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Politik

Atom-Krise

US-Verteidigungsminister droht mit "Vernichtung" Nordkoreas

Alle Welt mahnt in der Nordkorea-Krise zu Besonnenheit, Trumps Verteidigungsminister Mattis dreht an der Eskalationsschraube: Er droht dem Regime Kim Jong Uns und dem Volk mit Vernichtung.

AFP

US-Verteidigungsminister James Mattis

Mittwoch, 09.08.2017   21:09 Uhr

Es sind neue markige Worte aus den USA, die das Regime in Nordkorea offenbar einschüchtern sollen: US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, Nordkorea müsse "aufhören, sich selbst zu isolieren, und seinen Drang hin zu Atomwaffen aufgeben".

Das Land solle jegliche Schritte unterlassen, die "zum Ende seines Regimes und zur Vernichtung seines Volkes führen werden". Das Land würde gegen die Übermacht der USA "jedes Wettrüsten und jeden Krieg verlieren".

Bereits am Vortag hatte US-Präsident Donald Trump der kommunistischen Diktatur mit "Feuer, Wut und Macht, wie die Welt es so noch nicht gesehen hat" gedroht. Am Mittwochmorgen, Ortszeit, twitterte der Präsident, das US-Atomarsenal sei stärker als je zuvor.

"Trump wählte Sprache, die Nordkorea versteht"

Das US-Außenministerium hat inzwischen versucht, die Rhetorik von Trump zu verteidigen. Mit seinem "Feuer und Wut"-Zitat habe Trump eine Sprache gewählt, die der nordkoreanische Präsident Kim Jong Un verstehe, sagte eine Sprecherin von Außenminister Rex Tillerson.

Der Minister und Trump zögen am selben Strang, sagte die Sprecherin. "Wir sprechen mit einer Stimme." Beide hätten sich etwa eine Stunde lang telefonisch abgestimmt. Tillerson hatte sich am gleichen Tag bemüht, in der rhetorisch aufgeheizten Atmosphäre beruhigend aufzutreten. Er sagte bei einem Besuch auf Guam, dass von Nordkorea keine unmittelbare Bedrohung ausgehe.

Pjöngjang hatte im Juli zweimal ballistische Langstreckenraketen getestet. Wie nach den meisten der bislang fünf Atombombenversuchen verband die kommunistische Diktatur auch diese Waffentests mit Verbalattacken gegen den asiatischen Nachbarn und die USA.

Nach dem jüngsten Raketenstart Ende Juli erließ der Sicherheitsrat der Uno einstimmig neue Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea. Die zuletzt getestete Rakete soll theoretisch in der Lage gewesen sein, die Westküste der USA zu treffen. Anlass zur Sorge gibt außerdem die Mutmaßung, Nordkorea könne bei der Entwicklung von Atomraketen weiter sein als bislang angenommen.

Nordkorea hatte am Mittwoch auf Trump geantwortet, man werde gegen die USA einen Präventivschlag führen und die US-Pazifikinsel Guam mit Raketen angreifen.

Angesichts der angespannten Lage warnte der russische Uno-Botschafter Vassily Nebenzia die USA, sie sollten nichts unternehmen, was gefährliche Handlungen Nordkoreas provoziere. Eine militärische Option "komme ohnehin nicht in Frage", so Nebenzia. Uno-Generalsekretär Guterres warnte vor "zunehmend konfrontativer Rethorik", darüber sei er "sehr besorgt". Ähnlich äußerten sich zuvor bereits Deutschland, die EU und China.

Anmerkung Wir haben die Zahl der nordkoreanischen Atombombentests in dieser Meldung korrigiert. Wir haben die Zahl der nordkoreanischen Atombombentests in dieser Meldung korrigiert.

Im Video: Die Spirale der Drohungen

Foto: Getty Images/ iStockphoto

cht/dpa/Reuters

insgesamt 86 Beiträge
avision 09.08.2017
1.
In der New York Times war zu lesen dass er eher versucht hat zu relativieren?
In der New York Times war zu lesen dass er eher versucht hat zu relativieren?
power.piefke 09.08.2017
2. Zitat Artikel :
"Er droht dem Regime Kim Jong Uns und dem Volk mit Vernichtung."___ Wenn er den Völkermord schon ankündigt, dann dürfte der Prozess in den Haag gegen ihn und das us regime ein kurzer werden.
"Er droht dem Regime Kim Jong Uns und dem Volk mit Vernichtung."___ Wenn er den Völkermord schon ankündigt, dann dürfte der Prozess in den Haag gegen ihn und das us regime ein kurzer werden.
sb411 09.08.2017
3. noch ein Krieg?
Haben sie nicht langsam genug vom Regimechange und verlorenen Kriegen? Die USA brauchen dringend Investitionen im eigenen Land, nicht noch einen Krisenherd. Oh Mann, und immer brutale Luftkriege, die ruinierte Landstriche [...]
Haben sie nicht langsam genug vom Regimechange und verlorenen Kriegen? Die USA brauchen dringend Investitionen im eigenen Land, nicht noch einen Krisenherd. Oh Mann, und immer brutale Luftkriege, die ruinierte Landstriche zurücklassen.
desertcruiser 09.08.2017
4. wenn zwei das gleiche tun
Ganz klar, nur bestimmte Länder haben die moralische Qualifikation Atomwaffen zu besitzen. Und die USA, die schon in Indochina gewütet haben, die den Nahen Osten und Afghanistan destabilisieren haben die moralische [...]
Ganz klar, nur bestimmte Länder haben die moralische Qualifikation Atomwaffen zu besitzen. Und die USA, die schon in Indochina gewütet haben, die den Nahen Osten und Afghanistan destabilisieren haben die moralische Qualifikation. Die Ursache der Eskalation der Worte zwischen den USA und Nordkorea sind letztlich gerade die Sanktionen gegen Nordkorea. Ohne diese würde alles ganz friedlich vor sich gehen. Auch das kleine Isreal, daß sich nicht immer völkerrechtskonform verhält, darf diese feinen Sachen haben, denn nur diese garantieren bei dem imperialistischen Anspruch der USA volle Souveränität, bei Israel natürlich nicht gegenüber ihrer Schutzmacht....
tullrich 09.08.2017
5.
Wir alle haben (erst kürzlich, auf der Krim, in Georgien oder der Türkei) erlebt oder aus den Geschichtsbüchern gelernt, was Appeasement für eine Wirkung hat - nämlich keine. Wenn die USA die passende Drohung aufbieten, [...]
Wir alle haben (erst kürzlich, auf der Krim, in Georgien oder der Türkei) erlebt oder aus den Geschichtsbüchern gelernt, was Appeasement für eine Wirkung hat - nämlich keine. Wenn die USA die passende Drohung aufbieten, werden die Generäle in Nordkorea handeln.

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Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
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Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
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Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
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Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
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Marine 46.000 68.000
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Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76

(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

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