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Politik

EU-feindliche Partei

Ukip verliert einzigen Parlamentarier

"Job done": Weil er mit dem Brexit alle Ziele erfüllt sieht, verlässt der britische Politiker Douglas Carswell die populistische Ukip. Damit beschert er der Partei allerdings ein Problem.

AFP

Douglas Carswell

Samstag, 25.03.2017   15:55 Uhr

Die EU-feindliche Ukip-Partei hat ihren einzigen Abgeordneten im britischen Parlament verloren. Douglas Carswell kündigte am Samstag an, er werde die Partei verlassen. "Ukip, meine Partei, die 1993 gegründet wurde, um Großbritannien aus der EU zu führen, hat nun ihr Ziel erreicht", begründete Carswell den Schritt auf seiner Internet-Seite.

Bei einem Volksentscheid im vergangenen Juni hatten 52 Prozent der britischen Wähler für den Brexit gestimmt. Am kommenden Mittwoch will die britische Premierministerin Theresa May den geplanten EU-Austritt Großbritanniens offiziell verkünden.

Carswell stürzt seine Partei mit dem Austritt allerdings noch weiter in die Krise. Seit dem Brexit-Votum kommt Ukip nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Tiefpunkt war eine Rangelei unter den Mitgliedern der Ukip-Fraktion im EU-Parlament in Straßburg im vergangenen Herbst.

Und bei einer Nachwahl in der Brexit-Hochburg Stoke-on-Trent schnitt Ukip zuletzt enttäuschend schwach ab. Die Pleite war umso bitterer, weil sich Ukip-Chef Paul Nuttall persönlich um den Parlamentssitz beworben hatte.

Einstiger Überläufer will nun parteilos im Parlament sitzen

Carswell war der Partei erst 2014 als Überläufer von den Konservativen beigetreten. Es gelang ihm aber kurz darauf, seinen Wahlkreis im ostenglischen Clacton als Ukip-Kandidat bei einer Nachwahl zu verteidigen - damit zog er als erster gewählter Abgeordneter für Ukip ins Unterhaus ein. Seinen Sitz im Parlament will er nun als parteiloser Abgeordneter behalten, kündigte Carswell an.

"Wir haben das erreicht, wozu wir ins Leben gerufen wurden", schrieb er auf seiner Homepage. "Damit haben wir den Lauf der Geschichte unseres Landes zum Besseren gewendet." Der Eintrag ist mit "Job done" ("Job erledigt") überschrieben.

Carswell galt als erbitterter Gegner von Nigel Farage. Dieser hatte Carswell im Februar aufgefordert, die Ukip wegen "Parteischädigung" zu verlassen.

Zumindest mit seiner Austrittsbegründung zeigte sich Carswell aber offenbar von Farage inspiriert: Auch der ehemalige Ukip-Parteichef verwies bei seinem Rücktritt vom Posten des Vorsitzenden darauf, sein Ziel mit dem Brexit erreicht zu haben.

cst/AFP/dpa

insgesamt 6 Beiträge
bigroyaleddi 25.03.2017
1. Zunächst scheint das ja wie eine ehrenhafte Entscheidung.
Dem weiteren Artikel entnehme ich, dass er aber einen Sitz im Unterhaus über die Ukipliste bekommen hat. Und jetzt ist er halt frank und frei. Ein Geschmäckle bleibt.
Dem weiteren Artikel entnehme ich, dass er aber einen Sitz im Unterhaus über die Ukipliste bekommen hat. Und jetzt ist er halt frank und frei. Ein Geschmäckle bleibt.
EKB 25.03.2017
2.
Da steht nur, daß er als Kandidat für UKIP zur Wahl angetreten ist. Parteilisten wie hierzulande gibt es in Großbritannien nicht. Britische Parlamentarier werden ausschließlich als direkte Abgeordnete eines Wahlkreises [...]
Zitat von bigroyaleddiDem weiteren Artikel entnehme ich, dass er aber einen Sitz im Unterhaus über die Ukipliste bekommen hat. Und jetzt ist er halt frank und frei. Ein Geschmäckle bleibt.
Da steht nur, daß er als Kandidat für UKIP zur Wahl angetreten ist. Parteilisten wie hierzulande gibt es in Großbritannien nicht. Britische Parlamentarier werden ausschließlich als direkte Abgeordnete eines Wahlkreises gewählt.
lanzelot72 25.03.2017
3. Es gibt keine Listen im UK
Aber so richtig gewählt werden die auch nicht. Eigentlich ist es eher so, daß derjenige Abgeordneter wird, den die wenigsten​ Wähler ablehnen ...
Aber so richtig gewählt werden die auch nicht. Eigentlich ist es eher so, daß derjenige Abgeordneter wird, den die wenigsten​ Wähler ablehnen ...
Stäffelesrutscher 25.03.2017
4.
Die Erklärung dieses Herren ist sehr bemerkenswert. Stolz darauf, ein Zerstörer zu sein; stolz darauf, gelogen zu haben - aber warum er aus UKIP rausgeht, wird überhaupt nicht klar.
Die Erklärung dieses Herren ist sehr bemerkenswert. Stolz darauf, ein Zerstörer zu sein; stolz darauf, gelogen zu haben - aber warum er aus UKIP rausgeht, wird überhaupt nicht klar.
fattyacid 25.03.2017
5. Wahlrecht in Großbritannien
In das britische Unterhaus wird gewählt, wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt. Das ist nicht anders als bei den Direktmandaten bei der Wahl des Bundestags. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass es keine Listen [...]
In das britische Unterhaus wird gewählt, wer in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt. Das ist nicht anders als bei den Direktmandaten bei der Wahl des Bundestags. Der Unterschied zu Deutschland ist, dass es keine Listen und keine Zweitstimmen gibt.
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