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Politik

"Er hat mich angewiesen"

Ex-Anwalt Cohen belastet Trump in Schweigegeld-Affäre

Michael Cohen rechnet mit seinem Ex-Mandanten Donald Trump ab. Der US-Präsident habe gewusst, dass Schweigegelder an zwei Frauen unrechtmäßig waren.

JASON SZENES/EPA-EFE/REX

Michael Cohen

Freitag, 14.12.2018   13:54 Uhr

Vor zwei Tagen war Michael Cohen wegen mehrerer Delikte zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nun hat der ehemalige Anwalt von Donald Trump den US-Präsidenten beschuldigt, von einigen strafbaren Vergehen gewusst zu haben. Unter anderem geht es um Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen. Trump habe gewusst, dass die Zahlungen unrechtmäßig waren, sagte Cohen. Dennoch habe er Cohen den Auftrag gegeben, sie durchzuführen.

"Er hat mich angewiesen, die Zahlungen zu tätigen. Er hat mich angewiesen, mich in der Sache zu engagieren", sagte Cohen in dem Interview mit dem US-Sender ABC News.

Cohen war über ein Jahrzehnt lang einer der engsten Vertrauten Trumps. Ein US-Bundesgericht verurteilte ihn am Mittwoch zu einer Haftstrafe von drei Jahren, unter anderem weil er im Zusammenhang mit einer angeblichen Affäre Trumps mit der Porno-Darstellerin Stormy Daniels Schweigegeld gezahlt und damit gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen hatte. Auch an eine andere Frau soll Schweigegeld geflossen sein. Die Staatsanwaltschaft hatte eine "substanzielle Gefängnisstrafe" gefordert.

Trump widerspricht Cohen

Trump selbst dementierte das eigene Fehlverhalten. Nach dem Urteil gegen seinen Ex-Anwalt schrieb er auf Twitter: "Ich habe Michael Cohen nie angewiesen, gegen das Gesetz zu verstoßen." Cohen erwiderte im ABC-Interview: "Ich glaube nicht, dass es irgendwen gibt, der das glaubt." Nichts bei der Trump Organization sei jemals erfolgt, "ohne dass es über Herrn Trump lief", sagte Cohen.

DPA

Donald Trump

Weiter sagte Cohen in dem ersten Interview seit seiner Verurteilung, Trump sei zu der Zeit "sehr besorgt gewesen, inwiefern das Ganze die Wahl beeinflussen könnte", sollten Wähler von den Anschuldigungen zu den Affären erfahren. Cohen sei "loyal gewesen zu jemandem, der Loyalität wirklich nicht verdient", sagte er.

Vor Gericht hatte Cohen laut CNN gesagt: "Ich übernehme die volle Verantwortung für jede Tat, zu der ich mich schuldig bekannt habe: meine persönlichen und diejenigen, an denen der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika beteiligt war." Er habe es immer wieder als seine Pflicht empfunden, Trumps "schmutzige Taten" zu vertuschen.

mst/Reuters/AFP

insgesamt 27 Beiträge
Papazaca 14.12.2018
1. Das wirkliche Thema ist: Mangelnde Loyalität Trumps
Cohen hat für Trumps alle möglichen heiklen Jobs erledigt. Als es aber darauf ankam, hat Trump Cohen die erwartete Loyalität verweigert. Für so jemanden wollte Cohen dann keine Opfer bringen und für viele Jahre im [...]
Cohen hat für Trumps alle möglichen heiklen Jobs erledigt. Als es aber darauf ankam, hat Trump Cohen die erwartete Loyalität verweigert. Für so jemanden wollte Cohen dann keine Opfer bringen und für viele Jahre im Gefängnis verschwinden. Diese mangelnde Loyalität kann sich für Trump noch verhängnisvoll erweisen. Wer wird für Trump noch seinen Kopf hinhalten? Der Fall Cohen kann sich noch für Mueller als Glücksfall erweisen und die Front des Schweigens bezüglich Trump zum Einsturz bringen. Das könnte dann schneller als erwartet zu Trumps Ende führen.
christianu 14.12.2018
2. Ein Anwalt darf keine Rechtsverstöße begehen,
auch wenn ein Präsident bzw. ein Kandidat das fordert. Insofern ehrt es Cohen, dass er sich schuldig bekennt und die Konsequenzen seines Handelns auf sich nimmt. Das Verhalten des Präsidenten ist davon sehr weit entfernt. Er hat [...]
auch wenn ein Präsident bzw. ein Kandidat das fordert. Insofern ehrt es Cohen, dass er sich schuldig bekennt und die Konsequenzen seines Handelns auf sich nimmt. Das Verhalten des Präsidenten ist davon sehr weit entfernt. Er hat nichts gesagt, er wusste nichts, und notfalls war er auch strikt dagegen. Woher wusste dann Cohen, welche Damen mit Geld ruhig zu stellen sind? Und zahlte er das aus eigener Tasche? Das ist doch völlig unwahrscheinlich, und ich bin sicher, dass man im unauslöschlichen elektronischen Fundus Beweise aufspürt, wie sich die Sache verhalten hat. Aber auch das wird nichts nützen, weil der Präsident "Fake!!!" twittert und seine Parteigänger stillhalten, um ihre Pfründe nicht zu verlieren.
hasi 14.12.2018
3. Trump und kein Ende
Es ist ermüdend dieses Schauspiel zu verfolgen.Münchhausen war ein Waisenknabe gegen den amerikanischen Präsidenten.Es ist unvorstellbar, dass ein großer Teil des amerikanischen Volkes diese Schmierenkomödie nicht durchschaut [...]
Es ist ermüdend dieses Schauspiel zu verfolgen.Münchhausen war ein Waisenknabe gegen den amerikanischen Präsidenten.Es ist unvorstellbar, dass ein großer Teil des amerikanischen Volkes diese Schmierenkomödie nicht durchschaut oder nicht durchschauen will. Wenn sich diese Art der Politik weltweit durchsetzt, werden unsere Kinder und Enkelkinder in eine Zukunft hineinwachsen, die ich mir nicht vorstellen möchte. Leute, kümmert euch nicht nur um die Gegenwart sondern handelt jetzt, dass unsere so schöne Erde nicht durch einige Psychopathen nicht in den Abgrund gerissen wird. Wir haben viel zu verlieren.
claus7447 14.12.2018
4. Das Problem ist
wenn Donald sagt "Ich glaube nicht, dass es irgendwen gibt, der das glaubt." dann wird es problematisch. bei ca. 10 Lügen am Tag - bin ich sicher wem eigentlich mehr zu vertrauen ist. Aber die Trumpisten hier im Kreis [...]
wenn Donald sagt "Ich glaube nicht, dass es irgendwen gibt, der das glaubt." dann wird es problematisch. bei ca. 10 Lügen am Tag - bin ich sicher wem eigentlich mehr zu vertrauen ist. Aber die Trumpisten hier im Kreis werden gleich aufheulen und alles dementieren .... was solls - Trump ist ein Frauenverächter und dass er die beiden Flach ge...t hat ist sicher - nur das Honorar war eben etwas größer! Schlecht wer seinen Docht nicht im Griff hat.
dr_gb 14.12.2018
5. Noch immer kein 'Saturday Night Massacre' ..
.. bisher. Ist ja auch noch nicht der 20-te, da haben wir noch ein paar Tage bis Trump seinem alten Bekannten, Konversations- und Dinner-Freund Nixon folgen wird, wenn der so lange, noch 6-7 Tage überhaupt, durchhält. Nixon [...]
.. bisher. Ist ja auch noch nicht der 20-te, da haben wir noch ein paar Tage bis Trump seinem alten Bekannten, Konversations- und Dinner-Freund Nixon folgen wird, wenn der so lange, noch 6-7 Tage überhaupt, durchhält. Nixon verlor am Samstag, 20. Okt 1973 wohl die Nerven, als er erst im dritten Anlauf einen ihm gefälligen Ankläger fand, der sich widerstrebend bereit fand den Watergate-Sonder-Ermittler A. Cox zu feuern. Die beiden ranghöchsten Ankläger der USA hatten sich zuvor Nixon verweigert und sofort ihre Demission eingereicht. Dieses als 'Saturday Night Massacre' bezeichnete Geschehen, das definitiv ein entscheidender Punkt im zunehmend dann beschleunigten Zerfall der Nixon Präsidentschaft war, wird sein entfernt-politisches Zieh-Bübchen Mr. T wohl als vorletzte Rettungsmassnahme uns auch bald liefern. Denn Cohen ist nur ein Baustein; Flynn, Priebus und die vielen anderen Ex-White-House'ler sind noch nicht einmal in Mueller's und des Congress' zackige Kreuzverhör-Mühlen geraten. Am Ende kann 'Individum 1' ja auch nicht sicher sein, dass seinem lieben und geschätzten Putin nicht doch ein paar liderlich widerliche Porno-Flix aus Moskau entgleiten .. Wie die NYT letzte Nacht es formulierte : die Lügenmasse wird irgendwann erdrückend -- auch für einen President, erst recht für diese sub-intelligente Variante'Individum 1'.

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