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Politik

Donald Trump

Schluss mit lustig

Lange galt Trump als Witzfigur. Seine Tiraden, seine Ausfälle, seine Frisur: "The Donald" garantierte Bombenstimmung und mediale Aufmerksamkeit. Doch jetzt bedroht er den Weltfrieden. Es ist Zeit, radikal umzudenken.

AP

Donald Trump

Ein Kommentar von , New York
Donnerstag, 11.08.2016   14:48 Uhr

Dieser US-Präsidentschaftswahlkampf war mal lustig. Insbesondere auf Seiten der Republikaner: 17 Vorwahlkandidaten balgten sich da anfangs, darunter obskure Gouverneure und Ex-Gouverneure, ein Gehirnchirurg a.D., der obligatorische Rick Santorum sowie Immobilien-"Mogul" und Reality-"Star" Donald Trump. Die ersten Debatten mussten in zwei Schichten stattfinden, da nicht alle Herren - und die eine Frau - gleichzeitig auf die Bühne passten.

Auch Trump war mal lächerlich und amüsant. Selbst wenn er sich menschenverachtend über alle mokierte, die ihm im Weg standen: Immigranten, Frauen, Muslime, Behinderte, Veteranen und die Parteirivalen, die nacheinander aus den Latschen kippten - "Little Marco", "Low-energy Jeb", "Lyin' Ted". Es war eine spektakuläre TV-Show, brachte tolle Quoten und jede Menge Aufmerksamkeit. Irre, was der Trump wieder gesagt hat! Dass es hier ums mächtigste Amt der Welt ging, geriet bei all der Belustigung vielen schnell in Vergessenheit.

Doch jetzt ist Schluss mit lustig. Trump hat seine wahre Seite gezeigt. Und siehe da, die menschenverachtende Show war gar keine Show, wie viele dachten, sie war keine Maske, aufgesetzt für die Vorwahlen. Die menschenverachtende Show war Trump. Sie ist Trump. Hinter dem bösen Mr. Hyde steckt kein guter Dr. Jekyll. Donald Trump ist das Monster Hyde, pur und ganz ohne Jekyll - ohne Mitgefühl, ohne Reue, ohne Selbstkontrolle.

Und das ist nicht mehr lustig. Es ist an der Zeit, Trump nicht länger als normalen Kandidaten zu behandeln, ihn semantisch gleichzustellen mit den anderen - allen voran Hillary Clinton, die ihrerseits zwar eine beschädigte, dubiose Kandidatin ist. Doch eine Präsidentin Clinton wäre keine Gefahr für den Weltfrieden.

Das Trump-Spektakel - begafft, geduldet, gratis propagiert von vielen Medien - ist zur internationalen Katastrophe geworden. Viele Amerikaner erwägen allen Ernstes, einen Mann an die Nuklearcodes zu lassen, der zur Gewalt gegen den politischen Gegner aufruft und dann augenzwinkernd sagt, er sei mal wieder falsch verstanden worden. Seine Anhänger verstehen ihn kaum falsch: Gedemütigt vom demografischen Wandel und dem kaputten System der USA, waren sie gewaltbereit von der ersten Stunde an. Sie warteten nur auf ihren Führer.

Dass dieser lügt, dass er keine Ahnung hat von Weltpolitik, Innenpolitik, Wirtschaftspolitik oder den Finessen der Diplomatie, das stört sie nicht. Zu lange schon leben sie in einer Scheinwelt, in der Realität und Wahn verwischen. Trumps Fantastereien legitimieren sie.

Auch stört es sie nicht, dass er selbst nichts von dem glaubt, was er sagt. Trump ist eine TV-Kunstfigur, eine leere Hülle, ein angeblicher Milliardär, der den Mann des Volkes spielt. Seine "Positionen" wechseln mit dem Klima der Hallen, in denen er herumbellt wie ein Taschendiktator aus einem B-Movie. Sein "Programm" ist ein Sammelsurium aus abgegriffenen Talkingpoints, die ihm andere in den Teleprompter gelegt haben, vom dem er sie widerwillig abliest, bevor er sich lieber wieder seinem Lieblingsthema widmet: Trump.

Ausfälle eines Präsidentschaftskandidaten

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Trump sei ein neuer Hitler, sagen manche, ein neuer Mussolini. Ein Despot in spe, der sich das Volk mit Panikmache unterjoche. Dafür jedoch ist er viel zu faul: Er will nur siegen - am anschließenden, mühsamen Regierungsgeschäft hat er bisher keinerlei Interesse gezeigt und wird es sicher auch nie zeigen.

Dazu fehlt ihm auch jede politische Agenda. Trumps einzige Agenda ist er selbst, ist die Möbiussschleife der Selbstbestätigung: "Keiner kennt das System besser als ich, weshalb ich allein es richten kann", rief er beim Parteitag - ein Satz, der die ganze Illusion seines Konstrukts enthüllte.

Solche Leute sind aber nicht minder gefährlich als Diktatoren mit einer Mission. Denn die Möbiusschleife ist jetzt gerissen: Trumps Aufstieg beruhte einzig auf dem Prinzip des ewigen Siegens. Doch nun siegt er nicht mehr. Die meisten Medien haben sein Spiel längst durchschaut, ebenso die meisten Republikaner. Auf beiden Seiten haben viele in ihrem zynischen Opportunismus so lange mitgespielt, wie Trump ihnen Quoten, Klicks und Wahlchancen garantierte. Jetzt auf einmal springen sie ab, doch nicht aus Gewissensbissen, sondern nur aus Angst um die eigene Existenz.

Zu spät. Die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Selbst und gerade wenn Trump verliert oder aussteigt: Er wird sein Spielzeug kaputtmachen wie ein beleidigtes Kind. Schon jetzt hat er die US-Gesellschaft nachhaltig vergiftet, er hat eine 162-jährige Partei zerstört. Seine aufgepeitschten Jünger werden das Feld nicht in Frieden räumen. Lustig wird das nicht werden.

Im Video: Trumps Waffen-Appell - Gewaltaufruf gegen Clinton?

Foto: AP

Clinton vs. Trump - Wer liegt in den Umfragen vorn?

insgesamt 173 Beiträge
paulvernica 11.08.2016
1. nö hat er nicht
Zitat Schon jetzt hat er die US-Gesellschaft nachhaltig vergiftet, er hat eine 162-jährige Partei zerstört Zitat Ende. Also die Republikaner haben sich selbst zerstört. Es gab ja schon vor Trump die Tea-Party und eine [...]
Zitat Schon jetzt hat er die US-Gesellschaft nachhaltig vergiftet, er hat eine 162-jährige Partei zerstört Zitat Ende. Also die Republikaner haben sich selbst zerstört. Es gab ja schon vor Trump die Tea-Party und eine Sarah Palin.
chairman_meow 11.08.2016
2. Interessant,
dass nun auch Clinton als dubios erkannt wird. Und dass das anscheinend nicht anders geht, als Trump im gleichen Atemzug von dumm, verrückt und gefährlich zum personifizierten Bösen, zum Monster zu stilisieren. So wie sich hier [...]
dass nun auch Clinton als dubios erkannt wird. Und dass das anscheinend nicht anders geht, als Trump im gleichen Atemzug von dumm, verrückt und gefährlich zum personifizierten Bösen, zum Monster zu stilisieren. So wie sich hier der ganze Masstab plötzlich verschiebt, so misstrauisch sollte man den Wahrheitsgehalt der Meldung, wenn es hier überhaupt eine Wahrheit gibt, verstehen.
matthiaz 11.08.2016
3. ?
Ich mag Trump auch nicht aber seit wann haben wir Weltfrieden?
Ich mag Trump auch nicht aber seit wann haben wir Weltfrieden?
abc-xyz 11.08.2016
4. Hassprediger der ersten Stunde
Ich finde es erstaunlich, dass es doch die einen oder anderen gab, der Trump nur als Showfigur sah. Mir war von der ersten Stunde klar, dass Trump mit Leib und Seele eine hasserfüllter Narzist war und ist. Wäre er nicht mit [...]
Ich finde es erstaunlich, dass es doch die einen oder anderen gab, der Trump nur als Showfigur sah. Mir war von der ersten Stunde klar, dass Trump mit Leib und Seele eine hasserfüllter Narzist war und ist. Wäre er nicht mit einem goldenen Löffel geboren worden, würde er unten im "Pöbel" stehen und seinen Hass als Fan ausleben. Was mich ärgert ist, dass der erst so weit es schaffen konnte. Den Schaden, den er schon jetzt als Kandidat verursacht hat, ist schon immens. Man kann nur hoffen, dass die nächsten 3 Monate schnell rumgehen, Hillary gewinnt.
olli08 11.08.2016
5. Weltfrieden?
Was für ein Weltfrieden soll denn existieren, den Trump bedrohen könnte? Er wird, vorübergehend, nur ein Irrer von vielen sein. Ok, er hat Atomwaffen, aber die haben andere Irre auch! Wir sind nur ein kurzes Aufflackern in der [...]
Was für ein Weltfrieden soll denn existieren, den Trump bedrohen könnte? Er wird, vorübergehend, nur ein Irrer von vielen sein. Ok, er hat Atomwaffen, aber die haben andere Irre auch! Wir sind nur ein kurzes Aufflackern in der Geschichte des Universums ...
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