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Politik

Treffen mit Hongkong-Aktivist

China bestellt deutschen Botschafter wegen Maas ein

Das Treffen von Außenminister Heiko Maas mit dem Hongkong-Aktivisten Joshua Wong in Berlin hat jetzt auch diplomatische Folgen: Der deutsche Botschafter in Peking wurde formal einbestellt.

FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX

Joshua Wong (l.) und Heiko Maas in Berlin: "Tiefe Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht"

Mittwoch, 11.09.2019   16:06 Uhr

Das Gespräch des Hongkong-Aktivisten Joshua Wong mit Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin wird vom chinesischen Botschafter in Berlin als "Zwischenfall" bezeichnet, der negative Konsequenzen für die bilateralen Beziehungen haben werde. Chinas Regierung habe mehrfach gedrängt, Wong keine Einreise zu erlauben, sagte Wu Ken.

Wegen des Treffens von Maas mit Wong wurde der deutsche Botschafter in Peking nach chinesischen Angaben formal einbestellt. "Wir haben unsere tiefe Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht", berichtete Wu Ken über den diplomatischen Vorgang. Das Auswärtige Amt hatte am Dienstag auf Anfrage nur erklärt, der deutsche Botschafter sei zu einem Gespräch im chinesischen Außenministerium gewesen.

Wong war am Montagabend in Berlin angekommen und hatte anschließend auf einem Fest unter anderem mit Maas gesprochen. Der prominente Aktivist der regierungskritischen Protestbewegung in Hongkong nahm am Mittwoch auch an der Bundespressekonferenz teil und forderte von der Bundesregierung, Polizeigewalt und Machtmissbrauch klar zu verurteilen. Zudem solle Deutschland den Export von Ausrüstung an die Bereitschaftspolizei von Hongkong aussetzen, sagte der 22-Jährige.

Großdemo seit Monaten

China hatte sich am Dienstag bereits über Maas beschwert. Dessen Begegnung in Berlin mit Wong sei ein "Akt der Respektlosigkeit" gewesen. Der SPD-Politiker war dem Aktivisten bei einer Veranstaltung im Bundestagsgebäude begegnet und hatte sich gemeinsam mit ihm fotografieren lassen.

Seit drei Monaten demonstrieren Millionen Hongkonger gegen eine Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festlandchina größeren bürgerlichen Freiheiten. Dabei gab es wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten sowie mehr als 1100 Festnahmen.

Wong war am Sonntagmorgen vor seiner geplanten Abreise zunächst am Flughafen Hongkong festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Nach 24 Stunden kam er wieder auf freien Fuß und flog umgehend nach Deutschland.

als/dpa

insgesamt 33 Beiträge
Kurt2.1 11.09.2019
1. .
Es ist der Versuch Chinas, einen vermeintlich angehenden Vasallen zu maßregeln. Ich halte zwar den Besuch des Demonstranten hier in Berlin für falsch, sein Ziel hätte London sein müssen, denn ein Vertrag über HK wurde [...]
Es ist der Versuch Chinas, einen vermeintlich angehenden Vasallen zu maßregeln. Ich halte zwar den Besuch des Demonstranten hier in Berlin für falsch, sein Ziel hätte London sein müssen, denn ein Vertrag über HK wurde zwischen China und GB gemacht. Den versucht China soeben zu unterlaufen. Das Verhalten Chinas einem Handelspartner gegenüber ist ziemlich unverschämt und unangemessen. Vielleicht ist es noch gerade rechtzeitig, um einigen Freunden der Seidenstraße die Augen ein wenig zu öffnen.
niroclean 11.09.2019
2. ....das ist erst der Anfang
China ist mittlerweile zu einem gefährlichen (weil undemokratisch) Globalplayer geworden. Vermutlich ist das erst der Anfang, denn China baut strategisch seine militärische und wirtschaftliche Macht aus und kann damit seine [...]
China ist mittlerweile zu einem gefährlichen (weil undemokratisch) Globalplayer geworden. Vermutlich ist das erst der Anfang, denn China baut strategisch seine militärische und wirtschaftliche Macht aus und kann damit seine Ziele ohne Rücksicht durchsetzen. Der Westen müsste normalerweise seine Bündnisse stärken um ein Gegengewicht zu sein, aber statt dessen macht Trump eine unkalkulierbare Politik, stößt seine langjährigen Partner vor den Kopf und die Briten wollen auch einen Alleingang machen. Die Chinesen werden sich freuen - währen sich der Westen in Streitigkeiten verliert, baut China seine Macht sukzessive (und in vielen Ländern ohne großen Krach) aus und wird schon bald die führende Nation der Welt sein.
onkel-ollo 11.09.2019
3. Jemand in Peking ist gereizt
China hatte der Welt auf dem Tianmen-Platz in Peking ja schon gezeigt was es kann. Und wie dieses Thema in der eigenen Gesellschaft unter Strafandrohung anschließend totgeschwiegen wurde. Rund um Hong Kong gab es nun wieder [...]
China hatte der Welt auf dem Tianmen-Platz in Peking ja schon gezeigt was es kann. Und wie dieses Thema in der eigenen Gesellschaft unter Strafandrohung anschließend totgeschwiegen wurde. Rund um Hong Kong gab es nun wieder Militärbewegungen zu beobachten - bewusst demonstrativ offen! Die offizielle chinesische Kritik empört natürlich die Nomenklatura, die sich im System der 'revolutionären Diktatur' angenehm warm und weich eingerichtet hat. Und es ist absurd sich mit scharfem Blick auf Gesetze zu beziehen, die man selber so implantiert hat, damit sie allein dem Schutz der herrschenden Oberschicht dienen. Was China sich da zudem mit seinem technischen Überwachungs- und Bestrafungssystem geschaffen hat -und immer weiter verschärfen wird- ist der vorletzte Schritt zu einem Zustand, wo die Menschen gefügig gemacht und ausgeschaltet werden können wie Roboter. Die Kameras und Erkennungssysteme sollten besser mal auf die eigene Polit-Riege gerichtet werden.
Pragmatiker 307 11.09.2019
4. Das geht ja gar nicht, ...
... dass ein deutscher Minister auf deutschem Boden jemanden trifft, der China nicht passt. Es ist unglaublich, was sich dieses China, das sich zur Totalkontrolle der Bürger im eigenen Land aufschwingt, für Unverschämtheiten [...]
... dass ein deutscher Minister auf deutschem Boden jemanden trifft, der China nicht passt. Es ist unglaublich, was sich dieses China, das sich zur Totalkontrolle der Bürger im eigenen Land aufschwingt, für Unverschämtheiten leistet! Es ist Zeit, Selbstbewusstsein zu entwickeln und sich diesen undemokratischen, selbstherrlichen Kräften entgegenzustellen! Und ja, dann nehmen wir mal ein paar finanzielle Einbußen in Kauf. Freiheit ist wichtiger!
mafey 11.09.2019
5.
Herr Wong muss noch viel lernen. U.a., dass eine reine Demokratiebewegung ohne soziale, wirtschaftspolitische und strategische Zielsetzung von der Realität eines US-Imperialismus einseitig instrumentalisiert wird. Deutschland [...]
Herr Wong muss noch viel lernen. U.a., dass eine reine Demokratiebewegung ohne soziale, wirtschaftspolitische und strategische Zielsetzung von der Realität eines US-Imperialismus einseitig instrumentalisiert wird. Deutschland spielt da überhaupt keine Rolle. Insofern verrät es Dünnhäutigkeit der chinesischen Führung, hier überhaupt ein Wort zu verlieren. Will Herr Wong wirklich die chinesische Diktatur gegen eine US-Dominanz eintauschen? Die USA wollen den Aufstieg Chinas zur Supermacht hinauszögern, weshalb sie nun einen Handelskrieg angefangen haben. Verhindern werden sie es nicht. Herr Wong wäre gut beraten, einen unabhängigen Demokratiekurs zu steuern, welcher die Ablösung der Diktatur in China bezweckt, ohne den USA in den Hintern zu kriechen.

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