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Politik

Britisches EU-Referendum

Hier haben die Brexiteers gepunktet

Die älteren Briten haben den Brexit entschieden - sie überstimmten die jungen EU-Befürworter. Die Hochburgen der Brexiteers liegen vor allem im Osten Englands. Alle Hintergründe in der Wahlanalyse.

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Freitag, 24.06.2016   17:02 Uhr

Großbritannien will raus. Die Briten haben - mit 51,9 Prozent - mehrheitlich für den Brexit gestimmt. Für den Rechtspopulisten Nigel Farage von der EU-kritischen Unabhängigkeitspartei Ukip sind "die echten Leute, die normalen Leute, die anständigen Leute" die Gewinner dieses Referendums.

Wer sind also die EU-Gegner im Vereinigten Königreich, die nun wollen, dass sich ihr Land von der EU trennt? Vier Erkenntnisse:

1. Die Hochburgen der Brexiteers

Die Brexit-Anhänger leben in den Midlands und vor allem im Osten Englands - und das vor allem in ländlichen Regionen, wo überwiegend ältere Leute mit geringerem Bildungsniveau, Arbeiter und Angehörige der untere Mittelklasse wohnen. Seit der EU-Osterweiterung arbeiten dort Einwanderer aus den östlichen EU-Ländern wie Polen oder der Slowakei. Das Pro-Brexit-Lager hatte im Wahlkampf immer wieder auf das Thema Immigration gesetzt.

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Sehen Sie hier die einzelnen Werte der Top-5-Hochburgen der Leaver und Remainer, die vor allem in Gibraltar und in den Wahlbezirken Londons hohe Ergebnisse erzielen:

2. Die Älteren wählen Brexit

Den Brexit wollen vor allem die Älteren. Die Jüngeren müssen nun mit den langfristigen Folgen der Entscheidung leben. Umfragen vor dem Referendum hatten bereits gezeigt, dass die Mehrheit der über 65-Jährigen für einen EU-Austritt plädiert.

Hätten nur die unter 50-Jährigen abgestimmt, wäre das Königreich demnach in der EU geblieben:

Bei den 18- bis 24-Jährigen gaben laut der Erhebung zehn Prozent an, nicht gewählt zu haben - bei den über 65-Jährigen waren es hingegen nur zwei Prozent. Sie gingen damit geschlossener zur Wahl - was bei dieser knappen Abstimmung auch einer der entscheidenden Faktoren gewesen sein kann.

Vergleicht man die Ergebnisse der Brexianer-Hochburgen mit der Anzahl der über 65-Jährigen in der Bevölkerung, fällt auf, dass in vier der Hochburgen deren Anteil bei über 20 Prozent liegt. Zudem ist der Prozentsatz der Älteren damit höher als in den Remain-Hochburgen. Dort wiederum liegt der Anteil der in Großbritannien Geborenen vergleichsweise um einiges höher:

3. Ein Drittel der Labour-Anhänger für den Brexit

Interessant ist bei der YouGov-Befragung auch die Verteilung nach der Parteienzugehörigkeit. Fast ein Drittel, 30 Prozent, der Labour-Wähler entschieden sich für den Brexit - hier war ein geringerer Wert erwartet worden. Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte sich im Wahlkampf optimistisch gezeigt, seine Anhänger von einem Remain überzeugen und sie in dieser Frage hinter sich versammeln zu können. Doch das ist ihm nicht gelungen.

Bei den Konservativen stimmten der Befragung zufolge 57 Prozent für den Brexit, bei Ukip - wenig überraschend - 92 Prozent.

4. Wahlbeteiligung London vergleichsweise gering

72,2 Prozent der registrierten Wähler haben sich an dem Brexit-Referendum beteiligt - damit fällt die Quote im Vergleich zu den letzten Parlamentswahlen seit 1992 hoch aus (2015: 66,1 Prozent; 2010: 65,1 Prozent).

Die Wahlbeteiligung erreicht vor allem in den Regionen Großbritanniens höhere Werte, in denen sich die Bürger mehrheitlich für Leave entschieden haben. Das lässt den Schluss zu, dass die EU-Gegner ihre Anhänger besser mobilisieren konnten. In London, wo viele Befürworter leben, sind im Vergleich weniger Wählern an die Urnen gegangen.

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Klicken Sie in die interaktive Wahlkarte, um die Ergebnisse des Brexit-Referendums mit weiteren Faktoren wie Arbeitslosigkeit und Altersgruppen zu vergleichen:

Brexit-Referendum

Verbleib in der EU
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