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Politik

Gründung

Die Geburtsstunde der EU

An einem regnerischen Montagabend 1957 unterzeichneten sechs europäische Länder die Römischen Verträge - der erste Schritt zur EU. Wer war dabei, und worum ging es genau? Der Überblick.

DPA

Kanzler Adenauer (l.) und Staatssekretär Hallstein unterschreiben die Römischen Verträge (Aufnahme vom 25. März 1957)

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Samstag, 25.03.2017   10:27 Uhr

Mit der Unterzeichnung von zwei Verträgen am 25. März 1957 in Rom gründeten Italien, Frankreich, die Bundesrepublik und die Beneluxstaaten die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom). Durch Euratom wurde eine engere Zusammenarbeit und gemeinsame Regeln für die friedliche Nutzung von Atomenergie vereinbart.

Wichtiger war aber die EWG: Sie bildete die Grundlage der heutigen EU mit derzeit (noch) 28 Mitgliedern. Innerhalb von zwölf Jahren sollten Handelshemmnisse abgebaut und ein gemeinsamer Markt geschaffen werden. Vereinbart wurde der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Es wurde außerdem eine Zollunion mit einem gemeinsamen Außenzoll geschaffen.

Schon bei der Unterzeichnung wurde eine mögliche Erweiterung des Vertrages auf alle europäische Staaten mitgedacht. In Kraft traten die Verträge zum 1. Januar 1958.

Was wollten die Unterzeichner erreichen?

Konrad Adenauer, der damalige Kanzler der Bundesrepublik, bezeichnete die Verträge als Grundlage "für die gemeinsame Zukunft Europas". Mit den Römischen Verträgen hoffte man unter dem Eindruck zweier Weltkriege und der Bedrohung durch die Sowjetunion auf Frieden und Zusammenarbeit auf dem Kontinent. Bereits 1951 hatten Italien, Frankreich, die Bundesregierung und die Beneluxstaaten Belgien, Luxemburg und die Niederlande die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) ins Leben gerufen. Die gemeinsame Organisation der kriegswichtigen Kohle- und Stahlproduktion sollte die Länder aneinander binden.

Welche Probleme gab es?

Schon in den Jahren nach Gründung der Montanunion zeigte sich, dass es noch zu früh für eine politische Gemeinschaft war. Eine Verteidigungsgemeinschaft wurde 1954 von den Franzosen abgelehnt. Deswegen stand am Anfang zunächst die wirtschaftliche Integration.

Beim Abschluss der Römischen Verträge zeigte sich bereits ein Problem, das sich durch die gesamte Geschichte der EU zieht: fehlende Volksnähe. Es waren vor allem die Regierenden, die einen gemeinsamen europäischen Markt wollten. Zwar ratifizierten die nationalen Parlamente die Verträge, aber die Bevölkerung war nicht weiter einbezogen. Die Jubelstimmung in Rom ging nicht auf die Bürger über, es herrschten vielmehr Desinteresse und Gleichgültigkeit.

Welche Bedeutung haben die Verträge heute?

Mit den Römischen Verträgen gelang es, Frieden unter den Mitgliedstaaten zu garantieren. Durch sie konnte ein gemeinsamer wirtschaftlicher und politischer Rahmen gesetzt werden, der nationale Einzelinteressen zu gemeinsamen Interessen werden ließ. Geschaffen wurde ein weltweit einzigartiger Handelsraum, der auch anderen Regionen als Vorbild dient und den europäischen Wohlstand bis heute ermöglicht.

insgesamt 20 Beiträge
iffelsine 25.03.2017
1. Es ist Zeit für eine Neugründung !
In den 60 Jahren hat sich viel geändert und die Römischen Verträge sind immer nur unzureichend angepasst und repariert worden. Der Brexit gibt uns nun die Chance, bei der Überarbeitung der 21.000 EU-Gesetze und -Verordnungen [...]
In den 60 Jahren hat sich viel geändert und die Römischen Verträge sind immer nur unzureichend angepasst und repariert worden. Der Brexit gibt uns nun die Chance, bei der Überarbeitung der 21.000 EU-Gesetze und -Verordnungen diese alle in beispielsweise einer Frist von 5 Jahren komplett zu streichen und dann neu aufzusetzen. Und zwar nach heutigen Gegebenheiten. Bei der Gelegenheit ist insbesondere das Verhältnis untereinander neu festzulegen und dabei können gleich ein Dutzend Mitglieder aussortiert werden, die einer neuen Definition von Europa nicht genügen (einige sind ja schon jetzt nicht mehr fit für den Grundgedanken der EU). Auch sollten Europas Grenzen festgelegt werden, beispielsweise gehört der Nahe Osten NICHT zu Europa. Mit den notdürftig angeflanschten Regelungen sind die Römischen Verträge Schrott und überholt und der Brexit ist nur der Anfang !
staubmantel 25.03.2017
2.
Die Geburtsstunde der EU war nicht 1957, sondern 1993. Alles, was nach 1993 kam, war weniger friedvoll, weniger bürokratisch, man hat mehr Arbeitslosigkeit, weniger Wohlstand, mehr Korruption, mehr Gesetesbrüche etc etc. Da [...]
Die Geburtsstunde der EU war nicht 1957, sondern 1993. Alles, was nach 1993 kam, war weniger friedvoll, weniger bürokratisch, man hat mehr Arbeitslosigkeit, weniger Wohlstand, mehr Korruption, mehr Gesetesbrüche etc etc. Da nützt es auch nichts, wenn die Medien ständig versuchen, die EU schön zu reden. Jemand, der mit Kritikfähigkeit aufgewachsen ist, gaubt den Medien nicht mehr.
Lamentierer 25.03.2017
3. Leider nicht differenziert genug
Das die alte EWG nicht von den Bevölkerungen der einzelnen Staaten gewollt gewesen sei, sondern nur eine Idee der Politiker, die umgesetzt wurde ist so nicht richtig. Richtiger ist vielmehr, dass besonders Frankreich geleitet [...]
Das die alte EWG nicht von den Bevölkerungen der einzelnen Staaten gewollt gewesen sei, sondern nur eine Idee der Politiker, die umgesetzt wurde ist so nicht richtig. Richtiger ist vielmehr, dass besonders Frankreich geleitet wurde vom Gedanken den "Erbfeind" einzubinden, anderseits es aber nicht bereit war, auf nationale Egoismen zu verzichten. Sicherlich Frankreich verzichtet nach einer Volksabstimmung auf das Saarland, aber es hatte genug innere Konflikte und vor allem die Kolonialkonflikte zu lösen Die EWG hatte alle Chancen zu einer echten Staatengemeinschaft, bestehend aus 6 Ländern zusammen zu wachen. Leider wurde dieser Weg -und das war ein Kardinalfehler- nicht bis zum Ende gegangen. Gerade die Möglichkleiten der Erweiterung der EWG bedeuteten für die Zukunft auch das der heutige Zustand ist, wie er ist. Das heißt vollkommen unterschiedliche Staaten mit z.T. wirtschaftlichen Verhältnissen eines Entwicklungs- oder Schwellenlandes sind in diesem Komglomerat von demnächst 27 Staaten vereint. Das Prinzip besonders in der Flüchtlingsfrage heißt nicht Solidarität sondern ABSCHOTTUNG, siehe die ehemaligen Ostblockstaaten, die jede Zusammenarbeit in dieser Frage ablehnen und sich abschotten. Gerade die für unser Land so gelobte Freizügigkeit erweist sich heute als echtes Handicap, siehe gernzenlose Kriminalität. Nun ist es heute, wie es ist. Europa ist krank, krank aufrgund der schieren Größe und Unterschiedlichkeit der einzelnen Nationen. Und viele Staaten die oft lange unterdrückt wurden wollen nicht wieder kujoniert werden. Die Zukunft kann also nur in der weiteren Entwicklung mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten liegen.
allessuper 25.03.2017
4. OK. und wer macht das?
Wir haben das ganze Regelwerk in den Sand gesetzt, und nun müsste man tatsächlich komplett neu anfangen. Experten haben gezeigt, dass sie nicht sinnvoll handeln können. Deswegen sollten zufällig gewählte Bürger ran. [...]
Zitat von iffelsineIn den 60 Jahren hat sich viel geändert und die Römischen Verträge sind immer nur unzureichend angepasst und repariert worden. Der Brexit gibt uns nun die Chance, bei der Überarbeitung der 21.000 EU-Gesetze und -Verordnungen diese alle in beispielsweise einer Frist von 5 Jahren komplett zu streichen und dann neu aufzusetzen. Und zwar nach heutigen Gegebenheiten. Bei der Gelegenheit ist insbesondere das Verhältnis untereinander neu festzulegen und dabei können gleich ein Dutzend Mitglieder aussortiert werden, die einer neuen Definition von Europa nicht genügen (einige sind ja schon jetzt nicht mehr fit für den Grundgedanken der EU). Auch sollten Europas Grenzen festgelegt werden, beispielsweise gehört der Nahe Osten NICHT zu Europa. Mit den notdürftig angeflanschten Regelungen sind die Römischen Verträge Schrott und überholt und der Brexit ist nur der Anfang !
Wir haben das ganze Regelwerk in den Sand gesetzt, und nun müsste man tatsächlich komplett neu anfangen. Experten haben gezeigt, dass sie nicht sinnvoll handeln können. Deswegen sollten zufällig gewählte Bürger ran. Dahinter dürfen Juristen dann das Ergebnis umsetzen. Ich glaube, wir würden unserem schönen Europa mehr damit dienen und alle jetzigen Fragen würden mit gesundem Menschenverstand gelöst werden. Werkzeug dazu gibt es genug.
frank2013 25.03.2017
5. Die Gemeinschaft der europäischen Völker bleibt eine großartige Vision
Die europäische Gemeinschaft ist und bleibt nach der europäischen Geschichte des 20 Jahrhunderts eine großartige Errungenschaft und Vision. Einen besseren Beweis als der zerfallende Nahe Osten für diese Vision gibt es nicht. [...]
Die europäische Gemeinschaft ist und bleibt nach der europäischen Geschichte des 20 Jahrhunderts eine großartige Errungenschaft und Vision. Einen besseren Beweis als der zerfallende Nahe Osten für diese Vision gibt es nicht. Auch die arabischen Länder werden so eine Vision entwickeln müssen, die die gegenseitige Toleranz und das Verständnis zur Grundlage machen. Dass viele handwerkliche Fehler begangen wurden, rechtfertigt nicht die Zerstörung dieses Wekes, sondern seine ständige Reformierung und Weiterentwicklung. Wir begreifen erst, was wir an ihr haben, wenn sie eines Tages weg wäre. Vielleicht sollte noch viel mehr dafür getan werden, den Austausch auf der Bürgerebene zu fördern. Man lernt das Nachbarland besser kennen, wenn dort auch mal arbeitet. Vielleicht sollte die innereuropäische Arbeitsmigration viel besser gefördert werden als bloss mit Erasmus-Programmen für Studierende. Zum Beispiel sollte jedes Land ein zentrales Förderinstrumentarium besitzen, mit günstigen Sprach- und Landeskundeunterricht für EU-Ausländer, egal welchen beruflichen Hintergrundes. Dort kann man sich speziell auf das Land vorbereiten, in das man einwandern möchte. Hier könnte viel mehr getan werden.

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