicht nass (besser noch mit Erwärmung) und zieht es nach Durchfeuchtung per Spanngurte über die Rundungen und macht DANN weiter? Weil man unbedingt Artikel/Bücher schreiben will, wie xxxx man sich anstellen kann?
t_mcmillan 06.01.2019
4.
1. Um Holz zu wölben braucht es Hitze, Wasserdampf, mechanischen Druck und Zeit. 2. Sperrholz ist so konstruiert, dass es sich NICHT leicht verbiegt. 3. Bei klassische Seeräumerkisten mit gewölbtem Deckel besteht der Deckel [...]
1. Um Holz zu wölben braucht es Hitze, Wasserdampf, mechanischen Druck und Zeit. 2. Sperrholz ist so konstruiert, dass es sich NICHT leicht verbiegt. 3. Bei klassische Seeräumerkisten mit gewölbtem Deckel besteht der Deckel aus nebeneinander festgenagelten Leisten, gesichert mit Eisenbeschlag. Ich meine ja nur...
frenchie3 06.01.2019
5. Herzliche Beilage, oder so
Genau so eine Kiste in groß und solide wollte ich auch mal bauen. Ich hab es ganz clever gemacht: einfach gelassen. Klares Plus für die Umgebung
Genau so eine Kiste in groß und solide wollte ich auch mal bauen. Ich hab es ganz clever gemacht: einfach gelassen. Klares Plus für die Umgebung

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