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Politik

Brief aus der Zelle

Schreiben des mutmaßlichen Christchurch-Attentäters gelangt ins Netz

Wegen eines Anschlags auf zwei Moscheen mit Dutzenden Toten sitzt er in Haft. Nun hat der mutmaßliche Attentäter von Christchurch Kontakt mit der Außenwelt aufgenommen: per Brief an einen Unterstützer.

Mark Mitchell/REUTERS

Mutmaßlicher Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant: Aus der Zelle schickte er einen Brief nach Russland

Mittwoch, 14.08.2019   11:47 Uhr

Seit rund fünf Monaten sitzt Brenton Tarrant in Neuseelands einzigem Hochsicherheitsgefängnis in Auckland in Untersuchungshaft. Er ist wegen des Anschlags in Christchurch angeklagt, unter anderem wegen Terrorismus. Nun ist ein Brief an die Öffentlichkeit gelangt, den der mutmaßliche Angreifer in seiner Zelle verfasst hat. Die neuseeländische Justiz entschuldigte sich dafür, dass das Schreiben des Rechtsextremisten an die Öffentlichkeit gelangte.

Der Brief ist handgeschrieben, sechs Seiten lang und ging offenbar an einen Unterstützer in Russland. Dort ist er an einen "Alan" adressiert. Der Großteil des Inhalts erscheint harmlos. Tarrant schreibt allerdings auch, dass ein "großer Konflikt" bevorstehe, und endet mit einer Äußerung, die auch als Aufforderung für Nachahmungstäter verstanden werden kann.

Tarrant wird zur Last gelegt, bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch Mitte März 51 Menschen getötet und mehrere Dutzend verletzt zu haben. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Prozess soll im Mai nächsten Jahres beginnen. Befürchtet wird, dass Tarrant ihn als Bühne nutzt, um rassistische Parolen zu verbreiten.

"Brief hätte zurückgehalten werden sollen"

Die Gefängnisbehörde rechtfertigte sich, nach neuseeländischer Gesetzeslage hätten Häftlinge das Recht, E-Mails zu bekommen und auch selbst zu versenden. Nur unter bestimmten Umständen habe der Direktor einer Haftanstalt die Möglichkeit, dies zu verbieten. Zum konkreten Fall hieß es dann weiter: "Im Rückblick erkennen wir an, dass dieser Brief hätte zurückgehalten werden sollen." Die Regelungen für Tarrant seien nun entsprechend geändert worden.

Der Australier hätte an diesem Donnerstag wieder zu einem Gerichtstermin erscheinen müssen. Auf Antrag der Verteidigung verzichtete das Gericht am Mittwoch jedoch darauf, dass der ehemalige Fitnesstrainer wie bei früheren Terminen per Video zugeschaltet wird. Der Anschlag in Christchurch wurde vom Täter über längere Zeit mit einer Helmkamera live ins Internet übertragen. Die großen Internetkonzerne wollen mit strengeren Nutzerregeln verhindern, dass sich so etwas künftig wiederholt.

Zudem hat die neuseeländische Regierung die Waffengesetze verschärft. Mittlerweile hat sie Tausende Waffen der Bevölkerung zurückgekauft.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL)

aev/dpa/AP

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