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Politik

China-Beiträge in deutscher Presse

Anmerkung: Dieser Ausgabe kann Propaganda beiliegen

Im Kampf um sein Image im Ausland schaltet China Anzeigen in westlichen Zeitungen, die wie normale Artikel aussehen - dabei aber stets stramm die Regierungslinie vertreten.

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Donnerstag, 25.08.2016   15:00 Uhr
SPIEGEL ONLINE

Anzeige in der "Süddeutsche Zeitung"

Die Volksrepublik China ist bei den Olympischen Spielen im Medaillenspiegel auf dem dritten Platz gelandet. Doch beim Jubel über ihr Abschneiden ist die Nation wohl ungeschlagen - zumindest wenn man den Berichten der staatlichen Medien glaubt.

Unter der Überschrift "Chinas sportliche Helden" war einen Tag nach dem Abschluss der Spiele in Rio eine Reihe begeisterter Artikel zu lesen. Da wurde von dem "stärksten Mann der Welt" aus China berichtet, es waren strahlende Synchronspringerinnen zu sehen und eine jubelnde Ding Ning, die Gold im Tischtennis holte.

Mandarin brauchte niemand, um diese Berichte lesen zu können - sie erschienen auf Deutsch, auf einer ganzen Seite in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Oben rechts und links stand der Hinweis "Anzeige", unten links der Name des Urhebers: Xinhua, die staatliche Nachrichtenagentur Chinas. Dazwischen: Jubeltexte, die wie Zeitungsartikel daher kommen.

"Natürlich sind wir als Redaktion über die Anzeige nicht glücklich", sagt Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der SZ. Es gebe aber klare Richtlinien, die besagen, dass die Zeitung Anzeigen nur ablehnt, wenn diese etwa menschenverachtend sind, Hetze beinhalten oder in irgendeiner Weise gegen die demokratische Grundordnung verstoßen.

"Das Kriterium ist nicht, ob uns der Inhalt passt", sagt Borchardt. Weitere Voraussetzungen sogenannter Advertorials: die Kennzeichnung als Anzeige und das veränderte Layout, etwa bei Schriftart und Spaltenbreite. Das sei in dem Fall gegeben. "Unsere Leser sind klug genug, um die Unterschiede zu erkennen."

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Anzeige in der "Süddeutsche Zeitung" vom 22. August

Was bringen die bezahlten Heldengeschichten den Mächtigen in Peking? "Die chinesische Regierung weiß, dass sie, um Weltmacht zu werden, auch Macht über Informationen, Bilder und Geschichten haben muss", sagt Kristin Shi-Kupfer vom Mercator Institute for China Studies (Merics) in Berlin. Zwar ist es ein älteres Konzept, Propaganda auch in den Westen zu tragen. Seit rund drei Jahren würden die Bemühungen aber verstärkt, sagt Shi-Kupfer. Mit der Amtsübernahme von Staats- und Parteichef Xi Jinping habe eine konzertierte "Propaganda-Offensive" begonnen.

Xi hat seit 2013 in der Volksrepublik rigide durchgegriffen, ließ Hunderte Journalisten, Anwälte und Menschenrechtler verhaften. Sein Verständnis von Journalismus legte der Parteichef Anfang des Jahres bei einem Besuch in einer chinesischen Redaktion offen: Die Medien sollten der Partei dienen. Und: Sie sollten der Welt die Geschichte Chinas besser erzählen, sagte Xi den Journalisten.

Auch sein außenpolitischer Kurs ist aggressiver als der seiner Vorgänger. Dazu gehört, das China-Bild im Ausland auf Linie zu bringen. "Es geht nicht um Pluralismus, sondern um Monismus", sagt Expertin Shi-Kupfer. "In der ganzen Welt soll eine der Regierung genehme Darstellung des Landes verbreitet werden."

"China Watch" erscheint auch in Deutschland

Daran ist indirekt auch die "Washington Post" beteiligt. In dem renommierten US-Blatt liegt regelmäßig eine Beilage von "China Watch" bei. Der Name lässt eher auf kritische Berichte schließen; er ist wohl nicht zufällig angelehnt an den Begriff des investigativen Watchdog-Journalismus. Tatsächlich aber ist "China Watch" ein direkter Ableger von "China Daily", der staatlichen englischsprachigen Zeitung, die in vielen Ländern der Welt herausgegeben wird und in Peking ihren Stammsitz hat.

Die Berichte von "China Watch" befassen sich mit chinesischer Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, und werden von eigenen Autoren geschrieben. Thematisiert werden vor allem positive Ereignisse, etwa Politikerbesuche und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Offiziell ist bei "China Watch" von einem paid supplement die Rede, also einer bezahlten Beilage, wie andere Werbebroschüren auch. Dazu jedoch wirbt der US-Auftritt von "China Watch" auf der eigenen Website mit dem Logo der großen amerikanischen Hauptstadtzeitung und führt deren Namen in der eigenen URL.

chinawatch.washingtonpost.com

Screenshot der URL von "China Watch"

Nach eigenen Angaben erreicht der "China Daily"-Ableger weltweit mehr als 50 Millionen Menschen. Daran ist nicht nur die "Washington Post" beteiligt, die sich auf Nachfrage nicht zu dem Anzeigenkunden äußert. Die Liste der seriösen Zeitungen, denen "China Watch" ebenfalls beiliegt, ist lang: Der britische "Daily Telegraph", der französische "Figaro", der australische "Sydney Morning Herald" und die thailändische "Nation".

Auch in Deutschland ist "China Watch" zu lesen, hier liegt sie dem "Handelsblatt" bei. Es handle sich dabei nicht um ein Angebot der Branchenzeitung, sondern um eine "reguläre Pressebeilage", teilt eine Sprecherin des Verlages SPIEGEL ONLINE dazu mit. Und weiter: "Auf Seite 1 der Beilage heißt es klipp und klar: 'Die bezahlte Sonderveröffentlichung wird dem Handelsblatt beigelegt. Für den Inhalt ist ausschließlich die Redaktion von China Daily (Volksrepublik China) verantwortlich.'"

"Das ist als Werbung verpackte Propaganda", sagt Shi-Kupfer vom Merics. Die Verlage sollten sich klar machen, welchen Zielen die als journalistische Texte gestalteten Anzeigen dienen und welcher mögliche Imageschaden für die Glaubwürdigkeit der Verlagshäuser damit verbunden sein könnte.

Zudem ist eine Abgrenzung in manchen Fällen schwierig. Echte Verwechslungsgefahr besteht, wenn "China Watch" online zusammen mit den Logos der großen Zeitungen erscheint. Auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, ob es sich um eine China-Sektion der Publikationen handelt oder ein völlig unabhängiges Produkt einer anderen Redaktion, wie etwa im Fall des britischen "Telegraph".

telegraph.co.uk

Screenshot von "The Telegraph" mit "China Watch"-Hinweis

In Großbritannien gibt es noch ein weiteres Modell: Die Online-Ausgabe der große Boulevardzeitung "Daily Mail" arbeitet dort mit der chinesischen "People's Daily" zusammen, ohne dass Geld dafür bezahlt wird. Bis zu 40 Artikel tauschen die beiden Publikationen aus, sie erscheinen mit dem kleinen Hinweis: "Diese Geschichte ist in Zusammenarbeit mit 'The People's Daily' entstanden".

Politisch sind die Inhalte bislang nicht. Es geht etwa um eine Frau, die ihre etwa zweijährige Tochter nackt zum Einkaufen mitnimmt. Oder um einen Bauern, dessen Schweine vor Hochwasser gerettet werden - um anschließend beim Schlachter zu landen. Heikler war da schon der Bericht über die landesweite Empörung in China angesichts der falsch ausgerichteten Sterne auf den chinesischen Olympiaflaggen.

In der Redaktion der "Daily Mail" sieht man bei den Veröffentlichungen kein Problem. Martin Clarke Chefredakteur von Mail Online sagte dem britischen "Guardian", die Kooperation solle im Zusammenhang mit den offiziellen Bestrebungen gesehen werden, die Handelsbeziehungen mit China zu stärken. Insofern sei die Zusammenarbeit der Zeitungen "nicht seltsam, sondern sinnvoll".

Mitarbeit: Claudia Niesen

insgesamt 41 Beiträge
peteftw 25.08.2016
1. na und?
Und wo ist das Problem? Bei der einseitig negativen Berichterstattung über China in den deutschen Medien ist das für mich sogar nachvollziehbar. Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten [...]
Und wo ist das Problem? Bei der einseitig negativen Berichterstattung über China in den deutschen Medien ist das für mich sogar nachvollziehbar. Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten wir uns da eine kleine Scheibe abschneiden...
muellerthomas 25.08.2016
2.
Meinen Sie solche Berichte mit einseitig negativ: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html [...]
Zitat von peteftwUnd wo ist das Problem? Bei der einseitig negativen Berichterstattung über China in den deutschen Medien ist das für mich sogar nachvollziehbar. Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten wir uns da eine kleine Scheibe abschneiden...
Meinen Sie solche Berichte mit einseitig negativ: http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html http://www.spiegel.de/auto/aktuell/china-testfahrt-fuer-den-transit-elevated-bus-a-1106083.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/china-feiert-weltgroesstes-wasserflugzeug-a-1104544.html http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/china-premier-li-keqiang-erwartet-keine-harte-landung-a-1099989.html
sapereaude! 25.08.2016
3. Zum Glück nicht bei SpOn!
---Zitat--- ... die wie normale Artikel aussehen - dabei aber stets stramm die Regierungslinie vertreten. ---Zitatende--- Da kann ich mich ja glücklich schätzen, dass bei SpOn immer so sachlich und regierungskritisch [...]
---Zitat--- ... die wie normale Artikel aussehen - dabei aber stets stramm die Regierungslinie vertreten. ---Zitatende--- Da kann ich mich ja glücklich schätzen, dass bei SpOn immer so sachlich und regierungskritisch berichtet wird. Ich habe das schon oft kritisiert: Die Trennung zwischen Berichten und Kommentaren ist nicht klar genug. Wenn ich einen Kommentar lese, weiß ich dass ich die Meinung eines Anderen zu lesen bekomme. Leider bringen die meisten Berichte bei SpOn viel zu viel Meinung und oft zu wenig Fakten. Ganz schlimm ist das bei der Reihe "Endlich verständlich".
Christoph L 25.08.2016
4. Patriotismus
"Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten wir uns da eine kleine Scheibe abschneiden..." Patriotismus ist die Religion derjeniger die nichts eigenes haben / können / machen [...]
"Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten wir uns da eine kleine Scheibe abschneiden..." Patriotismus ist die Religion derjeniger die nichts eigenes haben / können / machen / schaffen auf das sie stolz sein könnten.
Rathard 25.08.2016
5. Die Traumtänzer
Und Globalismus ist die Religion derjenigen, die den Boden unter den Füssen verloren haben. Und das zerstören wollen, was andere aufgebaut haben.
Zitat von Christoph L"Die Chinesen sind eben stolz auf solche Leistungen. In Sachen Patriotismus könnten wir uns da eine kleine Scheibe abschneiden..." Patriotismus ist die Religion derjeniger die nichts eigenes haben / können / machen / schaffen auf das sie stolz sein könnten.
Und Globalismus ist die Religion derjenigen, die den Boden unter den Füssen verloren haben. Und das zerstören wollen, was andere aufgebaut haben.

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