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Politik

Taktik in der Ukraineaffäre

Trumps verdrehte Welt

US-Präsident Trump ist ein politischer Überlebenskünstler. Sein Erfolg beruht auf einem Mechanismus, den er nun auch in der Ukraineaffäre wieder nutzt. In der Psychologie würde man von Projektionen sprechen.

Brendan Smialowski/ AFP

In Donald Trumps Vorstellung macht nicht er die Fehler, sondern der Rest der Welt

Ein Kommentar von , Washington
Donnerstag, 24.10.2019   11:01 Uhr

Wir erinnern uns: Im US-Wahlkampf 2016 war die sogenannte E-Mail-Affäre das große Ding. Hillary Clinton hatte als Außenministerin einen eigenen E-Mail-Server und einen privaten Account genutzt. Donald Trump und seine Anhänger pumpten den Vorgang zur größten Staatsaffäre seit Watergate auf, sie sahen dadurch die nationale Sicherheit der USA gefährdet. "Sperrt sie ein", lautete ihr Schlachtruf, gemeint war Hillary Clinton.

Für Trump war die Affäre praktisch. Wann immer ihm Fehlverhalten vorgeworfen wurde - und dafür gab es reichlich Anlass - sagte er einfach: "Aber Hillarys E-Mails!"

Der Vorgang ist typisch für Trump: Der US-Präsident beherrscht es meisterhaft, die öffentliche Meinung in seinem Sinne zu beeinflussen. Alle Dinge, die ihm vorgeworfen werden, spiegelt er einfach sofort zurück. Er lenkt von eigenen Verfehlungen ab, indem er seinen Gegnern mindestens die gleichen, ja, vielleicht sogar noch monströsere Taten unterstellt.

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In Trumps verdrehter Welt sind alle anderen korrupt, nicht er. In Trumps verdrehter Welt missbrauchen alle anderen ihre Ämter, nicht er. In Trumps verdrehter Welt lügen seine Gegner, nicht er.

Eine perfide und wirksame Abwehr

In der Psychologie würde man diesen Verteidigungsmechanismus Projektion nennen. Die Projektion kann eine sehr perfide, sehr wirksame Abwehr sein, denn die Wahrheit wird vernebelt. In der heutigen Politik nutzt sie kaum jemand so intensiv wie Trump. In den Echo-Kammern der Trump-Welt, bei Fox News und bei seinen Fans im Netz, finden die Projektionen des Präsidenten die entsprechende Verbreitung.

Im Video: Trump verlangt von seiner Partei geschlossene Reihen

Foto: Yuri Gripas/POOL/EPA-EFE/REX

Vor wenigen Tagen hat das US-Außenministerium die Untersuchung zu den Clinton-E-Mails abgeschlossen. Demnach war die Affäre kein zweites Watergate, sie war wahrscheinlich nicht einmal eine richtige Affäre. Es habe keine Hinweise gegeben, dass mit vertraulichen Informationen absichtlich falsch umgegangen worden sei, stellten die Ermittler nüchtern fest. Fall geschlossen.

Hillary Clinton ist davon überzeugt, dass ihr die E-Mail-Affäre die Wahl verhagelt hat. Und auch Trumps politische Gegner von heute müssen sich darauf einstellen, dass der Präsident mit seinen Methoden erneut Erfolg haben könnte. Aktuelle Beispiele, wie Trump Projektionen nutzt, gibt es reichlich:

Es ist jetzt schon klar: Trump wird die Methode weiter ausreizen. Sein Vorteil ist, dass ihm als Präsident das größte Megafon des gesamten Landes, ja, der ganzen Welt zur Verfügung steht. Egal, was er sagt, seine Projektionen werden im Netz und in den TV-Sendern täglich und pausenlos in alle Haushalte übertragen.

Er hat von allen Kandidaten bereits heute den größten Wahlkampfetat. Den kann er nutzen, um seine Sicht zu verbreiten. Und Trump scheint gewillt zu sein, die Lautstärke weiter aufzudrehen. Für ihn ist das kein Problem. Inzwischen muss man annehmen, dass er tatsächlich selbst an das glaubt, was er da sagt.

"Aber Hillarys E-Mails!", das war einmal. Ab jetzt heißt es: "Aber die Bidens!"

insgesamt 221 Beiträge
neue_mitte 24.10.2019
1.
"In den Echo-Kammern der Trump-Welt, bei Fox News und bei seinen Fans im Netz, finden die Projektionen des Präsidenten die entsprechende Verbreitung." Und die Fans hier im Forum werden uns seine Projektionen wieder [...]
"In den Echo-Kammern der Trump-Welt, bei Fox News und bei seinen Fans im Netz, finden die Projektionen des Präsidenten die entsprechende Verbreitung." Und die Fans hier im Forum werden uns seine Projektionen wieder brühwarm präsentieren. Bin mal gespannt, was heute die Tagesparole wird. "Aber die Bidens!" hoffentlich nicht, das wäre ja langweilig, damit schließt ja schon der Artikel. Heute ein bisschen mehr deep state, vielleicht was über linke Sozialisten bei den Demokraten, evtl. das angebliche Recht des Präsidenten als verkappter Top-Ermittler oder doch eine Portion von establishment? Hm, was darf es sein?
Humanfaktor 24.10.2019
2. Abnutzung
Die ständigen Wiederholungen der immer gleichen Inhalte machen diese nicht interessanter, sondern nur die Klinge stumpf und langweilen die Leser. Alles soweit richtig, aber alles auch längst mehrfach durchgekaut, verdaut und ... [...]
Die ständigen Wiederholungen der immer gleichen Inhalte machen diese nicht interessanter, sondern nur die Klinge stumpf und langweilen die Leser. Alles soweit richtig, aber alles auch längst mehrfach durchgekaut, verdaut und ... wieder hochgerülpst. Das ermüdet. Trump spielt auch mit euch beim SPON. Und ihr spielt sein Spiel mit. Die Monothematik und die immer gleichen Reflexen machen es ihm auch leicht.
emoratio 24.10.2019
3. Was blendet,
braucht einen Spiegel. Wo Wahrheit nicht hilft, weil sie als Lüge bezeichnet wird, müsste man doch gut damit fahren, ein anderes als das erwartete Bild zurückzuwerfen. Trump bezeichnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als [...]
braucht einen Spiegel. Wo Wahrheit nicht hilft, weil sie als Lüge bezeichnet wird, müsste man doch gut damit fahren, ein anderes als das erwartete Bild zurückzuwerfen. Trump bezeichnet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe als Lüge, dann wäre es doch angebracht, einen zweiten Spiegel aufzustellen, der ihn von hinten zeigt. Trump als Milliardär mit zweifelhaftem oder anrüchigem Geschäftsgebaren, Trump, der Frauen als Menschen zweiter Klasse ansieht, Trump als Oberhaupt, als Leitbild einer elitären Gemeinschaft, zu der der einfache Mensch nie Zugang haben wird.
josho 24.10.2019
4. Interessanter Beitrag, aber.....
....man vermisst, mit welcher "Gegenstrategie" gearbeitet werden müsste, um diesem "Überlebenskünstler" Paroli zu bieten. Gibt es da gar nichts?
....man vermisst, mit welcher "Gegenstrategie" gearbeitet werden müsste, um diesem "Überlebenskünstler" Paroli zu bieten. Gibt es da gar nichts?
spopel15 24.10.2019
5. Projektionen und Whataboutism
Das eigentlich fatale ist, dass millionen von Menschen und Wählern überall auf der Welt diese im Grunde sehr infantile Strategie nicht durchschauen. Alle rechtsradikalen/ bis rechtsextremistischen Politiker benutzen diese [...]
Das eigentlich fatale ist, dass millionen von Menschen und Wählern überall auf der Welt diese im Grunde sehr infantile Strategie nicht durchschauen. Alle rechtsradikalen/ bis rechtsextremistischen Politiker benutzen diese Strategie bzw. Propagandatechnik. Bolsonaro, Salvini, Erdogan, Orbán, diverse AfDler und NeuRechte, ...

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