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Politik

Brexit-Debatte im Unterhaus

May wirbt um Corbyn

Auf einmal findet Theresa May freundliche Worte für Oppositionsführer Jeremy Corbyn: Bei mehreren Aspekten des Brexits stimme sie mit dem Labour-Chef überein. Es gehe nun darum, eine Mehrheit im Parlament zu finden.

AP

Premierministerin Theresa May über Jeremy Corbyn: "Wir beide wollen einen Austritt mit Abkommen sicherstellen"

Mittwoch, 03.04.2019   14:39 Uhr

Die britische Premierministerin Theresa May wirbt um Oppositionsführer Jeremy Corbyn. In Sachen Brexit gebe es eine Reihe von Übereinstimmungen mit dem Labour-Chef, sagte May bei einer Fragestunde im Unterhaus in London. Sie bestätigte, dass die Beratungen mit Corbyn über einen Ausweg aus der Sackgasse noch am Mittwoch beginnen sollen. "Wir wollen beide einen Austritt mit Abkommen sicherstellen, wir wollen beide Arbeitsplätze schützen, wir wollen beide die Personenfreizügigkeit beenden, wir erkennen beide die Bedeutung des Austrittsabkommens an", sagte May.

Es gehe nun darum, einen Weg zur Unterstützung des Parlaments zu finden. Corbyn zeigte sich offen für Verhandlungen.

May hatte am Dienstagabend angekündigt, eine weitere Verschiebung des EU-Austritts zu beantragen und mit Corbyn nach einem parteiübergreifenden Kompromiss zu suchen. Sie riskiert damit die Einheit in ihrer Partei. Aus Protest gegen Mays neue Brexit-Strategie trat inzwischen der Staatssekretär für Wales, Nigel Adams, zurück. May riskiere, nicht mehr den EU-Austritt umzusetzen, für den die Briten gestimmt hätten, so Adams.

Der Brexit ist nach derzeitiger Planung für den 12. April vorgesehen. Bisher gibt es in Großbritannien aber noch keine Zustimmung zum Austrittsvertrag, sodass ein chaotischer Bruch mit der EU droht. Bei einem EU-Sondergipfel am 10. April will May nun einen mit der Opposition abgestimmten Plan vorlegen.

Für diesen Mittwoch plante May auch ein Treffen mit der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon. Schottland hatte sich beim Referendum 2016 mehrheitlich gegen den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union ausgesprochen.

cte/dpa

insgesamt 8 Beiträge
dr.joe.66 03.04.2019
1. Es geht nicht um Wirtschaft oder polnische Klempner, es geht um Europa
Wir wollen beide einen Austritt mit Abkommen sicherstellen, wir wollen beide Arbeitsplätze schützen, wir wollen beide die Personenfreizügigkeit beenden, wir erkennen beide die Bedeutung des Austrittsabkommens an, sagte May. [...]
Wir wollen beide einen Austritt mit Abkommen sicherstellen, wir wollen beide Arbeitsplätze schützen, wir wollen beide die Personenfreizügigkeit beenden, wir erkennen beide die Bedeutung des Austrittsabkommens an, sagte May. Und außerdem dachte May; wir wollen beide England First, ganz in der neuen Tradition der großen Anführer dieser Welt. Wir wollen das Optimum für England aus der EU rausholen und uns interessiert es einen Kehricht was die EU und die Menschen in Europa davon halten, schließlich sind wir beide englische Patrioten. Wir werden beide zocken und die EU nach Strich und Faden über den Tisch ziehen wo nur immer möglich. Wir wollen die großen Dealmaker sein wie Trump, und uns dabei genau wie er nicht von so Kleinigkeiten wie persönlichen Unzulänglichkeiten auf Gebieten des Intellekts, der Ehrlichkeit, der Empathie, des sozialen Umgangs oder der Fairness aufhalten lassen. Make the Empire great again! . Entweder das, oder sie ist die naivste Politikerin seit Marie Antoinette. . In beiden Fällen niemand, mit dem eine sinnvolle Verhandlung möglich ist. . Und, werter Herr Altmeier, wenn man dann einknickt nur wegen wirtschaftlicher Folgen, sprich nur wegen Geld, dann verrät man den politischen Zweck der EU. Nämlich aus verfeindeten Völkern in Europa Nachbarn zu machen, die in einer fairen Partnerschaft zusammenarbeiten, und aus denen nach Jahrzehnten Freunde werden. Wenn ich an meine französischen Freunde denke und überlege, dass unsere Väter, Großväter und Urgroßväter aufeinander geschossen haben, dann ist mir diese Freundschaft locker 5% unseres BIP wert. Locker. . Begreift hier niemand worum es eigentlich geht? Wirklich niemand? Die Engländer verlassen den größten und erfolgreichsten Friedensprozess in der Geschichte der Menschheit, weil sie sich in ihrem Empire-Größenwahn zu gut für osteuropäische Klempner fühlen! Dass den Engländern Frieden und Einheit vollkommen wurscht ist, sieht man doch daran, dass sie billigend in Kauf nehmen, dass es in Irland wieder Bürgerkrieg geben wird, und dass die Schotten noch mehr von England weg wollen. Was für ein Irrsinn! Aber darüber wird überhaupt nicht mehr geredet, es geht nur noch um Wirtschaftswachstum, Aktienkurse und Handelsbilanzen. . Irgendwann in der Zukunft werden die Historiker ein ziemlich schlechtes Urteil über die Brexiteers fällen. Und sollte die EU jetzt einknicken und anschließend die EU implodieren, dann wird das Urteil darüber noch viel vernichtender ausfallen.
Europa! 03.04.2019
2. Lernprozesse
Ich stimme Ihnen vollkommen zu, auch wenn mir die antibritischen Töne nicht ganz gefallen. Europa ist weit mehr als eine Zollunion, und für die Menschen in Europa sind der Frieden und die Freizügigkeit zehnmal, nein, [...]
Ich stimme Ihnen vollkommen zu, auch wenn mir die antibritischen Töne nicht ganz gefallen. Europa ist weit mehr als eine Zollunion, und für die Menschen in Europa sind der Frieden und die Freizügigkeit zehnmal, nein, hunderttausendmal wichtiger als die Handelsbilanzen oder die Staatsverschuldung. Gerade deshalb muss man sich - und das lehrt der Brexit - sehr genau fragen, wer Europäer ist und wer im Innersten ein anderes Selbstverständnis hat. Die umstandslose und unkritische Erweiterung der EU ist mit dem Brexit an ihre Grenzen gestoßen. Die sogenannte "Osterweiterung" war ein großer Gewinn und ein wesentlicher Beitrag zum Friedensprojekt, aber die Türkei wird nie zu Europa gehören. Sie hat ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Selbstverständnis. Dasselbe gilt vermutlich auch für die Ukraine. Jetzt ist die Zeit gekommen, Europa innerlich zu festigen; denn es ist für alle beteiligten Staaten die einzige Chance, in Frieden zu überleben.
skeptikerjörg 03.04.2019
3. Ich hoffe
Ich hoffen, dass einer der 27 Staats- und Regierungschefs das Rückgrat hat, zu einer weiteren Verlängerung NEIN zu sagen. Ansonsten befürchte ich, dass dem einen oder anderen - auch uns in Deutschland - die Europawahlen um die [...]
Ich hoffen, dass einer der 27 Staats- und Regierungschefs das Rückgrat hat, zu einer weiteren Verlängerung NEIN zu sagen. Ansonsten befürchte ich, dass dem einen oder anderen - auch uns in Deutschland - die Europawahlen um die Ohren fliegen werden und die Populisten und EU-Gegner die Ernte einfahren können. Will denn in Brüssel und auch im Bundesministerium für Wirtschaft, im Kanzleramt niemand wahr haben, wie sehr die Bürger vom Brexit-Theater genervt sind? Ich befürchte auch, dass die EU mittelfristig sehr beschädigt wird, wenn sie weiterhin auf die Erpressungsversuche von Theresa May eingeht. Und um keine weitere "EU-Schelte" in die Welt zu setzen, EU heißt in diesem Fall das Treffen der Staats- und Regierungschef der EU-Staaten/Der Europäische Rat, was ja wohl für den 10. April geplant ist.
st.cloud 03.04.2019
4. Peinlich
Es ist einfach nur noch peinlich.Nicht was die Briten abziehen, sondern was die EU mit sich machen lässt. Die Briten wollten und wollen raus, aber nur mit dem goldenen Handshake. Keine Verpflichtungen, nichts. Die EU [...]
Es ist einfach nur noch peinlich.Nicht was die Briten abziehen, sondern was die EU mit sich machen lässt. Die Briten wollten und wollen raus, aber nur mit dem goldenen Handshake. Keine Verpflichtungen, nichts. Die EU zerlegt sich selbst, wenn sie immer nur nachgibt. Macht dem Spuk ein schnelles Ende. Die EU wird einen Schluckauf haben. GB eine Lungenentzündung.
finchen0598 03.04.2019
5. @dr.joe.66
Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein. Die EU ist das größte Friedensprojekt unserer Zeit und darüber hinaus weit mehr als nur ein wirtschaftlicher Zusammenschluss einiger Staaten. Aber das ist durch Populismus in vielen [...]
Ich stimme mit Ihnen vollkommen überein. Die EU ist das größte Friedensprojekt unserer Zeit und darüber hinaus weit mehr als nur ein wirtschaftlicher Zusammenschluss einiger Staaten. Aber das ist durch Populismus in vielen Ländern bedroht. Eine der schlimmsten Auswirkungen des Populismus ist der Brexit. Leider habe ich aber auch im Gespräch mit vielen Briten erkennen müssen, dass für viele Bürger auf der Insel Europa immer die anderen sind, die EU nur ein Wirtschaftsclub und man sich sicher ist wieder so etwas zu werden wie ein Empire....wenn man nur die Billigarbeiter aus Polen los wird....und die Pakis und Inder gleich mit. Ich war immer gerne in UK und mag Land und Leute und ihren Humor. Aber ihre geberelle Einstellung zu Europa ist traurig. Zuerst war ich über den Brexit entsetzt, doch durch das ganze Theater und ihre offensichtliche Unfähigkeit den Ausstieg zu gestalten, würde es mich nicht wundern, wenn die 27 geneigt wären die wirtschaftlichen Einbussen hinzunehmen und einen harten Brexit seitens der EU durchzusetzen....

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