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Politik

Notverbindung über Ärmelkanal

London vergibt Brexit-Auftrag an Reederei ohne Schiffe

Neue Panne im Brexit-Chaos: Die britische Regierung sucht Schiffe, die nach dem EU-Austritt die Verbindung über den Ärmelkanal aufrechterhalten - doch die jüngste Auftragsvergabe sorgt für Spott.

AFP

Hafen von Dover

Montag, 31.12.2018   18:41 Uhr

Die britische Regierung steuert bei ihren Plänen für Notverbindungen über den Ärmelkanal auf neues Chaos zu. Am Montag wurde bekannt: Eine der Reedereien, die vom Verkehrsministerium mit der Sicherstellung des Fährverkehrs nach dem EU-Austritt beauftragt worden war, hatte noch nie ein Schiff im Einsatz.

Die Opposition spricht von einem "neuen Debakel". Das Ministerium hingegen verteidigt die Auftragsvergabe.

Die Regierung hatte für umgerechnet rund 120 Millionen Euro Fähren gebucht, um im Fall eines ungeordneten Brexits das Chaos am Hafen von Dover zu begrenzen. Mit den zusätzlichen Fährverbindungen im Ärmelkanal sollten Lieferengpässe für "wichtige Waren" vermieden werden, hieß es am Wochenende aus Regierungskreisen. Die Aufträge gingen an drei Reedereien aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien.

Wie die BBC am Montag berichtete, erhielt die britische Reederei Seaborne Freight einen Auftrag über umgerechnet mehr als 15 Millionen Euro - obwohl sie noch nie Frachtschiffe betrieben hat.

Zudem sei die Hafenanlage im südostenglischen Ramsgate, von wo aus die Reederei Fährverbindungen nach Belgien betreiben will, zu eng für die meisten modernen Handelsschiffe. Der Hafen sei seit 2013 nicht mehr kommerziell betrieben worden.

"Nichts bringt den Brexit besser auf den Punkt als dieses neue Debakel", kritisierte der Labour-Abgeordnete Neil Coyle. Der Kommunalpolitiker Paul Messenger fragte: "Warum wählen wir ein Unternehmen aus, das in seiner ganzen Geschichte noch nie einen einzigen Lkw transportiert hat?"

Das Verkehrsministerium verteidigte die Entscheidung. Es sei bekannt gewesen, dass Seaborne ein "neuer Anbieter" sei. Das Unternehmen werde die vereinbarten Leistungen erbringen. Seaborne kündigte an, den Hafen Ramsgate bis zum EU-Austritt Ende März betriebsbereit zu machen.

Die Aufträge des Verkehrsministeriums an die drei Reedereien sollen es ermöglichen, knapp 4000 Lkw pro Woche vom Festland aus zu britischen Häfen zu bringen. Damit soll vor allem der stark frequentierte Hafen Dover entlastet werden.

Die britischen Behörden befürchten bei der Wiedereinführung von Grenzkontrollen infolge des Brexits eine Überlastung von Dover und Riesenstaus von Lastwagen in Hafennähe.

wal/AFP

insgesamt 63 Beiträge
fottesfott 31.12.2018
1. Michael Palin...
ist ja unlängst - völlig zu recht - zum Ritter der Kokosnuss geschlagen worden. Dies sei dem verantwortlichen Beamten auch gegönnt...
ist ja unlängst - völlig zu recht - zum Ritter der Kokosnuss geschlagen worden. Dies sei dem verantwortlichen Beamten auch gegönnt...
isi-dor 31.12.2018
2. Werdet vernünftig!
Leute, sagt diesen Irrwitz ab. Der Brexit ist gescheitert.
Leute, sagt diesen Irrwitz ab. Der Brexit ist gescheitert.
ex-optimist 31.12.2018
3. Politikerlogik oder Unvermögen?
Was für den Fall gebraucht wird, sind große Stauräume an Land vor den Grenzkontrollen und nicht mehr Fähren. Oder sollen die Lkw auf den Fähren auf die Abfertigung warten?
Was für den Fall gebraucht wird, sind große Stauräume an Land vor den Grenzkontrollen und nicht mehr Fähren. Oder sollen die Lkw auf den Fähren auf die Abfertigung warten?
Stäffelesrutscher 31.12.2018
4. Noch nie Dagewesenes
»Warum wählen wir ein Unternehmen aus, das in seiner ganzen Geschichte noch nie einen einzigen Lkw transportiert hat?« Weil Großbritannien in seiner ganzen Geschichte noch nie aus der EU ausgetreten ist. Insofern passt das [...]
»Warum wählen wir ein Unternehmen aus, das in seiner ganzen Geschichte noch nie einen einzigen Lkw transportiert hat?« Weil Großbritannien in seiner ganzen Geschichte noch nie aus der EU ausgetreten ist. Insofern passt das wie die Faust aufs Auge.
yasieda 31.12.2018
5. Dummenfang...
Schon jetzt werden Waren zur Insel transportiert, die dort benötigt werden, Transportkapazität ist also vorhanden. Geschulte Mitarbeiter und Orte für Abfertigungskapazitäten sind ehr das größere Problem. Doch Orte zur [...]
Schon jetzt werden Waren zur Insel transportiert, die dort benötigt werden, Transportkapazität ist also vorhanden. Geschulte Mitarbeiter und Orte für Abfertigungskapazitäten sind ehr das größere Problem. Doch Orte zur Abfertigung können auch im Binnenland liegen (Es muss nicht unbedingt im Hafen abgefertigt werden). Der Brexit ist in der Ausgestaltung wohl auch nur ein Vehikel um noch mehr Steuergelder zu verschieben.
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