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Politik

Autor Kehlmann kritisiert Österreich

"Die Demokratie ist in Gefahr"

Schriftsteller Daniel Kehlmann war für eine Preisverleihung in Wien, seine Rede wurde politisch: Der "schweigende Kanzler" Sebastian Kurz schade dem Ansehen Österreichs in der Welt.

Herbert Pfarrhofer/ DPA

Schriftsteller Daniel Kehlmann bei der Preisverleihung in Wien

Donnerstag, 16.05.2019   02:37 Uhr

Daniel Kehlmann hat lange in Wien gelebt, sein Vater war Österreicher, der Schriftsteller hat also eine enge Beziehung zu dem Land. Nun war Kehlmann nach Wien gereist, er bekam dort am Mittwochabend einen Literaturpreis verliehen. In seiner Rede kritisierte er die Regierung Österreichs mit deutlichen Worten.

"Die Demokratie ist in Gefahr in der westlichen Welt. Sie ist besonders in Gefahr in Österreich", sagte der 44-Jährige. Er erinnerte an den österreichischen Komponisten und Dichter Georg Kreisler (1922-2011), der 2009 vor einer sich abzeichnenden Rückkehr des Faschismus gewarnt habe. "Er war klarsichtiger als wir anderen. Denn der Ernstfall ist eingetreten", sagte Kehlmann.

Konkret ging der Autor auf Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ein, dessen konservative ÖVP seit Ende 2017 mit der rechten FPÖ die Regierung bildet. "Ich möchte unseren schweigenden Kanzler fragen, ob er sich darüber klar ist, dass künftige Geschichtsbücher ihn als den Mann bewahren werden, der es einer rechtsextremen Partei ermöglicht hat, diesem Land in seinem äußeren Bild und seinem inneren Gefüge Schaden zuzufügen, der so bald nicht mehr in Ordnung zu bringen ist", sagte Kehlmann. "Draußen in der Welt wird Österreich inzwischen zuverlässig neben Trumps Amerika, Orbáns Ungarn und Bolsonaros Brasilien genannt."

Kehlmann ist für Werke wie "Die Vermessung der Welt", "Tyll", "Ich und Kaminski" bekannt. In Wien erhielt er nun den Anton-Wildgans-Literaturpreis der Österreichischen Industrie: Er ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 1962 an österreichische Autoren "der jüngeren oder mittleren Generation" vergeben, "dessen oder deren Werk von hervorragender Relevanz für die literarische und gesellschaftliche Korrelation unserer Zeit ist". Zu den früheren Preisträgern gehörten Ingeborg Bachmann, Thomas Bernhard, Arno Geiger und Robert Seethaler.

aar/dpa

insgesamt 16 Beiträge
der Krieger 16.05.2019
1. Bravo!
Ein großartiger Autor & offensichtlich auch ein anständiger & aufrechter Mensch. Herzlichen Dank, Daniel Kehlmann.
Ein großartiger Autor & offensichtlich auch ein anständiger & aufrechter Mensch. Herzlichen Dank, Daniel Kehlmann.
Aqualungs Breath 16.05.2019
2. Vollkommen richtig
Ich empfehle hier jedem, sich das Interview mit Jan Böhmermann anzusehen von dem sich die Moderatorin des ORFgenötigt sah zu distanzieren. Dieser Fall spricht Bände.
Ich empfehle hier jedem, sich das Interview mit Jan Böhmermann anzusehen von dem sich die Moderatorin des ORFgenötigt sah zu distanzieren. Dieser Fall spricht Bände.
gatsue 16.05.2019
3. Nicht doch!
Ganz im Gegenteil: Österreich steigt und steigt in meinem Ansehen! Kurz macht alles richtig. Er entwickelt eine konsequente Politik, die seinem Land gut tut und er hat verstanden, wie man Diversität der Meinungen bündelt und [...]
Ganz im Gegenteil: Österreich steigt und steigt in meinem Ansehen! Kurz macht alles richtig. Er entwickelt eine konsequente Politik, die seinem Land gut tut und er hat verstanden, wie man Diversität der Meinungen bündelt und integriert, anstatt die Gemeinschaft zu zerstören. Aber das hätten manchen Menschen ja ganz gerne.
Mr Bounz 16.05.2019
4.
Es ist sehr wichtig die Akteure direkt auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Konservative als Türöffner für Rechte kennen wir historisch gesehen ja schon. Auch in D gibt es bei CDU CSU genügend Personen die schon ganz heiß [...]
Es ist sehr wichtig die Akteure direkt auf ihr Fehlverhalten anzusprechen. Konservative als Türöffner für Rechte kennen wir historisch gesehen ja schon. Auch in D gibt es bei CDU CSU genügend Personen die schon ganz heiß darauf sind endlich mit der AFD "ins Bett zu steigen."
blackbaro 16.05.2019
5. Immer eine Frage der Perspektive
Natürlich leidet das Ansehen Österreichs weltweit, bei den Linken. Aber Tatsache ist auch das die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung zufrieden bzw. sehr zufrieden mit ihrer Regierung ist und viele Bürger Europas [...]
Natürlich leidet das Ansehen Österreichs weltweit, bei den Linken. Aber Tatsache ist auch das die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung zufrieden bzw. sehr zufrieden mit ihrer Regierung ist und viele Bürger Europas Österreich um diesen Kanzler beneiden,die linken natürlich ausgenommen.

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