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Politik

Nach Putschgerücht

Britischer Finanzminister Hammond hält zu May

In London revoltiert offenbar das Kabinett gegen Theresa May, die um ihren Brexit-Deal kämpft. Finanzminister Hammond hält halbherzig zur Regierungschefin, ein möglicher Putschist lobt sie überschwänglich.

Andrew Yates/ REUTERS

Premierministerin Theresa May, Finanzminister Philip Hammond

Sonntag, 24.03.2019   13:02 Uhr

Der britische Finanzminister Philip Hammond hat sich für den Verbleib von Theresa May als Regierungschefin ausgesprochen - ohne sich dabei grundsätzlich hinter sie zu stellen. "Hier geht es nicht um die Premierministerin, hier geht es um unser Land", sagte er dem Sender Sky. Ein Austausch der Premierministerin würde nicht helfen, sondern sei derzeit reine Selbstbeschäftigung.

Wenige Tage vor dem eigentlich geplanten Brexit-Termin - dem 29. März - spekulieren britische Medien darüber, dass das Kabinett Mays Rücktritt erzwingen will. Auch erste Namen für eine Ablöse werden genannt. May steht vor einer dritten Abstimmungsniederlage im Parlament, das erneut über das von ihr ausgehandelte Austrittsabkommen entscheiden soll. May selbst hatte am einem Freitag in einem Brief allerdings angezweifelt, dass es überhaupt zu einem erneuten Votum komme.

Möglicher Nachfolger: "May macht einen fantastischen Job"

Zwei Mal, Mitte Januar und Mitte März, war May mit ihrem Austrittsabkommen bereits gescheitert. Die EU stimmte einer Verschiebung des EU-Austritts zwar zu, doch in London scheint die Geduld mit der Premierministerin weitgehend am Ende zu sein (Lesen Sie hier, was der neue Brexit-Fahrplan bedeutet).

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Massendemo in London: Sie wollen bleiben!

Hammond rechnet nicht mit einem Putsch gegen May. "Nein, ich glaube gar nicht, dass dem so ist", antwortete er dem Sender Sky am Sonntag auf die Frage nach Berichten über einen möglicherweise bevorstehenden Aufstand hochrangiger Minister und danach, ob May vor dem Aus stehe. "Ich bin realistisch insofern, dass wir möglicherweise keine Mehrheit für den [Brexit-]Deal der Premierministerin hinbekommen werden. Wenn dies geschieht, wird das Parlament sich entscheiden müssen, wofür es ist - nicht nur, was es ablehnt."

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Brexit Fahrplan 22.3. Grafik

Elf Minister ihres Kabinetts wollten der Premierministerin den Rücken kehren, hatte die "Sunday Times" berichtet. May solle durch einen Übergangspremier ersetzt werden, der den EU-Austritt vollziehen solle. Im Gespräch seien unter anderem ihr faktischer Vize, David Lidington, Umweltminister Michael Gove und Außenminister Jeremy Hunt.

Lidington sagte, er hege nicht den Wunsch, das Amt von May zu übernehmen. "Sie macht einen fantastischen Job." Auch Gove sprach sich am Sonntag gegen einen Wechsel im Amt des Premierministers aus. Mays Büro wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Foto: REUTERS/Henry Nicholls

Sollte das Parlament im dritten Anlauf dem Abkommen zustimmen, tritt Großbritannien am 22. Mai in geordneter Weise aus der EU aus. Gibt es aber ein drittes Nein, muss London bis zum 12. April erklären, wie es weitergehen soll - und die anderen EU-Länder müssten dem Plan zustimmen. Denkbar wäre eine Verschiebung um mehrere Monate, verknüpft zum Beispiel mit einer Neuwahl in Großbritannien. In London demonstrierten am Samstag mehr als eine Million Menschen gegen den Brexit.

nis/mst/Reuters/dpa

insgesamt 10 Beiträge
ddcoe 24.03.2019
1. Ich denke
ein Putsch sollte gar nicht nötig sein - May soll ihr komplettes Scheitern selbst erkennen und zurücktreten. Sie ist durch ihr bisheriges Scheitern derart geschwächt, dass sie keine Optionen mehr hat, das Chaos in einen [...]
ein Putsch sollte gar nicht nötig sein - May soll ihr komplettes Scheitern selbst erkennen und zurücktreten. Sie ist durch ihr bisheriges Scheitern derart geschwächt, dass sie keine Optionen mehr hat, das Chaos in einen brauchbaren Kompromiss umzuwandeln. Sie hatte ihre Chance und ist jetzt am Ende ihrer Möglichkeiten.
Heinz.null.eins 24.03.2019
2. Vollkommen egal, wer in GB Premier ist.
Die Abgeordneten haben sich so in ihre gegensätzlichen Meinungen verbissen, dass es egal unter welchem Premier* keine Einigung geben wird. Hintergrund dieses Verhaltens ist der unbewusste Glaube, dass die Briten eine Option [...]
Die Abgeordneten haben sich so in ihre gegensätzlichen Meinungen verbissen, dass es egal unter welchem Premier* keine Einigung geben wird. Hintergrund dieses Verhaltens ist der unbewusste Glaube, dass die Briten eine Option hätten, basierend auf der ebenso unbewussten Selbstüberschätzung als ehemaliges Weltreich. So lange diese Überzeugungen im Hintergrund weiterexistieren, werden sie weiter rumeiern. Und allen anderen weiter auf die Nerven gehen. Trotzdem bin ich sicher: Sie werden es lernen.
neanderspezi 24.03.2019
3. Das Parlament braucht dringend Entscheidungshilfe von der Bevölkerung
Es ist eine Frage der Erkenntnisbereitschaft, ob in der hoffnungslosen Verwirrtheit um den Brexit im parlamentarischen Irrgarten Großbritanniens die Premierministerin noch eine sinnvolle Funktion neben ihren Tanz- und [...]
Es ist eine Frage der Erkenntnisbereitschaft, ob in der hoffnungslosen Verwirrtheit um den Brexit im parlamentarischen Irrgarten Großbritanniens die Premierministerin noch eine sinnvolle Funktion neben ihren Tanz- und Spruchkapriolen ausüben kann, oder ob es nicht längst angezeigt wäre, der Bevölkerung die Entscheidung über Pro und Contra zur EU-Mitgliedschaft in einer neuen Befragungsrunde zu überantworten, um den kapriziösen Schaustellern im Unterhaus mit ihrer unkontrollierbaren ins schizophrene gehenden Daueraufführung ohne Sinn und Zweck ein Ende zu setzen, bevor ihre Vorstellung auf die leidenden Bürger noch ansteckende Wirkung zeigt.
conrath 24.03.2019
4. Shakespeare:
"The one who wields the knife, seldom wins the crown." Das weiß auch Hammond, der gute Aussicht und heimliche Unterstützer hat. Daher hält er sich zurück. Nur die ERG unter dr Führung des aus 1860 per Zeitreise in [...]
"The one who wields the knife, seldom wins the crown." Das weiß auch Hammond, der gute Aussicht und heimliche Unterstützer hat. Daher hält er sich zurück. Nur die ERG unter dr Führung des aus 1860 per Zeitreise in die Gegenwart geratenen Mr. Rees-Mogg wird darüber befinden. Sie hat Mr. Fox (sic) als Berater am Ohr der PM sitzen. Auf den sie ganz offensichtlich hört. Es läuft gerade richtig für die Vertreter einer losgelassenen Finanzelite unter Rees M. Führung. Das Chaos, das PM May für sie und durch sie geleitet anrührt, ist es, dass ihre Pläne Wirklichkeit werden lässt. Nach Rücktritt und dem danach einsetzenden Tumult wird es offenbar werden. Boris jnd Rees-M. haben es bereits mehrfach gesagt: 'I would be happy with a hard cut.' Ich hoffe, wir werden nie in eine solche Lage kommen. Ausgeschlossen ist es nicht. Die Demokratie und die offene Gesellschaft bietet auch den Boden zum Gedeihen seiner erklärten Feinde und ihren Machenschaften. Am Beispiel des Brexit gut zu erkennen, wie auch in den USA unter der Trkmp Admin...und in Ungarn... und... Halten wir das noch aus oder auf oder laufen wir wie gerade das VK wie Lemminge über eine Klippe?
mwroer 24.03.2019
5.
Ich frage mich eigentlich nur wie viel Wunschdenken der Medien hinter diesem 'Putsch' steckt und ob hier nicht eine 'selbsterfüllende Prophezeiung' gestrickt wird. Beim Thema Brexit traue ich mittlerweile jedem der Beteiligten [...]
Ich frage mich eigentlich nur wie viel Wunschdenken der Medien hinter diesem 'Putsch' steckt und ob hier nicht eine 'selbsterfüllende Prophezeiung' gestrickt wird. Beim Thema Brexit traue ich mittlerweile jedem der Beteiligten einfach jede Dämlichkeit zu. Vom HoC über Tusk und Juncker bis hin zu den Medien. Glaubwürdig ist da keiner - was m.E. das Hauptproblem des Brexits ist.

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