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Politik

Angst vor Qaida-Angriffen

US-Politiker rechtfertigen Terrorwarnungen

Amerika verstärkt seine Sicherheitsmaßnahmen, will viele Botschaften noch tagelang geschlossen halten - Hintergrund sind womöglich geplante Qaida-Attacken. Sollen die Terrorwarnungen auch von der NSA-Affäre ablenken? US-Politiker beteuern: Die Gefahr sei so hoch wie seit Jahren nicht mehr.

AFP
Sonntag, 04.08.2013   23:21 Uhr

Washington/Berlin - Die USA haben ihre aus Sorge vor Anschlägen verfügten Botschaftsschließungen verlängert und ausgeweitet. Einige der betroffenen Botschaften würden bis zum kommenden Samstag geschlossen bleiben, zudem sollten zusätzliche Vertretungen schließen, teilte das Außenministerium am Sonntag in Washington mit.

Die USA machten am Sonntag 22 Einrichtungen in 17 Staaten von Mauretanien in Nordwestafrika bis ins südasiatische Bangladesch dicht. Deutschland, Großbritannien und Frankreich schlossen ihre Botschaften im Jemen vorübergehend. Dort sahen Sicherheitskreise offensichtlich eine besonders bedrohliche Lage. Kanada entschied sich kurzfristig, seine Vertretung in Bangladesch am Sonntag nicht zu öffnen.

US-Nachrichtendienste hatten nach eigenen Angaben geheime Kommunikationen zwischen führenden Mitgliedern des Terrornetzwerkes al-Qaida abgefangen. Darin sei es um Terroranschläge auf amerikanische Einrichtungen gegangen.

"Schwerste Bedrohungslage seit Jahren"

Mehrere Kongressmitglieder sprachen am Sonntag in Fernseh-Talkshows von der schwersten Bedrohungslage seit Jahren. Saxby Chambliss, republikanischer Vizevorsitzender im Geheimdienstausschuss, sagte am Sonntag in der NBC-Sendung "Meet the Press", Gespräche abgehörter Qaida-Mitglieder weckten bei ihm Erinnerungen an die Planungen im Vorfeld der Anschläge vom 11. September 2001. "Das ist die schwerwiegendste Bedrohung seit Jahren", sagte Chambliss.

Dutch Ruppersberger, der führende Demokrat im Geheimdienstausschuss, sagte in einer ABC-Talkshow, die Anschlagspläne würden vom Qaida-Ableger auf der Arabischen Halbinsel ausgehen. Das Augenmerk galt zunehmend dem Jemen. Die dortige Regierung sei in höchster Alarmbereitschaft, zitierte CNN einen Regierungsbeamten. Demnach waren am Sonntag zwölf Panzer etwa 500 Meter von der US-Botschaft in Sanaa entfernt positioniert.

Einzelne US-Militäreinheiten im Nahen Osten wurden in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Verteidigungsminister Chuck Hagel habe mit seinen Experten erörtert, welche Einheiten im Falle eines Terrorangriffs auf US-Einrichtungen eingesetzt werden könnten, hieß es bei CNN. Die US-Marine habe Amphibienboote im Roten Meer näher an den Jemen heranbeordert.

Abgeordnete loben die Arbeit der NSA

Das Auffangen elektronischer Kommunikation ist eine der Hauptaufgaben des US-Geheimdienstes NSA, dessen massive Spähprogramme US-Whistleblower Edward Snowden enthüllt hatte. Der "New York Times" zufolge deuteten Analysten und Kongressmitarbeiter an, eine Terrorbedrohung zum jetzigen Zeitpunkt sei ein guter Weg, von der Kritik an den NSA-Programmen abzulenken.

Es könne darüber hinaus deutlich gemacht werden, dass die NSA-Aktivitäten ein mögliches Terrorkomplott aufgedeckt hätten. Der prominente republikanische Senator Lindsey Graham sagte am Sonntag dem Sender CNN, die jüngste Entwicklung zeige, wie wichtig es sei, die Spionageprogramme fortzusetzen.

Adam Schiff, Abgeordneter der Demokraten und Mitglied des Geheimdienstausschusses, sagte hingegen, es gebe keine Beweise, dass die jüngste Warnung mit Hilfe der enormen Datensammlung der NSA bekannt geworden seien.

Andere Abgeordnete wie Ruppersberger lobten die Arbeit der NSA. Ihre Aufgabe sei es, Informationen zu sammeln, "um uns zu beschützen".

Ursachen für Terrorgefahr unterschiedlich bewertet

Experten meinen, dass die erhöhte Terrorgefahr mit dem Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan Mitte nächster Woche zusammenhängen könne. Der britische Sicherheitsexperte Peter Bergen sagte der BBC, al-Qaida habe in der Vergangenheit Interesse daran gezeigt, am 27. Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan Anschläge zu verüben. Der 27. Tag war Sonntag, der 4. August.

Der Abgeordnete Schiff sagte hingegen, die Sicherheitsmaßnahmen beträfen deshalb so viele Botschaften, da die Behörden besorgt seien, dass sich die Ereignisse ein Jahr nach den Botschaftsstürmungen wiederholen könnten. Vor einem Jahr waren radikale Islamisten auf US-Botschaften in mehreren Staaten losgegangen. Bei einem Terrorangriff auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi wurden dann am 11. September 2012 US-Botschafter Christopher Stevens und drei Mitarbeiter getötet.

Das Auswärtige Amt in Berlin veränderte seine Sicherheitshinweise für deutsche Staatsbürger zunächst nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen für die Botschaften würden permanent der aktuellen Sicherheitslage angepasst, sagte ein Sprecher. Die deutsche Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa wird auch am Montag geschlossen bleiben, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

sun/dpa/AP

insgesamt 123 Beiträge
einForist 04.08.2013
1. check ich nicht
Wenn die Terrorgefahr im Vorfeld des 11 September damals schon als verstärkt eingestuft wurde, warum konnte dieser "Terrorakt" dann damals nicht verhindert werden? Mich erinnert das zunehmend an.die Debatte damals um [...]
Wenn die Terrorgefahr im Vorfeld des 11 September damals schon als verstärkt eingestuft wurde, warum konnte dieser "Terrorakt" dann damals nicht verhindert werden? Mich erinnert das zunehmend an.die Debatte damals um ECHELON, die nach der Zerstöhrung der Twin Towers auch redundant war. Es klingt zwar zynisch- aber mittlerweile warte ich schon auf einen Terrorakt desen Außmaßes-weil es das brauchen würde, um diese Debatte.wieder zu ersticken.
lronmcbong 04.08.2013
2. optional
eigentlich rechtfertigt doch nur ein senator den einsatz der schnüffelsoftware oder irre ich jetzt? vlt sollten die amerikaner noch eine weitere agency gründen...vlt sowas wie...home of the brave security, north america [...]
eigentlich rechtfertigt doch nur ein senator den einsatz der schnüffelsoftware oder irre ich jetzt? vlt sollten die amerikaner noch eine weitere agency gründen...vlt sowas wie...home of the brave security, north america security. wir uns jetzt wieder so lang erzählt, bis die panik komplett ist und wir glauben saddam hussein hat massenvernichtungswaffen. das hat damals auch funktioniert. solange panik schüren bis auch der dümmste alles unterschreibt, damit endlich was getan wird - egal was. und selbst wenn diese gefahr real ist - können wir hier eh nix tun. und der jemen gilt schon seit jahren als failed state - wenn da bombenanschläge oder mord und totschlag regieren ist dann wirklich jemand überrascht?
egyptwoman 04.08.2013
3. optional
Na das passt doch perfektes zeitliches Timing von Al Quaida. Seit Wochen gibts Kritiken am NSA Programm der USA und jetzt ist auf einmal die Bedrohungssituation so hoch wie noch nie. Dann kann ja die Abhöraktion ausgeweitet [...]
Na das passt doch perfektes zeitliches Timing von Al Quaida. Seit Wochen gibts Kritiken am NSA Programm der USA und jetzt ist auf einmal die Bedrohungssituation so hoch wie noch nie. Dann kann ja die Abhöraktion ausgeweitet werden und natürlich werden die Anschläge vereitelt werden, weil man ja dank der Abhörtechnik rechtzeitig Bescheid wusste. Hm ob ich meine Wohnung gleich mal mit Kameras ausstatte und die Live-Bilder von allen Räumen gleich an die NSA schicke damit die immer wissen was ich zu jeder Sekunde des Tages tue. Ach so nen Chip lass ich mir natürlich auch noch einpflanzen, man weiß ja nie, sicher ist sicher. Wer Ironie findet darf sie gern behalten.
chefmacher 04.08.2013
4. Verfolgungswahn...
Tja, bei diesem Unheil, das Amerika in der ganzen Welt anstiftet, müssen die mit Repressalien jedar Art rechnen. Allerdings vermute ich in dieser Meldung sehrwohl ein Fake, denn, welcher Idiot würde heute noch über die [...]
Tja, bei diesem Unheil, das Amerika in der ganzen Welt anstiftet, müssen die mit Repressalien jedar Art rechnen. Allerdings vermute ich in dieser Meldung sehrwohl ein Fake, denn, welcher Idiot würde heute noch über die gewöhnlichen Kommunikationswege einen Anschlag vorbereiten... Übertrieben gesagt wird in diesen Kreisen jetzt nur noch mit Buschtrommel, Rauchzeichen, und ähnlichen Dingen kommuniziert, die man so ohne weiteres nicht abhören kann :) Jetzt muss Big Brother wirklich schwitzen, vermute ich mal. Also eine Terrorwarnung kann nur ein Fake sein, weil man auf den üblichen Wegen so etwas ganz bestimmt nicht mehr kommuniziert...
Babaji 04.08.2013
5. Ja ne is klar
Was sehen die sonst so noch, in ihren NSA-Glaskugeln? Die gute alte Angst-Keule schwingen, wenn nix mehr hilft - netter Versuch. Klingt stark nach haltlosen (Ramadan/Jubiläum) Vermutungen und auch sehr vage - der Zeitpunkt ist [...]
Was sehen die sonst so noch, in ihren NSA-Glaskugeln? Die gute alte Angst-Keule schwingen, wenn nix mehr hilft - netter Versuch. Klingt stark nach haltlosen (Ramadan/Jubiläum) Vermutungen und auch sehr vage - der Zeitpunkt ist verdächtig und die Alarmbereitschaft und Maßnahmen ungewöhnlich künstlich - daher nicht ganz Koscher - das ganze klingt für mich somit eher nach Geheimdienst-PR. Und wenn die üblichen Bomben hochgehen, wird man "denen" das auch noch abnehmen...

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