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Politik

Mutter des Opfers von Charlottesville

"Sie wollten mein Kind zum Schweigen bringen"

Die 32-jährige Heather Heyer starb bei dem Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville. Ihre Mutter forderte nun bei einer Trauerfeier dazu auf, sich "über das Geschehene zu empören".

Foto: REUTERS
Donnerstag, 17.08.2017   11:36 Uhr

In Charlottesville haben Hunderte Menschen bei einer Gedenkfeier Heather Heyer geehrt, die bei Protesten gegen einen Aufmarsch von Rechtsradikalen offenbar absichtlich überfahren wurde. Auch Heyers Mutter sprach zu den Trauernden. Ihre Tochter sei ein Mensch gewesen, der sich engagiert habe. Sie wolle Ungerechtigkeit ebenso entschlossen begegnen wie es ihre Tochter getan habe, so Susan Bro. Wer nicht empört sei über das Geschehen, der "schaut nicht genau genug hin".

Am Samstag war es bei einer Kundgebung in der Universitätsstadt in Virginia zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Ultrarechte hatten sich versammelt, um gegen die Entfernung eines Denkmals des Südstaaten-Befehlshabers Robert E. Lee zu protestieren. Unter ihnen waren auch Skinheads und Mitglieder des Ku-Klux-Klans.

Ein 20-Jähriger aus Ohio steuerte dabei seinen Wagen offenbar absichtlich in die Gegendemonstranten und tötete dabei Heather Heyer. Mindestens 19 weitere Menschen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter gilt als Adolf-Hitler-Bewunderer. Er wurde festgenommen. Gegen ihn wird nun wegen Mordes ermittelt.

"Sie haben versucht, mein Kind zu ermorden, wollten es zum Schweigen bringen. Aber wissen Sie was? Sie haben Heather noch viel größer gemacht", sagte Susan Bro, Heyers Mutter, mit fester Stimme bei der Trauerfeier. Sie bekam tosenden Beifall. Viele der Anwesenden trugen Lila, die Lieblingsfarbe der Verstorbenen.

Ihre Mutter forderte die Anwesenden auf, ihre Wut über das Geschehe in gerechtes Handeln umzusetzen. Das sei das Vermächtnis ihrer Tochter. "Ihr müsst den Funken Verantwortungsbewusstsein in euch finden und euch fragen: Was kann ich tun, damit diese Welt besser wird?" Sie appellierte an die Anwesenden, nicht wegzuschauen, sondern sich an ihrer Tochter ein Beispiel zu nehmen.

Staatliche Truppen sicherten die Gedenkfeier, nachdem rechte Nationalisten angekündigt hatten, die Feierlichkeiten zu stören. Sie tauchten jedoch nicht vor dem Paramount Theater auf, wo die Andacht stattfand. Nur wenige Schritte entfernt war die junge Frau ums Leben gekommen.

koe/AP

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