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Politik

Nordsyrien

Trump hält türkische Militäroffensive für "schlechte Idee"

Die Türkei rückt in Nordsyrien ein - und steht dafür international in der Kritik. US-Präsident Trump hatte zuvor gedroht, Ankara solle keine "Tabus" brechen. Nun verurteilt er das Vorgehen.

Leah Millis/ REUTERS

Donald Trump: "Endlose, sinnlose Kriege nicht kämpfen"

Mittwoch, 09.10.2019   20:23 Uhr

Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte sich US-Präsident Donald Trump am Sonntag dazu entschieden, seine Truppen aus dem Norden Syriens abzuziehen und die verbündeten kurdischen Milizen dort nicht weiter zu schützen. Nun sind türkische Truppen in das Gebiet vorgerückt - zum Ärger des US-amerikanischen Oberbefehlshabers. "Die Vereinigten Staaten befürworten diesen Angriff nicht und haben der Türkei deutlich gemacht, dass diese Operation eine schlechte Idee ist", hieß es in einer Mitteilung Trumps.

Der Präsident verteidigte erneut seine Entscheidung, US-Truppen aus dem syrischen Grenzgebiet zur Türkei abgezogen zu haben. Er habe immer deutlich gemacht, "dass ich diese endlosen, sinnlosen Kriege nicht kämpfen will - besonders jene, die den Vereinigten Staaten nicht nützen". (Einen Kommentar zur Operation in Nordsyrien lesen Sie hier.)

Im Video: Türkei-Offensive bedroht Sicherheit in Europa

Trump teilte weiter mit, die Regierung in Ankara habe zugesagt, Zivilisten und religiöse Minderheiten zu schützen und sicherzustellen, dass es nicht zu einer humanitären Krise kommt. Man erwarte von der Türkei, dass sie sich an diese Zusagen halte. Die Türkei sei nun außerdem verantwortlich dafür, dass die in Nordsyrien gefangen gehaltenen Kämpfer des sogenannten "Islamischen Staats" (IS) weiter in Gefangenschaft blieben. Die Türkei müsste außerdem sicherstellen, dass sich der IS nicht neu bilde.

Kritiker warfen Trump vor, die Kurdenmilizen im Stich zu lassen, die Verbündete der US-Streitkräfte im Kampf gegen den IS waren. Trump griff das offenbar auf und teilte am Montag vorsorglich gegen Ankara aus: "Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen", twitterte Trump - ohne deutlich zu machen, was er als Verstoß erachten würde.

Ob dieses "Tabu" nun erreicht ist, ist also unklar. Senatoren im US-Kongress bereiten inzwischen eine parteiübergreifende Resolution für Sanktionen gegen die Türkei vor. Der republikanische Senator Lindsey Graham schrieb auf Twitter, er werde die Bemühungen im Kongress anführen, Erdogan "einen hohen Preis" zahlen zu lassen.

Trump ist indes nicht allein mit seiner Kritik an der Militäroffensive. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker rief die Türkei dazu auf, den Militäreinsatz gegen kurdische Milizen in Nordsyrien zu stoppen. Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die türkische Offensive "auf das Schärfste": "Die Türkei nimmt damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiert ein Wiedererstarken des IS", sagte er in Berlin. Es drohe eine weitere humanitäre Katastrophe sowie eine neue Fluchtbewegung.

Der Uno-Sicherheitsrat soll sich am Donnerstag bei einer Sondersitzung mit dem Thema befassen. Dies teilten Diplomaten in New York mit. Deutschland und Frankreich hatten die Dringlichkeitssitzung zusammen mit Polen, Belgien und Großbritannien beantragt.

vks/dpa

insgesamt 90 Beiträge
tednuber 09.10.2019
1. Schlechte Idee
Trump als amerikanischer Präsident ist die schlechteste Idee überhaupt. Man muss sehr lange nachgrübeln, bis man sich eines so abgrundtiefen Verrats und todbringenden Betrugs an den wichtigen und langjährigen kurdischen [...]
Trump als amerikanischer Präsident ist die schlechteste Idee überhaupt. Man muss sehr lange nachgrübeln, bis man sich eines so abgrundtiefen Verrats und todbringenden Betrugs an den wichtigen und langjährigen kurdischen Verbündeten erinnert - wenn überhaupt.
steinbock8 09.10.2019
2. Scheinheiliges Geschwätz.
Ohne den Segen der Amerikaner, wäre die Türkei nie in Syrien ein marschiert. Die USA haben die Kurden verraten. Dann ist natürlich auch wichtig, was Erdogan den Amerikanern über seine Kriegsziele erzählt hat und was er am [...]
Ohne den Segen der Amerikaner, wäre die Türkei nie in Syrien ein marschiert. Die USA haben die Kurden verraten. Dann ist natürlich auch wichtig, was Erdogan den Amerikanern über seine Kriegsziele erzählt hat und was er am Ende wirklich tut. Außerdem kann Erdogan jetzt wieder einmal mit der nationalistischen Karte von innenpolitischen Problemen ablenken. Es bleibt weiter spannend auf Kosten von Menschenleben.
Starlight.85 09.10.2019
3. Wozu
Wozu gibt es die UNO, und das in deren Charta enthaltene Gewaltverbot wenn das in der Realität niemanden interessiert.
Wozu gibt es die UNO, und das in deren Charta enthaltene Gewaltverbot wenn das in der Realität niemanden interessiert.
axeldebüx 09.10.2019
4. Wenn ich diese Nachrichten lese
Kann ich mich kaum der aufkommenden Übelkeit erwehren. Wir (Außenminister Mass/Deutschland) verurteilen diejenigen, die wir jahrelang aufgerüstet haben, dafür, daß sie ebendiese Waffen jetzt anwenden? Kann Politik noch [...]
Kann ich mich kaum der aufkommenden Übelkeit erwehren. Wir (Außenminister Mass/Deutschland) verurteilen diejenigen, die wir jahrelang aufgerüstet haben, dafür, daß sie ebendiese Waffen jetzt anwenden? Kann Politik noch perverser werden?
alterknacker54 09.10.2019
5. Alles ganz toll
Die EU bekommt es nicht auf die Reihe, im außenpolitischen Konsens die Türkei zu verurteilen und mit Sanktionen zu bedrohen, weil sich Ungarn dazu zu fein ist - oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Orban meint [...]
Die EU bekommt es nicht auf die Reihe, im außenpolitischen Konsens die Türkei zu verurteilen und mit Sanktionen zu bedrohen, weil sich Ungarn dazu zu fein ist - oder aus irgendwelchen anderen Gründen. Orban meint wahrscheinlich, dass bei einem türkischen Einmarsch in Syrien weniger Flüchtlinge nach Europa kommen - das Gegenteil wird der Fall sein, Herr Orban! Die UNO geruht bereits am Donnerstag über das Gemetzel zu befinden. Mal sehen, wer von den fünf Vetomächten dann eine Resolution verhindert (ich tippe mal auf die USA...).

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