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Politik

Erfolgsautor Daniel Kehlmann

"Das Ansehen Österreichs in der Welt ist mir egal"

Als er das Strache-Video gesehen hat, habe er "wahnsinnig gute Laune" gehabt. Das sagt Erfolgsautor Daniel Kehlmann im SPIEGEL-Gespräch - und erklärt, warum die Zeit der politischen Zurückhaltung vorbei ist.

Alejandro García/EPA-EFE/REX

Daniel Kehlmann wurde in München geboren und zog im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Wien

Von und
Sonntag, 26.05.2019   09:00 Uhr

Daniel Kehlmann, einer der renommiertesten deutschsprachigen Schriftsteller, hat sich im SPIEGEL-Gespräch scharf über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz geäußert. Über die von Kurz über mehr als anderthalb Jahre verfolgte Strategie, sich einerseits bürgerlich-liberal zu geben, andererseits mit Rechtspopulisten zu regieren, sagt Kehlmann: "Das ist die größte Gefahr, die ich sehe in der Welt."

Lesen Sie hier das ganze Interview.

Etwas Ähnliches würden auch die Republikaner unter Donald Trump machen. Er sehe Parallelen zwischen rechten Tendenzen in Österreich und in den USA, sagt Kehlmann: "Ich denke, dass die Republikanische Partei in Amerika heute zumindest eine starke faschistische Unterströmung hat, im Sinne des Austrofaschismus mit seiner Sehnsucht nach einem autoritären Staat, der religiös unterfüttert ist."

Der deutsch-österreichische Autor hatte zwei Tage vor der Veröffentlichung des Strache-Videos den österreichischen Bundeskanzler Kurz in einer Rede zur Auflösung der Koalition mit der FPÖ aufgefordert - und die Gefahr für das Ansehen Österreichs betont, die von dieser Regierung ausgehe. Jetzt sagt er dem SPIEGEL: "Ganz ehrlich: Mir ist das Ansehen Österreichs in der Welt egal. Diese Art von Patriotismus ist mir fremd." Er habe es trotzdem erwähnt, weil er vor der österreichischen Industriellenvereinigung gesprochen habe, einer ÖVP-nahen Organisation.

Über das Strache-Video selbst sagt Kehlmann, er habe "wahnsinnig gute Laune" gehabt, als er es sah. Ihm gefalle besonders die Szene, in der Strache und Gudenus erklären, was eine Glock ist. "Wie wahnsinnig gern Johann Gudenus diese Pistolenbewegung macht."

Und er erzählt, warum für Schriftsteller jetzt endgültig die Zeit der politischen Zurückhaltung vorbei sei. "Moralisch falsch und politisch gefährlich" sei es, sich jetzt weiter in nobler Zurückhaltung zu üben.

insgesamt 3 Beiträge
TOKH1 26.05.2019
1. danke.
genau das ist es was passieren muss. Klartext reden und diese Lügner und Belügner des Volkes zu enttarnen. Mit allen Mitteln die dazu nötig sind. Das Wohl des Volkes zu erhalten wiegt höher als der fragwürdige Schutz der [...]
genau das ist es was passieren muss. Klartext reden und diese Lügner und Belügner des Volkes zu enttarnen. Mit allen Mitteln die dazu nötig sind. Das Wohl des Volkes zu erhalten wiegt höher als der fragwürdige Schutz der "Privatsphäre" in so einem speziellen Fall. Mal ehrlich: Mafiabosse werden auch nicht anders überführt indem sie abgehört werden bei ihren kriminellen Absprachen. Und unterscheidet sich Her Strache eigentlich von denen? No.
noalk 26.05.2019
2. Richtig! Das Dumme ist nur, ...
... dass die Apologeten solcher Lügner ich durch nichts bekehren lassen. Deswegen sollte man sie auch nicht als "Verführte" bezeichnen. Sie sind immer Unterstützer.
... dass die Apologeten solcher Lügner ich durch nichts bekehren lassen. Deswegen sollte man sie auch nicht als "Verführte" bezeichnen. Sie sind immer Unterstützer.
tu.felix.austria 27.05.2019
3. Lügen gegen Lügner?
Sich gegen Populismus stellen (gut & notwendig) - aber dabei seinen Zuhörern (Industriellenveteinigung) erzählen, was sie hören wollen, halte ich für bedenklich...
Sich gegen Populismus stellen (gut & notwendig) - aber dabei seinen Zuhörern (Industriellenveteinigung) erzählen, was sie hören wollen, halte ich für bedenklich...

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