Schrift:
Ansicht Home:
Politik

Amnesty-Index

In China und Deutschland sind Flüchtlinge besonders willkommen

Amnesty International hat Tausende Menschen aus 27 Nationen gefragt, ob sie Flüchtlinge in ihrem Land, in ihrer Stadt, in ihrem Haus akzeptieren. Nun wurden die Ergebnisse veröffentlicht.

DPA

Flüchtling aus Eritrea in Hessen

Donnerstag, 19.05.2016   03:49 Uhr

"Refugees Welcome Index": Unter diesem Titel hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Ergebnisse ihrer weltweiten Umfrage zum Thema Flüchtlinge veröffentlicht. Mehr als 27.000 Menschen in 27 Ländern wurden den Angaben zufolge nach ihrer Bereitschaft gefragt, Flüchtlinge in ihren Ländern, Städten, Vierteln oder Häusern aufzunehmen.

Insgesamt gaben demnach fast drei Viertel aller Befragte an, dass Menschen, die vor Krieg oder Verfolgung flüchten, Asyl in anderen Ländern gewährt werden sollte. Einer von zehn Befragten würde einen Flüchtling bei sich daheim aufnehmen. In China sagten das sogar 46 Prozent.

"Die menschliche Solidarität ist sehr sichtbar", sagte der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty, über den Index. "Es ist weltweit ganz deutlich, dass Menschen den Schmerz derjenigen nachvollziehen können, die vor Krieg und Verfolgung flüchten müssen." Eine weitere Erkenntnis: Die Meinung in der Bevölkerung weicht laut Shetty zum Teil stark von den Taten der jeweiligen Regierung ab. Bürger seien bereit, auf Flüchtlinge zuzugehen, "und die Regierungen sollten auf diese Mehrheit hören, nicht nur auf die lauten Rufe einiger weniger".

Shetty sprach bei diesem Thema von einer "Krise auf Führungsebene": "Wir haben nicht viele Menschen wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, die trotz Widerstand stark geblieben ist und gesagt hat, es handle sich um eine menschliche Verpflichtung."

Deutschland landete in dem Amnesty-Ranking auf Platz zwei der flüchtlingsfreundlichsten Länder und nur knapp hinter China. Auf den hintersten Rängen liegen Polen, Thailand, Indonesien und Schlusslicht Russland. Dort sagten 61 Prozent der Befragten, man solle Flüchtlinge nicht ins Land lassen. Der britische "Guardian" hat den einzelnen Ländervergleich hier grafisch aufbereitet.

Ein besonders deutliches Beispiel für Shettys Aussage über das Auseinanderklaffen der Ansichten der Bürger und derer ihrer gewählten Vertreter liefert Australien. Die Regierung dort ist für ihre extrem strikte Asylpolitik bekannt. In dem Amnesty-Ranking der flüchtlingsfreundlichsten Länder landet Australien allerdings auf Platz fünf. Sieben von zehn Befragten gaben demnach an, das Land müsse mehr für Flüchtlinge tun.

Insgesamt nahmen diese 27 Länder an der Umfrage teil: Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada, Chile, China, Frankreich, Deutschland, Ghana, Griechenland, Indien, Indonesien, Jordanien, Kenia, Libanon, Mexiko, Nigeria, Pakistan, Polen, Russland, Südafrika, Südkorea, Spanien, Thailand, Türkei, Großbritannien und die USA.

aar/Reuters

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP