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Politik

Asien

Antiamerikanische Proteste in Indonesien und auf den Philippinen

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat die Polizei Wasserwerfer und Tränengas gegen rund 400 Moslems eingesetzt, die vor der US-Botschaft gegen die Angriffe auf Afghanistan protestierten. Auch auf den Philippinen gab es Proteste.

Dienstag, 09.10.2001   10:56 Uhr

Jakarta - Die Polizisten hätten die Demonstration auflösen wollen, nachdem die Teilnehmer an den Stacheldraht-Absperrungen um die Botschaft gerüttelt hätten, berichteten Augenzeugen am Dienstag aus Jakarta.

Die Sicherheitskräfte hätten auch Warnschüsse abgefeuert, verletzt worden sei aber niemand. Die Demonstranten seien zunächst zurückgewichen, hätten sich dann aber wieder zusammengefunden. Die US-Botschaft in Jakarta ist gegenwärtig geschlossen.

Die Front für die Verteidigung des Islam, die den Protest mitorganisierte, fordert von der indonesischen Regierung den Bruch mit den USA. Sie hat der Regierung ein Ultimatum bis Mittwoch gestellt. Andernfalls würden Mitglieder der Front US-Eigentum in Indonesien zerstören und US-Bürger gewaltsam vertreiben. Die Polizei teilte mit, sie habe 3000 zusätzliche Beamte in der Nähe der Wohnviertel der Ausländer stationiert.

Auch in anderen Landesteilen Indonesien gab es am Dienstag antiamerikanische Übergriffe. In der Stadt Makassar verbrannten Dutzende Demonstranten eine US-Flagge und zerstörten ein Werbeplakat der amerikanischen Imbisskette McDonald's. Sie drohten damit, die in der Stadt lebenden US-Bürger zu vertreiben. Weitere Protestkundgebungen wurden aus den Städten Bandung und Medan gemeldet.



Auf der Insel Sulawesi drohten moslemische Studenten, sie würden US-Bürgern und Israelis in der Region "das Leben schwer machen". Rund 90 Prozent der 210 Millionen Indonesier sind Moslems.

Proteste auch auf den Phillipinen

Mehr als 10.000 Moslems haben am Dienstag in der südphilippinischen Stadt Marawi gegen die Militärangriffe auf Afghanistan protestiert. Teilnehmer hätten "Dschihad! Dschihad!" (Heiliger Kampf) gerufen und den mutmaßlichen Terroristenführer Osama Bin Laden gepriesen, berichteten Augenzeugen.

Die größte Moslemrebellen-Organisation, die Moro-Islamische Befreiungsfront (MILF), warnte vor einem "Massenmord" an afghanischen Zivilisten bei den Militärschlägen. Durch die Angriffe sympathisierten immer mehr philippinische Moslems mit Bin Laden, sagte der MILF-Vizevorsitzende Murad Ibrahim.

Die philippinische Regierung hatte dagegen die Militärschläge gegen Afghanistan begrüßt. Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo bezeichnete die Aktionen als "gerecht, legitim, dringlich und unvermeidlich". Der Inselstaat ist das einzige vorwiegend katholische Land Asiens. Im Süden lebt allerdings eine muslimische Minderheit.

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