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Panorama

Nach Äußerung über NS-Zwangsarbeiter

Verena Bahlsen entschuldigt sich "bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe"

Für ihre Äußerung, dass NS-Zwangsarbeiter von Bahlsen "gut behandelt" worden seien, wurde Verena Bahlsen kritisiert. Nun hat die Firmenerbin sich dafür entschuldigt.

Monika Skolimowska/ZB/DPA

Verena Bahlsen

Mittwoch, 15.05.2019   18:00 Uhr

Unternehmenserbin Verena Bahlsen hat sich für ihre Äußerungen zu Zwangsarbeitern bei dem Kekshersteller entschuldigt. In einer persönlichen Erklärung spricht sie von unbedachten Äußerungen sowie einem Fehler.

"Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen", sagte sie demzufolge. Sie habe auch erkannt, dass sie sich intensiver mit der Historie des Unternehmens, dessen Namen sie trägt, beschäftigen müsse. "Als Nachfolgegeneration haben wir Verantwortung für unsere Geschichte; ich entschuldige mich ausdrücklich bei all denen, deren Gefühle ich verletzt habe."

Verena Bahlsen hatte der "Bild"-Zeitung gesagt: "Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt." Damit hatte sie öffentliche Entrüstung und bissige Kommentare in den sozialen Medien ausgelöst. (Lesen Sie hier einen Kommentar dazu.)

Erst vor Kurzem hatte ihr Vater Werner M. Bahlsen noch gesagt: "Die Firma darf kein Spielfeld für Unternehmerkinder sein." Die traditionsreiche Gruppe mit einem Jahresumsatz von knapp 560 Millionen Euro feiert dieses Jahr 130-jähriges Bestehen.

Vor fast genau einem Jahr hatte der bisherige Firmenlenker seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft des weltweit bekannten Keks-Imperiums bekannt gegeben und die Führung an ein vierköpfiges Manager-Team übergeben. Der Grund: Er will seinen vier Kindern Zeit zum Entwickeln geben. "Wir haben regelmäßig in der Familie Gespräche über die Ausrichtung des Unternehmens - das läuft gut", hatte er noch wenige Tage vor seinem 70. Geburtstag im April gesagt.

Für seine Tochter Verena ist nun offenbar eingetreten, was sie befürchtet hatte. Mit Blick auf ihren Vater hatte sie dem Magazin "ZEIT für Unternehmer" im März erklärt: "Er ist so ein Vorbild für mich, dass die Angst riesig ist, ihn zu enttäuschen." Dabei lässt sich die Eigentümerfamilie des Keks- und Süßwarenherstellers nach eigenen Angaben von externen Beratern für eine reibungslose Führung des Unternehmens coachen. Verena Bahlsen sagte, bisher gebe es kein Konkurrenzdenken zwischen ihr und ihren drei Geschwistern. Diskussionen seien aber vorprogrammiert, da Familienunternehmen quasi automatisch Diskussionen auslösten.

"Dass ich die Debatte später durch unbedachte Äußerungen verstärkt habe, war ein Fehler"

"Mehrere Generationen müssen sich über viel Geld und Einfluss einigen, obwohl sie die Welt verschieden sehen", hatte sie dem Magazin gesagt. Ihre Geschwister arbeiten in unterschiedlichen Feldern: Der eine Bruder ist Berater, der andere entwickelt digitale Strategien, die jüngste Schwester ist Fotografin. Verena Bahlsen macht das, was ihr Vater für eine wesentliche Eigenschaft der Keks-Dynastie hält: Trends von morgen nachspüren. Sie beschreitet in Berlin neue Wege als Unternehmerin mit einem Restaurant, das sie nach ihrem Urgroßvater "Hermann's" nannte und als eine Art Zukunftslabor für gesundes Essen sieht. Dafür gab es auch viel öffentliches Lob.

Es folgten zudem Einladungen wie die auf den Marketing-Kongress in Hamburg, wo sie eine offensichtlich launig gemeinte, aber auf wenig positive öffentliche Resonanz gestoßene Rede über Nachhaltigkeit in der Wirtschaft hielt. Dass daraus eine Debatte über deutsche Geschichte und Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus sowie die Rolle des Unternehmens Bahlsen dabei geworden sei, bedauere sie sehr, schrieb sie jetzt. Das sei nie ihre Absicht gewesen. "Dass ich die Debatte später durch unbedachte Äußerungen verstärkt habe, war ein Fehler. Das tut mir leid."

sen/dpa

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