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Politik

Artikel im "New Yorker"

Obama soll Merkel zu vierter Amtszeit gedrängt haben

Tat Kanzlerin Merkel mit ihrer erneuten Kandidatur 2017 dem früheren US-Präsidenten Obama einen Gefallen? Beide einte laut einem US-Medienbericht nach dem Wahlsieg Trumps die große Sorge um Europa.

AFP

Barack Obama, Angela Merkel in Hannover, April 2016

Dienstag, 18.12.2018   18:24 Uhr

In einem Insiderbericht über das schwierige Verhältnis von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump stecken einige spannende Details über das deutsch-amerikanische Verhältnis - und über die letzten Wochen der Präsidentschaft von Trumps Vorgänger Barack Obama.

Laut einem Artikel im "New Yorker", der sich auf ehemalige Mitarbeiter der Obama-Regierung und deutsche Regierungsquellen beruft, drängte Obama die Bundeskanzlerin angesichts des Wahlsiegs von Donald Trump im Herbst 2016 zum Weitermachen nach der Bundestagswahl im Sommer 2017.

Charles Kupchan, damals Obamas Mitarbeiter für Europafragen im Nationalen Sicherheitsrat, sagte, der US-Präsident sei "in seinem letzten Amtsjahr besessen gewesen vom Schicksal Europas". Acht Tage nach der Wahl Trumps trafen sich Obama und Merkel im Berliner Hotel Adlon zu einem dreistündigen Abendessen. Obama erklärte dabei, er hoffe auf eine vierte Amtszeit Merkels.

"Ich glaube, die Kanzlerin hat Obama sehr genau zugehört", sagte eine ihr nahe stehende Person dem "New Yorker". Wenige Tage später hatte Merkel verkündet, sich im September erneut als CDU-Spitzenkandidatin um die Kanzlerschaft zu bewerben.

"Sag nicht, ich hätte dir nie etwas gegeben"

Die Interviewpartner verrieten dem "New Yorker" außerdem weitere Anekdoten über die von Beginn an schwierige Zusammenarbeit zwischen der Kanzlerin und dem amtierenden US-Präsidenten Trump.

REUTERS/ Bundesregierung/ Jesco Denzel

Angela Merkel, Donald Trump beim G7-Gipfel

Beim G7-Gipfel in Kanada im Juni 2018 entstand das ikonische Foto mit Merkel und Trump, bei dem sich die Kanzlerin tief über den Tisch zu einem trotzigen US-Präsidenten runterbeugt. Im Rahmen dieses Termins kam es laut dem US-Politikwissenschaftler Ian Bremmer auch zu folgender Szene: Trump warf Merkel im Vorbeigehen zwei Bonbons auf den Tisch, angeblich mit den Worten: "Hier Angela, sage nicht, ich hätte dir nie etwas gegeben." Das Weiße Haus erklärte später, der Präsident habe nur einen Witz gemacht.

Video: Drei Szenen des Unbehagens

Foto: Reuters

Die Sache mit den angeblichen Billionen-Schulden

Merkel versuchte bei einem direkten Treffen mit Trump, ihm den Nahostkonflikt zu erklären. Mit eher mäßigem Erfolg. "Sie spricht über Dinge, bei denen man den Eindruck gewinnt, dass er diese nicht ganz versteht", sagte ein altgedienter deutscher Regierungsmitarbeiter dem Magazin. "Es wirkte, als erwartete sie zu viel von ihrem Zuhörer." Ort und Zeitpunkt dieser überlieferten Begegnung sind in dem Artikel allerdings nicht klar erkennbar.

Bei Merkels erstem Besuch im Oval Office im März 2017 verweigerte Trump der Bundeskanzlerin den Handschlag vor den Fotojournalisten. Nachdem die Kameras weg waren, soll Trump gesagt haben: "Angela, Du schuldest mir eine Billion Dollar." Ein Sprecher des Weißen Hauses bestritt den Wortlaut, den Wortsinn jedoch nicht.

Trump hatte sich vor dem Treffen mit einer Zahl versorgen lassen, wie viel mehr Geld an die Nato geflossen wäre, hätten alle Mitglieder ab 2006 zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Militärausgaben gezahlt. So soll die dahingesagte Forderung zustande gekommen sein. Tatsächlich ist das Zwei-Prozent-Ziel eine Vorgabe, die erst ab 2024 gelten soll.

cht

insgesamt 22 Beiträge
tom-no-b 18.12.2018
1. Erklärmerkel
"Merkel versuchte bei einem direkten Treffen mit Trump, ihm den Nahostkonflikt zu erklären." Na da erklärt ja die Richtige einen der komplexesten und langwierigsten Krisenfälle internationaler Politik. Wenn AM [...]
"Merkel versuchte bei einem direkten Treffen mit Trump, ihm den Nahostkonflikt zu erklären." Na da erklärt ja die Richtige einen der komplexesten und langwierigsten Krisenfälle internationaler Politik. Wenn AM gegenüber mir oder irgendeinem anderen mittelmäßig intelligenten Menschen diesen Versuch gestartet hätte, hätten auch wir nach 30 Sekunden abgebrochen mit der sicheren Erkenntnis, dass sie es nicht kann ;-)
ulrich-lr. 18.12.2018
2. Gebraucht
Diesen Bericht hat Merkel ganz sicher gebraucht. Da wird sich das Weiße Haus aber freuen. Das ohnehin komplizierte Verhältnis dürfte dadurch eher noch schwieriger werden. Merkel als Obama-Erbin- oder Bewahrerin seines [...]
Diesen Bericht hat Merkel ganz sicher gebraucht. Da wird sich das Weiße Haus aber freuen. Das ohnehin komplizierte Verhältnis dürfte dadurch eher noch schwieriger werden. Merkel als Obama-Erbin- oder Bewahrerin seines Vermächtnisses! Ich dachte ja immer, dass der Grund für ihre Kandidatur der vielfach an sie herangetragene Wunsch der Bevölkerung und ganz besonders der Würdenträger der CDU war. Und ein ganz kleines bisschen auch der Umstand, dass sie einfach sehr gerne Kanzlerin ist.
Skyscanner 18.12.2018
3. Die Sorge um Europa
das ich nicht lache, wer fährt gerade Deutschland gegen die Wand, wer hat die EU gespalten, wer war Mitschuld am Brexit, das war und ist Merkel selbst. Dazu kommt noch das die EU selbst sich destabilisiert, da wird mit aller [...]
das ich nicht lache, wer fährt gerade Deutschland gegen die Wand, wer hat die EU gespalten, wer war Mitschuld am Brexit, das war und ist Merkel selbst. Dazu kommt noch das die EU selbst sich destabilisiert, da wird mit aller Macht die Schlüsselindustrien mit irrsinnigen Gesetzen zur Auslagerung ins Ausland gedrängt. Die EU sägt sich gerade selbst den Ast ab, auf dem Sie sitzt bzw die EU Politiker vernichten Ihre Grundlagen wo Ihre Diäten her kommen. Glaube eher, das die Sorge war, das die EU sich eben nicht destabilisiert wird. Aber da ist auf Merkel verlass, da setzt Sie neue Maßstäbe und das in einer Rekordzeit.
m.klagge 18.12.2018
4. Wow!
Selbst Herr Obama wollte Frau Merkel im Amt halten. Das ist beinahe so als wäre es Gottes Wort, dass die heilige Angela in die Pflicht genommen hätte. Andererseits könnte ein gerüttet Maß Übertreibung und serviles [...]
Selbst Herr Obama wollte Frau Merkel im Amt halten. Das ist beinahe so als wäre es Gottes Wort, dass die heilige Angela in die Pflicht genommen hätte. Andererseits könnte ein gerüttet Maß Übertreibung und serviles Wunschdenken hinter dieser Meldung stecken. Ein Kasten mit dem Original Absatz aus dem viel umfassenderen Bericht im "New Yorker" wäre dazu sicher sehr informativ.
P-Schrauber 18.12.2018
5.
Das mit dem ich Erkläre in meinen Ersten Besuch mal eben dem amerikanischen Präsidenten Herrn Trump die (meinige) Politik das hätte AM lieber sein lassen sollen, gar keine gute Idee, wenn das wahr ist hat Sie die Kommunikation [...]
Das mit dem ich Erkläre in meinen Ersten Besuch mal eben dem amerikanischen Präsidenten Herrn Trump die (meinige) Politik das hätte AM lieber sein lassen sollen, gar keine gute Idee, wenn das wahr ist hat Sie die Kommunikation selbst vermasselt, zeigt sich auch in der danach folgenden monatelangen Funkstille. Wie kommt man dazu, wenn dem so ist, dann hat sie sich Instrumentalisieren lassen, wieder kein gutes Bild für Obama und auch nicht für AM. Ein neuer Präsident der USA ist immer ein Neuanfang in den Beziehungen egal welcher politischen Richtung er angehört, da hätte sich die Kanzlerin beim Erstbesuch zurücknehmen müssen, schönes Schlamassel was da angerichtet wurde.
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