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Politik

Terrorbekämpfung

Nigrische Armee tötet mehr als 200 Kämpfer von Boko Haram

Seit Jahren verübt Boko Haram vor allem in Nigeria Terroranschläge. Der Armee des benachbarten Niger ist nun offenbar durch mehrere Angriffe ein großer Schlag gegen die Miliz gelungen.

DPA/ EPA/ NIGERIAN ARMY

Nigrische Armee im Antiterroreinsatz (Archivbild)

Donnerstag, 03.01.2019   07:22 Uhr

Die nigrischen Streitkräfte gehen am Tschadsee verstärkt gegen Boko Haram vor. Innerhalb weniger Tage soll die Armee nun mit Einsätzen aus der Luft und am Boden Hunderte Kämpfer der Terrormiliz getötet haben. Das teilte das Verteidigungsministerium mit.

Demnach wurden allein bei Luftangriffen mehr als zweihundert "Terroristen" getötet. 87 weitere Boko-Haram-Kämpfer seien von Bodentruppen "neutralisiert" worden, hieß es im Staatsfernsehen. Der Einsatz habe am 28. Dezember begonnen und konzentriere sich auf die Seeküste bei Komadougou, die als natürliche Grenze zwischen dem Niger und Nigeria dient, und auf die Inseln im Tschadsee.

Die Streitkräfte hätten keinerlei Verluste erlitten, hieß es weiter. Dagegen habe Boko Haram auch militärisches Gerät verloren. Die nigrische Armee hatte im vergangenen Monat Befürchtungen geäußert, dass Boko Haram Anfang des Jahres in der Grenzregion Militärstützpunkte attackieren könnte. Die Regierung in Niamey verfolgt zudem die Lage in Nigeria mit Sorge, wo die Islamisten dem Militär zuletzt einige Niederlagen beibrachten.

Boko Haram: 27.000 Todesopfer in neun Jahren

Kämpfer von Boko Haram griffen mindestens drei Armeestellungen im Nordosten Nigerias an und nahmen die Stellungen nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP aus Militär- und Milizkreisen ein. Bei den Kämpfern, die am Dienstag eine Stellung im Bundesstaat Borno überrannten, handelte es sich demnach um Angehörige der Miliz Islamischer Staat Provinz Westafrika (Iswap), die der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) nahesteht. Iswap-Kämpfer hatten zuletzt ihre Aktivitäten in Borno und Yobe ausgeweitet und mehrere Kontrollposten und Stützpunkte attackiert.

Boko Haram kämpft seit Jahren gewaltsam für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Nordosten Nigerias. Trotz wiederholter Beteuerungen der Regierung, Boko Haram sei besiegt, verstärkte die Miliz in den vergangenen Monaten ihre Angriffe auf zivile und militärische Ziele wieder.

Durch die Angriffe von Boko Haram wurden in den vergangenen neun Jahren mehr als 27.000 Menschen getötet. 1,8 Millionen Menschen sind immer noch auf der Flucht.

aev/AFP

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