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Politik

Neue Uno-Studie

Wo Armut zu Hause ist

Ein neuer Armutsbericht der Vereinten Nationen und der Universität Oxford zeigt, wo besonders viele Menschen von Armut betroffen sind. Erschreckend sind vor allem die Erkenntnisse der Forscher zur Kinderarmut.

Joe Penney/ REUTERS

Händler verkaufen Wassermelonen auf einem Markt in Agadez, Niger (Archivbild). In dem afrikanischen Land gelten 90,5 Prozent der Menschen als arm.

Von
Donnerstag, 11.07.2019   20:29 Uhr

Subsahara-Afrika und Südasien sind die Weltregionen, in denen die meisten armen Menschen leben. Das geht aus einem aktuellen Armutsindex hervor, den das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen und die "Oxford Poverty and Human Development Initiative" am Donnerstag veröffentlicht haben. Demnach leben 84,5 Prozent der als arm geltenden Menschen in diesen beiden Weltregionen.

Die Forscher definieren dabei Armut nicht nur darüber, wie viel Geld Menschen zur Verfügung haben, sondern anhand von insgesamt zehn Indikatoren in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Lebensstandard.

Sie sprechen deshalb von "multidimensionaler Armut". Der Index ergänze so die von der Weltbank festgesetzte Armutsgrenze, schreiben die Autoren. Die liegt derzeit bei kaufkraftbereinigten 1,90 Dollar pro Tag.

Insgesamt untersuchten die Forscher im "Global Multidemensional Poverty Index" in diesem Jahr 101 Länder mit 5,7 Milliarden Einwohnern. Die Daten stammen aus den Jahren 2007 bis 2018.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie:

"Um Armut zu bekämpfen, müssen wir wissen, wo arme Menschen leben", sagte Achim Steiner, Leiter des Uno-Entwicklungsprogramms. "Sie sind nicht gleichmäßig über Länder oder sogar einen Haushalt verteilt." Der Index solle vor allem Politikern mit wenig Ressourcen helfen, zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen.

Werden die Ärmsten abgehängt?

Einen besonderen Fokus legt der Bericht unter anderem auf zehn ausgewählte Staaten: Peru, Bangladesch, Kambodscha, Indien, Nigeria, Pakistan, Vietnam, Kongo, Äthiopien und Haiti. In diesen Ländern betrachten die Forscher die Entwicklung ihres Armutsindexes über mehrere Jahre hinweg. Sie wollen so vor allem herausfinden, ob die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung Wege aus der Armut finden oder abgehängt werden.

Das Ergebnis der Forscher: Außer Nigeria machten alle Länder in den vergangenen Jahren signifikante Fortschritte. Allein in Indien gab es 2016 217 Millionen weniger arme Menschen als noch 2006.

Und auch die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung wurden in der Regel nicht abgehängt, wenn man den multidimensionalen Index betrachtet. So machten laut Studie in neun der zehn Ländern die ärmeren Bevölkerungsschichten sogar größere Fortschritte als die Gesamtbevölkerung. Diese Fortschritte der Ärmsten seien "ermutigende Nachrichten", sagte Sabina Alkire, die Direktorin der "Oxford Poverty and Human Development Initiative".

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft, für das unsere Reporter von vier Kontinenten berichten. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt.

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insgesamt 11 Beiträge
Beagle-Fan 11.07.2019
1. Und was macht Deutschland?
Lebensmittelvernichtung: In Deutschland werden Weizen, Zuckerrüben, Mais, Raps, all diese Pflanzen werden verheizt, zu Herstellung von Biosprit oder Biogas missbraucht. Bezahlt von uns Steuerzahler. Diese Ackerfläche fehlt [...]
Lebensmittelvernichtung: In Deutschland werden Weizen, Zuckerrüben, Mais, Raps, all diese Pflanzen werden verheizt, zu Herstellung von Biosprit oder Biogas missbraucht. Bezahlt von uns Steuerzahler. Diese Ackerfläche fehlt ganz einfach für sinnvollen Anbau von Lebensmitteln. Dieser Weizen, Mais usw. müsste nach Afrika kostenlos abgegeben werden. Damit könnten viele Menschen überleben. Das ist Merkels unsinnige, menschenfeindliche Energiewende wie sich jetzt herausstellt. Da rege ich mich über 4 Prozent Retouren nicht auf !!! Für 1 Kilo Avocados, das sind ca. drei Stück, werden ca. 1000 Liter Wasser benötigt! Erdbeeren aus Spanien: Die werden in sehr trockenen Gebieten angepflanzt. Das kostbare Wasser muss weite Strecken erst an die Plantagen transportiert werden. Palmöl: Die Ölpalme muss ca. vier Jahre erst wachsen, dann ist sie für nur zwei Jahre nutzbar. Palmöl wird in Monokulturen angebaut, besonders in Malaysia ist dies erschreckend sichtbar. Hier sind nahezu 100% des Primärregenwaldes schon der Palmölindustrie zum Opfer geworden. Darüber sollten sich die Grünen aufregen und nicht über die Retouren von Amazon und Co.
ulmer_optimist 11.07.2019
2. Ausgaben für Entwicklungshilfe
Gegen Armut sollte aus meiner Sicht wenigstens so viel ausgegeben werden wie für Krieg. Das wäre 2% des BIP. Und damit sollte gezielt Armut in der Welt gelindert werden.
Gegen Armut sollte aus meiner Sicht wenigstens so viel ausgegeben werden wie für Krieg. Das wäre 2% des BIP. Und damit sollte gezielt Armut in der Welt gelindert werden.
isar56 11.07.2019
3.
Ja, sicher. Dennoch wird wieder und wieder ausgeblendet, dass 5,7 oder 9 Kinder zuerst ernährt, gekleidet und gebildet werden müssen, bevor sie der Alterssicherung von Vater und Mutter dienen können.
Zitat von Beagle-FanLebensmittelvernichtung: In Deutschland werden Weizen, Zuckerrüben, Mais, Raps, all diese Pflanzen werden verheizt, zu Herstellung von Biosprit oder Biogas missbraucht. Bezahlt von uns Steuerzahler. Diese Ackerfläche fehlt ganz einfach für sinnvollen Anbau von Lebensmitteln. Dieser Weizen, Mais usw. müsste nach Afrika kostenlos abgegeben werden. Damit könnten viele Menschen überleben. Das ist Merkels unsinnige, menschenfeindliche Energiewende wie sich jetzt herausstellt. Da rege ich mich über 4 Prozent Retouren nicht auf !!! Für 1 Kilo Avocados, das sind ca. drei Stück, werden ca. 1000 Liter Wasser benötigt! Erdbeeren aus Spanien: Die werden in sehr trockenen Gebieten angepflanzt. Das kostbare Wasser muss weite Strecken erst an die Plantagen transportiert werden. Palmöl: Die Ölpalme muss ca. vier Jahre erst wachsen, dann ist sie für nur zwei Jahre nutzbar. Palmöl wird in Monokulturen angebaut, besonders in Malaysia ist dies erschreckend sichtbar. Hier sind nahezu 100% des Primärregenwaldes schon der Palmölindustrie zum Opfer geworden. Darüber sollten sich die Grünen aufregen und nicht über die Retouren von Amazon und Co.
Ja, sicher. Dennoch wird wieder und wieder ausgeblendet, dass 5,7 oder 9 Kinder zuerst ernährt, gekleidet und gebildet werden müssen, bevor sie der Alterssicherung von Vater und Mutter dienen können.
fatal.justice 11.07.2019
4. Stimme...
... mit Ihnen überein, dass die fehlgeleitete Nutzung der zur Ernährung wichtigen Böden nicht zielführend ist. Da jedoch gerade bewirtschaftungsfähige Areale vor allem auf dem nördlichen Erdenrund zu finden sind, müsste [...]
Zitat von Beagle-FanLebensmittelvernichtung: In Deutschland werden Weizen, Zuckerrüben, Mais, Raps, all diese Pflanzen werden verheizt, zu Herstellung von Biosprit oder Biogas missbraucht. Bezahlt von uns Steuerzahler. Diese Ackerfläche fehlt ganz einfach für sinnvollen Anbau von Lebensmitteln. Dieser Weizen, Mais usw. müsste nach Afrika kostenlos abgegeben werden. Damit könnten viele Menschen überleben. Das ist Merkels unsinnige, menschenfeindliche Energiewende wie sich jetzt herausstellt. Da rege ich mich über 4 Prozent Retouren nicht auf !!! Für 1 Kilo Avocados, das sind ca. drei Stück, werden ca. 1000 Liter Wasser benötigt! Erdbeeren aus Spanien: Die werden in sehr trockenen Gebieten angepflanzt. Das kostbare Wasser muss weite Strecken erst an die Plantagen transportiert werden. Palmöl: Die Ölpalme muss ca. vier Jahre erst wachsen, dann ist sie für nur zwei Jahre nutzbar. Palmöl wird in Monokulturen angebaut, besonders in Malaysia ist dies erschreckend sichtbar. Hier sind nahezu 100% des Primärregenwaldes schon der Palmölindustrie zum Opfer geworden. Darüber sollten sich die Grünen aufregen und nicht über die Retouren von Amazon und Co.
... mit Ihnen überein, dass die fehlgeleitete Nutzung der zur Ernährung wichtigen Böden nicht zielführend ist. Da jedoch gerade bewirtschaftungsfähige Areale vor allem auf dem nördlichen Erdenrund zu finden sind, müsste oder sollte eine globale Umverteilung stattfinden, die keinen kapitalistischen Ansinnen gerecht werden muss. Solange Börsen bestehen, die Missernten belohnen, wird sich dies nicht ändern.
Ökofred 11.07.2019
5. wirklich..?
Die EU gibt enorme Mengen Lebensmittel nach Afrika ab, und das ist schlecht. Das vernichtet dort nämlich die eigene Produktivität, da die Bauern dort natürlcih nicht mit der EU mithalten können. Die Produktivität [...]
Zitat von Beagle-FanLebensmittelvernichtung: In Deutschland werden Weizen, Zuckerrüben, Mais, Raps, all diese Pflanzen werden verheizt, zu Herstellung von Biosprit oder Biogas missbraucht. Bezahlt von uns Steuerzahler. Diese Ackerfläche fehlt ganz einfach für sinnvollen Anbau von Lebensmitteln. Dieser Weizen, Mais usw. müsste nach Afrika kostenlos abgegeben werden. Damit könnten viele Menschen überleben. Das ist Merkels unsinnige, menschenfeindliche Energiewende wie sich jetzt herausstellt. Da rege ich mich über 4 Prozent Retouren nicht auf !!! Für 1 Kilo Avocados, das sind ca. drei Stück, werden ca. 1000 Liter Wasser benötigt! Erdbeeren aus Spanien: Die werden in sehr trockenen Gebieten angepflanzt. Das kostbare Wasser muss weite Strecken erst an die Plantagen transportiert werden. Palmöl: Die Ölpalme muss ca. vier Jahre erst wachsen, dann ist sie für nur zwei Jahre nutzbar. Palmöl wird in Monokulturen angebaut, besonders in Malaysia ist dies erschreckend sichtbar. Hier sind nahezu 100% des Primärregenwaldes schon der Palmölindustrie zum Opfer geworden. Darüber sollten sich die Grünen aufregen und nicht über die Retouren von Amazon und Co.
Die EU gibt enorme Mengen Lebensmittel nach Afrika ab, und das ist schlecht. Das vernichtet dort nämlich die eigene Produktivität, da die Bauern dort natürlcih nicht mit der EU mithalten können. Die Produktivität beträgt dort bie Kleinbauern 500 kg Ackerertrag / ha. In DE 10 t. Man darf keine Lebensmittel liefern, Afrika könnte locker 4 Mrd Menschen ernähren, man muss dort das Knowhow entwickeln. Das ist aber nicht in unserem Interesse, wir brauchen ja den "Markt" zu Lieferung unseres Überschusses...

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