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Politik

Trumps Panzerparade am Nationalfeiertag

Heute ein Sonnenkönig

Seit Jahren sehnt sich Donald Trump nach einer Militärparade. Jetzt erfüllt er sich diesen Traum selbst - ausgerechnet zum friedlichen, unpolitischen 4. Juli. Doch auch die Gegner sind in Stellung.

Thierry Chesnot/ Getty Images
Von , New York
Donnerstag, 04.07.2019   07:01 Uhr

Es ist 28 Jahre her, dass zum letzten Mal Panzer durch Washington rollten. Am 8. Juni 1991 marschierten dazu Tausende Soldaten durch die US-Hauptstadt. Die Siegesparade zum Ende des Golfkriegs kostete damals zwölf Millionen Dollar und wurde als das kritisiert, was sie war: eine Wahlkampfshow für Präsident George Bush.

Donald Trump - der den Kriegsdienst vermied, doch Militärsymbolik liebt - sehnt sich nach einem ähnlichen Spektakel, seit er vor zwei Jahren der Parade zum französischen Nationalfeiertag beiwohnte. "Eine der großartigsten Paraden, die ich je gesehen habe", schwärmte er damals und kündigte an: "Das müssen wir übertreffen."

An diesem Donnerstag, dem US-Unabhängigkeitstag, erfüllt sich sein Traum endlich, zumindest im Ansatz: Erstmals stehen dann wieder Panzer an der National Mall, der Prachtmeile Washingtons, und erstmals wird ein US-Präsident zu diesem Feiertag eine Open-Air-Rede halten, während Kampfjets über die VIP-Gäste jagen.

"Es wird 'Ein Salut an Amerika' heißen", twitterte Trump schon im Februar ganz aufgeregt. "Großes Feuerwerk, Unterhaltung und eine Ansprache von eurem Lieblingspräsidenten, mir!" Da lachten viele noch über so viel Hybris. Längst aber ist ihnen das Lachen vergangen.

Denn eigentlich ist der Fourth of July ja ein Volksfest, unpolitisch und unmilitärisch sowieso: Amerika feiert seine Unabhängigkeit von der britischen Monarchie traditionell mit Hot Dogs, Picknicks und Feuerwerken. Doch Trump ist Trump: Er instrumentalisiert auch diese letzte Bastion friedfertiger Einheit für seinen Egotrip.

Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser nennt seine Pläne eine "Verherrlichung von Militärmacht", der Stadtrat twitterte "nein danke", die Demokraten empören sich über die "Politisierung des Feiertags", und selbst das Pentagon äußerte hinter vorgehaltener Hand Bedenken, sich so für seine Agenda missbrauchen zu lassen.

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US-Nationalfeiertag: Trump lässt Panzer in Washington auffahren

Trotzdem gehorchten die Militärs den Befehlen des Weißen Hauses und gaben den armen Soldaten, die sie zu der Show abordneten, Merkzettel mit Tipps, was sie neugierigen Besuchern sagen sollten. Zum Beispiel: "Ich bin stolz auf meinen Job und meinen Panzer."

"Es wird unvergleichlich werden", kündigte Trump diese Woche an. "Wir stellen unglaubliche Ausrüstung aus." Als Beispiel nannte er "brandneue 'Sherman'-Panzer" - ein Panzertyp, der zuletzt im Koreakrieg im Einsatz war und seit 1957 außer Dienst ist. Doch das war Trump - der oft den "guten, alten Zeiten" hinterhertrauert - wohl nicht klar.

Mark Wilson/ AFP

Seltener Anblick in Washington: Ein Panzer wird für die Feier gewaschen

Stattdessen warten nun zwei moderne "Abrams"-Panzer auf die Touristen an der National Mall. Die 62-Tonnen-Stahlmonster trafen am Dienstagabend aus einem Armeestützpunkt in Georgia ein, auf enormen Sattelschleppern, weil sie sonst womöglich den Asphalt zermalmt und die Arlington Memorial Bridge über den Potoimac River zerstört hätten. Allein der Transport soll fast 900.000 Dollar kosten, von möglichen Reparaturen der Straßen ganz zu schweigen.

Auch der Rest der Sause ist nicht billig: Marschmusik, eine abendliche Rede Trumps auf den Stufen des Lincoln Memorials, flankiert vom US-Generalstab, ein "flyover" des Marineschwadrons "Blue Angels" und einer der zwei Jumbojets, die als "Air Force One" dienen, wenn Trump an Bord ist. Dazu und für das Feuerwerk wird am Reagan National Airport für eineinhalb Stunden der Flugverkehr eingestellt.

Der National Park Service hat nach Informationen der "Washington Post" fast 2,5 Millionen Dollar abgezweigt, um das alles zu bezahlen - Gelder, die für die Instandhaltung der US-Nationalparks gedacht waren. Dies sei aber nur "ein Bruchteil" der Gesamtkosten, schreibt die "Post". Ein erster Versuch Trumps, Washington eine Militärparade aufzudrücken, scheiterte 2018 an der befürchteten Rechnung von 92 Millionen Dollar.

Mark Wilson/ AFP

Rot, weiß und blau: Vorbereitungen für Trumps Rede am Lincoln Memorial

Der finanzielle Aufwand, so Trump, "wird sehr gering sein im Vergleich dazu, was es wert ist". Damit meint er wohl auch die patriotische Erbauung, die er gerne mit der Erbauung an seiner Person gleichsetzt.

Denn längst ist klar, dass Trump den Anlass nutzen wird, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und seine Basis und Mäzene für den Wahlkampf einzuschwören. Die Tribünen am Lincoln Memorial sind für Ehrengäste reserviert, handverlesen vom Weißen Haus und der Wahlkampfleitung. Die besten Plätze gehen an die großzügigsten Parteispender - mit Volksfest hat das wenig zu tun.

Damit stellt Trump zugleich sicher, dass er, wie auch bei seinen streng bewachten Wahlauftritten, weit entfernt bleibt von allen Andersdenkenden. Etwa von den Veteranengruppen, die während seiner Rede Protest-T-Shirts mit dem Konterfei des verstorbenen Kriegshelds John McCain verteilen wollen, den Trump hasst. Oder von den Aktivisten, die auf der Mall den "Trump-Baby-Ballon" aufblasen wollen, bekannt von den Demonstrationen in London.

Mark Wilson/ AFP

Kriegsspiele am Nationalfeiertag: Feuerwerke in Washington

Trump wird sie ignorieren oder wegdementieren, so wie er es auch mit seinen miesen Popularitätswerten tut. Stattdessen macht er den US-Nationalfeiertag so zu einem weiteren Beispiel seiner wachsenen Neigung, sich wie ein Sonnenkönig zelebrieren zu lassen - und damit Patriotismus und Nationalismus gefährlich zu vermischen.

Wobei ungewiss bleibt, ob der ganze Aufwand Trump wirklich hilft. George Bush, der 1991 von der Militärparade zu profitieren hoffte, verlor die Wiederwahl im Jahr darauf.

insgesamt 142 Beiträge
klaus.mueller 04.07.2019
1. also ich weiss nicht
das ist doch alles klein klein. Bei den Kosten die das Militär verschlingt ist das doch peanuts was die Parade kostet. Ich mag den Trump auch nicht, aber immer dieses miesepetrige Draufgehaue ist doch lächerlich. Da lese ich [...]
das ist doch alles klein klein. Bei den Kosten die das Militär verschlingt ist das doch peanuts was die Parade kostet. Ich mag den Trump auch nicht, aber immer dieses miesepetrige Draufgehaue ist doch lächerlich. Da lese ich jeden Tag sowas kleinbürgerliches .. Trump dies, Trump das.. wenn im die Nase läuft wird das wohl auch berichtet mit dem Vermerk das bei allen anderen die Nase links läuft nur beim ihm rechts. Er ist der Präsident der USA, man muss die Person nicht respektieren, aber schon die Funktion. Wenn die Funktion immer wieder ins lächerliche gezogen wird wird der nächste Präsident, egal wer es ist, auch berschädigt sein.
inge-p.1 04.07.2019
2.
Wenn es nur um die zwei Panzer (Bildergallerie sechs Mal abgebildet, im Text ein Mal) handelt, scheint der Aufwand sehr beschränkt. Dazu hundert oder hundertfünfzig Soldaten, ein paar Fahnen. Auch scheint sich der Protest [...]
Wenn es nur um die zwei Panzer (Bildergallerie sechs Mal abgebildet, im Text ein Mal) handelt, scheint der Aufwand sehr beschränkt. Dazu hundert oder hundertfünfzig Soldaten, ein paar Fahnen. Auch scheint sich der Protest dagegen in Grenzen zu halten (ein Foto in der Gallerie). Wenn es gut läuft, sehen wir sechs dieser Paraden und ob dann der neue Präsident der USA dann das so weiterführt?
s.l.bln 04.07.2019
3. Kadett Fersensporn...
...und der Traum von der ganz großen Militärparade. Irgendwie hat er das Thema 4. Juli nicht so richtig durchdrungen.
...und der Traum von der ganz großen Militärparade. Irgendwie hat er das Thema 4. Juli nicht so richtig durchdrungen.
bert1966 04.07.2019
4.
Wenn ein kleiner Militärdiktator in Afrika zum Nationalfeiertag Militärparaden abhielte - schlimm genug, aber relativ bedeutungslos für die Welt. Wenn der Oberbefehlshaber der größten Armee der Welt (und damit auch [...]
Wenn ein kleiner Militärdiktator in Afrika zum Nationalfeiertag Militärparaden abhielte - schlimm genug, aber relativ bedeutungslos für die Welt. Wenn der Oberbefehlshaber der größten Armee der Welt (und damit auch größten Bedrohung für die gesamte Welt) offen seine Affinität zu militärischen Machtdemonstrationen zur Schau stellt, dann ist das sehr wohl ein eindeutiges und sehr bedrohliches Signal. Und so ist das wohl auch gemeint. Der Wehrdienstverweigerer Trump rasselt mit dem Säbel. Der erklärte Nicht-Humanist Trump macht sich über erniedrigenden Umgang mit echten Menschen an der mexikanischen Grenze lustig. All das mag man als Spinnerei eines einzelnen Narzissten abtun, der in spätestens 6 Jahren Geschichte wäre - wenn nicht 50% der US-amerikanischen Wähler so einem Mann Amt, Macht und Stimme gäben.
draco2007 04.07.2019
5.
Ich bin fassungslos ob der Ohnmächtigkeit der Demokratie in den USA. Alle 4 Artikel über Trumps neueste Erungenschaften sind ein Beweis dafür, dass es keine (wirksame) Kontrollinstanz für den Präsidenten gibt. 1. Er [...]
Ich bin fassungslos ob der Ohnmächtigkeit der Demokratie in den USA. Alle 4 Artikel über Trumps neueste Erungenschaften sind ein Beweis dafür, dass es keine (wirksame) Kontrollinstanz für den Präsidenten gibt. 1. Er droht erneut dem Iran, nachdem ER allein das Abkommen gebrochen hat. -> Scheinbar hat der Kongress keine Möglichkeit den Präsidenten an der Stelle zu entmachten 2. Er findet die Konzentrationslager ganz super, weil er damit den bösen Migranten sagen kann, sie sollen doch nicht kommen, wenn sie ihre Kinder nicht misshandelt haben wollen. Gleichzeitig erpresst er damit den Kongress neue Mittel für seine Mauer bereitzustellen, angeblich weil Geld für Zahnbürsten fehlt. Die Senatoren haben wohl ein Problem mit misshandelten Kindern haben, Menschenrechte und so... -> Scheinbar hat der Kongress keine Möglichkeiten den Präsidenten davon abzuhalten Menschenrechte mit den Füßen zu treten und Kinder zu misshandeln 3. Im Jemen hilft Trump den Saudis dabei weitere Menschenrechte zu brechen, obwohl beide Häuser dagegen gestimmt haben. -> Was ist das für eine Kontrollinstanz? 4. Trump ordnet eine Militärparade an, die vermutlich zwischen 50 und den angesprochenen 92 Millionen Dollar kostet. Also mehr als das doppelte als die verhasste Mueller-Ermittlung (die Netto noch Geld eingebracht hat) Und scheinbar kann Trump hier einfach Gelder von Nationalparks abzweigen -> Kongress? Hallo? Jemand da? 5. Und in Libyen blockiert Trump die Aufklärung eines Bombardements eines Flüchtlingslagers. Ich würde ihm zutrauen einen solchen Luftschlag angeordnet zu haben. Wer kleine Kinder misshandelt bombardiert auch selbige. -> Hier ist sowohl die UN als auch der Kongress unfähig etwas zu tun. Alles in allem ist Trump eine Schande für die angeblich älteste und beste Demokratie. Er herrscht wie ein Diktator und diese Militärparade setzt dem ganzen noch die Krone auf. Und die Republikaner sind eine Schande für ihr Land, weil sie jede Maßnahme gegen Trump blockieren. Ich verstehe die Argumentation, wieso man kein Impeachment ansetzt, aber es ist ein beschissenes Zeichen für die Demokratie diesen "Präsidenten" mit allem durchkommen zu lassen.

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