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Politik

Judenfeindlichkeit in Berlin

Antisemiten werden dreister und brutaler

Antisemitismus in Berlin nimmt zu - und die Täter wenden öfter Gewalt an. Erfasst hat die Zahlen die Informationsstelle Rias. Schuld an der Verrohung sei niederschwellige Judenfeindlichkeit im Alltag.

DPA

Berlin trägt Kippa, bei einem Protest gegen Judenhass vor dem Brandenburger Tor (Archivbild)

Mittwoch, 17.04.2019   11:33 Uhr

In Berlin hat es im vergangenen Jahr mehr Bedrohungen und Angriffe auf Menschen jüdischen Glaubens oder ihre Unterstützer gegeben als noch 2017. Das meldet die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias).

Laut aktuellem Bericht der Rias Berlin, die antisemitische Vorkommnisse sammelt und recherchiert, ist vor allem der Anstieg bei Vorfällen mit besonderem Gefährdungspotential für die Betroffenen besorgniserregend. So habe sich die Anzahl der Angriffe von 18 auf 46 mehr als verdoppelt, die Zahl der Bedrohungen - von 26 auf 46 - sei demnach ebenfalls merklich gestiegen. Insgesamt erfasste Rias Berlin im vergangenen Jahr 1083 antisemitische Vorfälle und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr.

2018 waren zudem mehr Einzelpersonen von antisemitischen Übergriffen betroffen: Mit 368 Personen waren es 73 Prozent mehr. Mit 187 war über die Hälfte davon jüdisch, angefeindet wurden aber auch zahlreiche nicht jüdische Personen, die sich gegen Antisemitismus oder Rechtsextremismus aussprachen. Beschimpfungen und verbale Anfeindungen nahmen um ein Fünftel zu, Rias registrierte 831 Fälle im vergangenen Jahr.

Für Übergriffe genügten laut Rias bereits Kleinigkeiten: Im September sei einem Mann ins Gesicht geschlagen worden, nachdem er als "Du Jude" beschimpft worden war und sich darüber beschwerte. Ebenfalls im September bewarf ein Späti-Verkäufer eine jüdische Frau mit Kronkorken, als er ihren Davidstern-Schlüsselanhänger erblickte, beschimpfte sie als "Judenschlampe" und verwies sie des Ladens. Im April wurde eine Gruppe von Personen auf dem Weg zur Demonstration "Berlin trägt Kippa" bespuckt, getreten und mit "Verpisst Euch Ihr Juden" beschimpft.

Rias-Berlin-Projektleiter Benjamin Steinitz sagte, das Archiv stelle "im Vergleich zu den vergangenen Jahren eine zunehmende Bereitschaft fest, antisemitische Aussagen mit konkreten Gewaltandrohungen zu verbinden oder ihnen gar Gewalt folgen zu lassen". Die "Verrohung" geschehe aber nicht im luftleeren Raum. Sie stehe "im Kontext wachsender Zahlen niedrigschwelliger Formen von Antisemitismus, der den Alltag von Betroffenen prägt".

Im Video: "Du Jude!" als Schimpfwort

Foto: SPIEGEL TV

cht

insgesamt 303 Beiträge
ronald1952 17.04.2019
1. Wenn die
zu Erwartenden Strafen für solche Taten hoch genug sind, wird man es sich 2 mal Überlegen. Es nutzt nur nichts denn die Ursache für diesen völlig Sinnlosen Hass ist nicht beseitigt. Man sollte die Menschen schon in der Schule [...]
zu Erwartenden Strafen für solche Taten hoch genug sind, wird man es sich 2 mal Überlegen. Es nutzt nur nichts denn die Ursache für diesen völlig Sinnlosen Hass ist nicht beseitigt. Man sollte die Menschen schon in der Schule darüber aufklären warum die Juden so verfolgt wurden und werden. Aber das hieße auch endlich mal gegen die RKK Stellung zu beziehen.Denn nur weil die Juden einen der ihren Hinrichten liesen muss man doch nicht gleich ein ganzes Volk dafür Verdammen und Büsen lassen, das aber geschieht bis Heute leider! Verstanden habe ich das nie, will es auch nicht denn nur wer einem Persönlich etwas getan hat, den kann man nicht Mögen oder vielleicht auch Hassen aber doch kein ganzes Volk. schönen Tag noch,
berlinerr 17.04.2019
2. Ursachenforschung gehört offenbar nicht zum Journalismus
Mit keinem Wort wird erwähnt, durch wen wir einen Anstieg von Antisemitismus haben. Es sind größtenteils Jugendliche mit muslimischem Hintergrund. Wenn die Wahrheit nicht in die eigene Ideologie passt, kommt so ein [...]
Mit keinem Wort wird erwähnt, durch wen wir einen Anstieg von Antisemitismus haben. Es sind größtenteils Jugendliche mit muslimischem Hintergrund. Wenn die Wahrheit nicht in die eigene Ideologie passt, kommt so ein unseriöser Artikel raus.
Theya 17.04.2019
3. Ich hätte das nie für möglich gehalten
Die aktuelle Entwicklung ist schockierend. Wie kann das in einem Land wie Deutschland dazu kommen? Von Kindesbeinen an (Schulzeit) war die das 20. Jahrhundert und die unrühmliche Vergangenheit Deutschlands im Leben meiner [...]
Die aktuelle Entwicklung ist schockierend. Wie kann das in einem Land wie Deutschland dazu kommen? Von Kindesbeinen an (Schulzeit) war die das 20. Jahrhundert und die unrühmliche Vergangenheit Deutschlands im Leben meiner Generation ein so präsentes Thema, dass es mir ernsthaft schwer fällt, diese Statistiken zu verarbeiten. Es will mir einfach nicht in den Kopf hinein, dass es in Deutschland im Jahre 2019 derartige Beschimpfungen, Anfeindungen und Übergriffe überhaupt nur gibt, geschweige denn, dass sie auch noch ansteigen. Ich kann es wirklich nicht begreifen.
von1948 17.04.2019
4. Hart durchgreifen.
Es gibt in jeder Stadt eine Jugendarrestanstalt. Die müssten mal bitte wieder wie bis Ende der 70er Jahre genutzt werden. In NRW war es so: Jugendlicher würde erwischt, innerhalb einer Woche zum Jugendarrest verurteilt und [...]
Es gibt in jeder Stadt eine Jugendarrestanstalt. Die müssten mal bitte wieder wie bis Ende der 70er Jahre genutzt werden. In NRW war es so: Jugendlicher würde erwischt, innerhalb einer Woche zum Jugendarrest verurteilt und danach musste er den nächsten freien Platz belegen. Und-----es waren keine rechten Parteien an der Regierung sondern die SPD
quark2@mailinator.com 17.04.2019
5.
"Schuld an der Verrohung sei niederschwelliger Judenfeindlichkeit im Alltag." Mal abgesehen vom Grammatikfehler kann ich den Satz auch inhaltlich nicht verstehen. Ich kenne "unterschwellig" im Sinne von [...]
"Schuld an der Verrohung sei niederschwelliger Judenfeindlichkeit im Alltag." Mal abgesehen vom Grammatikfehler kann ich den Satz auch inhaltlich nicht verstehen. Ich kenne "unterschwellig" im Sinne von "unbewußt" oder "immer etwas da (latent)". "Niederschwellig" hingegen ergibt mMn. überhaupt keinen Sinn. Wäre interessant zu wissen, was genau gemeint ist und vor allem auch, warum sich dbzgl. was geändert hat. Was motiviert die Leute dazu ?
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