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Panorama

Ein oberbayerisches Dorf im Schnee

"Alles im weißen Bereich"

Wie lebt es sich, wenn wegen des Schnees die Zufahrtsstraße zum Dorf gesperrt ist? Ein Anruf bei Georg Riesch, Bürgermeister der oberbayerischen Gemeinde Jachenau.

DPA
Ein Interview von
Donnerstag, 10.01.2019   11:45 Uhr

Zur Person

SPIEGEL ONLINE: Was ist bei Ihnen in Jachenau los, Herr Riesch?

Georg Riesch: Bei uns ist ganz normal Winter. Wir haben in Tallagen Schnee zwischen 60 Zentimetern und 1,20 Meter - was für unsere Verhältnisse zu dieser Jahreszeit ganz normal ist. Wir versinken nicht im Schnee. Aber die Kuriosität ist halt, dass die Straße gesperrt ist.

Foto: AFP

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen die Hauptstraße, die in Ihren Ort führt. Wie kam es zu der Sperrung?

Riesch: Diese Straße führt durch ein Waldstück. Und am Freitag war der Schnee so nass, es hat immer wieder geregnet, dass er an den Bäumen festgefroren oder festgepappt ist. Da ist so eine Riesenschneelast draufgekommen, dass ziemlich viele Bäume umgeknickt sind. Man weiß nicht: Brechen die ab, brechen die nicht ab? Es darf kein Menschenleben gefährdet werden - und darum kann man jetzt nicht einfach sagen: Da fahren wir durch. Wir sind bemüht, die Strecke wieder frei zu machen. Aber das ist sehr schwierig, die liegt an einem Steilhang.

SPIEGEL ONLINE: Ist das die einzige Straße?

Riesch: Wir haben noch eine Mautstraße. Da gibt es zwar auch umfallende Bäume, aber deren Holz ist nicht so schwer. Diese Strecke ist frei für den Notverkehr.

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Oberbayern: Jachenau und der Schnee

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, die Bewohner sind nicht von der Außenwelt abgeschnitten und können aus Jachenau raus?

Riesch: Die Empfehlung lautet: nur wenn man dringend muss. Die Mautstraße ist schmal. Und da gibt es schon gefährdete Stellen.

SPIEGEL ONLINE: Und diese Lebensmittellieferungen, von denen die Rede ist, wieso sind Sie auf die angewiesen? Geht Ihnen das Essen aus?

Riesch: Nein (lacht). Wir haben hier einen Dorfladen, der ein sehr gutes Angebot hat und turnusmäßig beliefert wird. Der Lkw mit der Lieferung für diese Woche konnte nicht herkommen, weil diese Mautstraße zu schmal ist. Er hat die Lebensmittel in Krün abgeliefert. Dort haben wir die Lebensmittel auf Feuerwehrautos umgeladen und zu uns transportiert. Es ist also nicht so, dass man bei uns hungern muss oder sonst was. Es ist alles im grünen Bereich. Beziehungsweise: Es ist alles im weißen Bereich.

SPIEGEL ONLINE: Und doch scheint es, als hätten Sie ganz schön viel zu tun.

Riesch: Mei, es ist natürlich anstrengend. Es gibt halt vieles zu organisieren mit dem Straßenbauamt, mit dem Landratsamt, und es gibt viele Bürgerfragen. Jeder möchte wissen, wie lange es dauert. Der eine sagt: Du, ich hab da und da einen Termin. Meinst du, dass ich bis dahin wieder rauskomme? Der andere sagt: Du, ich kann dir helfen. Braucht's irgendwas? Und dann ist das Medieninteresse sehr hoch. Jeder meint, Jachenau versinkt im Schnee. Es waren schon ich-weiß-nicht-wie-viele Kamerateams hier - und da muss man sagen, das ist irgendwie unverständlich: Diese Kamerateams fahren halt trotz Notverkehr.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie das Gefühl, es wird gerade zu viel Bohei um Jachenau gemacht?

Riesch: Das möchte ich jetzt nicht sagen. Man darf diese Sache nicht verharmlosen, die Situation ist schon ernst zu nehmen. Und wenn jetzt zwei Meter Schnee fallen, dann haben wir natürlich noch eine ganz andere Situation. Aber ich glaube, so wie es jetzt ist, ist es gut zu schaffen. Ich hoffe, dass die Arbeiten unfallfrei voranschreiten. Dass wir dann wieder eine freie Straße haben und in die schöne Winterlandschaft können.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es den Bürgern?

Riesch: Ich glaube, die Leute können bei uns damit umgehen. Es ist ein bisschen schlimm für die, die auswärts arbeiten und jetzt halt Urlaub machen müssen. Aber auch die können sich beschäftigen.

insgesamt 40 Beiträge
c.PAF 10.01.2019
1.
"Bei uns ist ganz normal Winter." Damit ist alles gesagt. Nur die Presse macht ein Theater daraus. Für Jachenau ist das nicht die erste Sperrung, und es wird auch nicht die Letzte sein.
"Bei uns ist ganz normal Winter." Damit ist alles gesagt. Nur die Presse macht ein Theater daraus. Für Jachenau ist das nicht die erste Sperrung, und es wird auch nicht die Letzte sein.
schmidt-post 10.01.2019
2.
Nicht wirklich: https://www.sueddeutsche.de/panorama/lawinengefahr-oesterreich-bayern-schnee-1.4280671 http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/wetter-bahnstrecken-im-sueden-teilweise-komplett-gesperrt-a-1247317.html [...]
Zitat von c.PAF"Bei uns ist ganz normal Winter." Damit ist alles gesagt. Nur die Presse macht ein Theater daraus. Für Jachenau ist das nicht die erste Sperrung, und es wird auch nicht die Letzte sein.
Nicht wirklich: https://www.sueddeutsche.de/panorama/lawinengefahr-oesterreich-bayern-schnee-1.4280671 http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/wetter-bahnstrecken-im-sueden-teilweise-komplett-gesperrt-a-1247317.html http://www.spiegel.de/panorama/schnee-und-lawinen-viele-orte-in-oesterreich-sind-vom-schnee-eingeschlossen-a-1247196.html
Lobhudel 10.01.2019
3. Komischer Post...
Wollten Sie mit Ihrer schnell kopierten Online-Bibliographie die Aussagen des Vorposters bekräftigen oder die mediale Hysterie weiter anfachen. Wo bitte ist den die Katastrophe? Ein paar Züge fahren nicht - dieses Mal aus [...]
Zitat von schmidt-postNicht wirklich: https://www.sueddeutsche.de/panorama/lawinengefahr-oesterreich-bayern-schnee-1.4280671 http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/wetter-bahnstrecken-im-sueden-teilweise-komplett-gesperrt-a-1247317.html http://www.spiegel.de/panorama/schnee-und-lawinen-viele-orte-in-oesterreich-sind-vom-schnee-eingeschlossen-a-1247196.html
Wollten Sie mit Ihrer schnell kopierten Online-Bibliographie die Aussagen des Vorposters bekräftigen oder die mediale Hysterie weiter anfachen. Wo bitte ist den die Katastrophe? Ein paar Züge fahren nicht - dieses Mal aus Gründen, die DB oder andere Betreiber nicht zu verantworten haben. In den Bergen gehen Lawinen ab - sowas aber auch: Dann meidet man als Skifahrer/Tourengeher die bekannten Gefahrenbereiche und gut ist. Tatsächlich sind die Betroffenen in den Bergregionen derzeit allenfalls in Ihrer Mobilität eingeschränkt - mehr nicht. Das mag für den Einzelnen eine Katastrophe sein - wenn ich allerdings als Großstädter mit Sack und Pack mal schnell in den Skiurlaub fahre, und dabei von einer ultra-schnellen und bequemen Infrastruktur profitiere, muss ich damit rechnen, dass mir die Natur ein Schnippchen schlägt. Da hilft nur Gelassenheit, wie sie Bürgermeister Riesch und derzeit wohl noch die meisten seiner alpinen Kollegen an den Tag legen. Die teilweise ausgerufenen "Notstände", die sich in Pressestückchen so dramatisch lesen, sollen den Verantwortlichen derzeit vor allem die Arbeit erleichtern. Z.B. wenn es darum geht, hektische Flachländer davor zu bewahren sich selbst in Gefahre zu bringen.
heinrich-wilhelm 10.01.2019
4. Stimme der Vernunft
Es ist halt normaler Winter,offensichtlich haben die Radaktionen besetzt mit jungen Leuten,die noch nie oder zu selten einen richtigen Winter erlebt haben,jetzt ihr Thema gefunden Macht mal halblang mit den Katastrophenmeldungen. [...]
Es ist halt normaler Winter,offensichtlich haben die Radaktionen besetzt mit jungen Leuten,die noch nie oder zu selten einen richtigen Winter erlebt haben,jetzt ihr Thema gefunden Macht mal halblang mit den Katastrophenmeldungen. Und wennSkifahrer,eben unerfahrene Leute,abseits der noch offenen Pisten fahren ist das ihr Risiko,wenn etwas Schreckliches passiert,aber keine Katastrophe,. Lernt die Natur wieder zu respektieren.
M. Vikings 10.01.2019
5. Alles Mau in Jachenau?
In einem Dorf sind zwei Zufahrtsstraßen, von denen eine gesperrt ist. Dann lebt es sich in diesem Dorf so, wie es in jeder Stadt Alltag ist. Auf der einen Straße ist eine Baustelle, dann nimmt man die Andere. Und kalt ist [...]
In einem Dorf sind zwei Zufahrtsstraßen, von denen eine gesperrt ist. Dann lebt es sich in diesem Dorf so, wie es in jeder Stadt Alltag ist. Auf der einen Straße ist eine Baustelle, dann nimmt man die Andere. Und kalt ist es hier auch, aber es ist grau statt weiß. Solange die Fernsehteams noch rein und raus kommen, gerade eben kam im TV ein Bericht über Jachenau, ist Jachenau noch nicht verloren. Schön ist, daß wir jetzt alle den Bürgermeister Schorsch aus Jachenau mal kennen gelernt haben.

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