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Politik

Verschwundener Journalist Khashoggi

Trump schickt Außenminister nach Saudi-Arabien

Auf der Suche nach Antworten im Fall Jamal Khashoggi reist US-Außenminister Pompeo nach Saudi-Arabien und in die Türkei. Dort durchsuchen Ermittler das saudi-arabische Konsulat.

MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Donald Trump

Montag, 15.10.2018   18:46 Uhr

Im Fall des verschwundenen Journalisten Jamal Khashoggi schickt US-Präsident Donald Trump seinen Außenminister Mike Pompeo nach Saudi-Arabien. Trump kündigte in Washington an, Pompeo werde noch am Vormittag nach Riad aufbrechen. Nach seinem Besuch in Saudi-Arabien werde Pompeo in die Türkei weiterreisen, sagte ein Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats der USA. In Istanbul untersuchen türkische Beamte das Saudi-arabische Konsulat, wo der Journalist verschwunden sein soll.

Trump gab an, er habe mit dem saudischen König Salman über den Fall gesprochen. Dieser habe ihm allerdings nachdrücklich versichert, dass er nichts über das Verschwinden Khashoggis wisse.

Der US-Präsident versprach Antworten auf die vielen offenen Fragen in dem rätselhaften Fall. "Wir werden der Sache auf den Grund gehen", sagte er. Trump äußerte aber vorab bereits eine Theorie: Es habe sich für ihn so angehört, als könne Khashoggi eher Opfer boshafter Killer geworden sein - und damit nicht das Ziel eines staatlich beauftragten Mörderkommandos. Mit dieser Aussage ließ Trump auch erkennen, dass er inzwischen klar von Khashoggis Tod ausgeht.

REUTERS

Jamal Khashoggi

Der Saudi-arabische Regierungskritiker und Journalist Khashoggi, der als Kolumnist für die "Washington Post" gearbeitet hat, hatte am 2. Oktober das Saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seitdem ist er verschwunden. Türkische Regierungs- und Geheimdienstkreise behaupten, dass Khashoggi im Konsulat getötet worden sei.

Die Führung in Riad bestreitet dagegen vehement, dass sie für das Verschwinden des Mannes verantwortlich ist. Das habe der saudische König auch in dem Telefonat mit ihm klargemacht, sagte Trump. "Sein Dementi hätte nicht deutlicher ausfallen können", so der US-Präsident. "Ich kann nur berichten, was er mir gesagt hat. Und er hat auf sehr nachdrückliche Weise gesagt, dass er nichts davon weiß." Auch der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der besonders enge Beziehungen zu Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner pflegt, wisse demnach nichts über die Hintergründe von Khashoggis Verschwinden.

"Die Welt schaut zu"

Der US-Präsident hatte sich in dem Fall zunächst zurückgehalten. Saudi-Arabien ist der weltweit größte Käufer von US-Rüstungsgütern und ein enger Verbündeter des US-Präsidenten. Am Wochenende hatte Trump den Ton gegenüber Saudi-Arabien - auch auf Druck des US-Kongresses - aber verschärft und gemahnt, das Land müsse mit einer "schweren Bestrafung" rechnen, wenn Khashoggi von einem saudi-arabischen Kommando getötet worden sein sollte.

AP/ DHA

Saudi-arabisches Konsulat in Istanbul (Mitte)

Trump sagte, er habe dem saudischen König in dem Telefonat gesagt, wie wichtig die Aufklärung des Falles sei. "Die Welt schaut zu", betonte er. "Es ist sehr wichtig, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich glaube, das versteht er sehr gut." Der König habe gesagt, dass sein Land gemeinsam mit der Türkei an der Aufklärung arbeite.

Inzwischen haben türkische und saudi-arabische Ermittler mit der Durchsuchung des Istanbuler Konsulats begonnen. Das meldete CNN Türk. Der Sender berichtete unter Berufung auf das Außenministerium in Ankara, die Ermittler suchten vor allem nach DNA-Spuren des verschwundenen Journalisten. Es werde "alles durchsucht" - auch die nahe gelegene Residenz des Konsuls werde inspiziert.

Das Versprechen zur Durchsuchung des Konsulats hatte die saudi-arabische Regierung nach türkischen Angaben schon vergangene Woche gegeben, zunächst aber nicht erfüllt. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntagabend erstmals mit dem saudischen König Salman über das Verschwinden Khashoggis gesprochen. Nur Stunden vor der Durchsuchung soll ein Putzteam das Konsulat betreten haben.

Gäste sagen Teilnahme an Saudi-arabischer Wirtschaftskonferenz ab

Nach Bekanntwerden von Khashoggis Verschwinden sollen erste Teilnehmer einer Wirtschaftskonferenz in Saudi-Arabien kommende Woche abgesagt. Anonymen Quellen zufolge werden weder Blackrock-Chef Larry Fink, Blackstone-CEO Stephen Schwarzman noch KKR-Co-Präsident Joseph Bae zur Future Investment Initiative Konferenz reisen. Die Konferenz werde aber dennoch stattfinden, teilten die Organisatoren mit.

Ein Event wurde jedoch abgesagt: Die Saudi-Arabische Botschaft in Washington versendete am Montag Reuters zufolge E-Mails, in denen der jährliche Empfang zum Saudi-arabischen Nationaltag gecancelt wurde. Gründe dafür haben sie demnach nicht genannt.

asa/dpa/Reuters/AP

insgesamt 22 Beiträge
alterLeser 15.10.2018
1. Die Stunde der Weisswäacher
Für mich ist klar, dass dieser Mord vom Geheimdienst der Saudis begangen wurde und die Leiche zerlegt abtransportiert wurde. Es geht jetzt nur noch darum, die Sache möglichst zu verwischen, so dass auch Trump bei diesem miesen [...]
Für mich ist klar, dass dieser Mord vom Geheimdienst der Saudis begangen wurde und die Leiche zerlegt abtransportiert wurde. Es geht jetzt nur noch darum, die Sache möglichst zu verwischen, so dass auch Trump bei diesem miesen Spiel mitmachen kann.
janfred 15.10.2018
2. und wahrscheinlich Iraner???
Trumps Theorie ist ja wohl ein Witz. Wie können boshafte Killer in einer Botschaft agieren. Videoanlagen auf aus. Und der Prinz hat ja selber tagelang behauptet, Kashoggi hätte die Botschaft lebendig verlassen. Will DT seinen [...]
Trumps Theorie ist ja wohl ein Witz. Wie können boshafte Killer in einer Botschaft agieren. Videoanlagen auf aus. Und der Prinz hat ja selber tagelang behauptet, Kashoggi hätte die Botschaft lebendig verlassen. Will DT seinen Freunden mit so blöden Theorien helfen? Will er alle für dumm verkaufen?
mhuz 15.10.2018
3.
Jetzt ist es wie immer, anscheinend läuft in der Region was schief und alle werden verrückt gemacht, bis der Westen sich wieder einmischt und am Ende ist der Westen wieder schuld. Wenn es die Türkei so aufregt, warum können es [...]
Jetzt ist es wie immer, anscheinend läuft in der Region was schief und alle werden verrückt gemacht, bis der Westen sich wieder einmischt und am Ende ist der Westen wieder schuld. Wenn es die Türkei so aufregt, warum können es dann die Türken nicht selber lösen.
juba39 15.10.2018
4. Das Vernebeln beginnt
Alle Äußerungen von saudischer, und jetzt sogar von US-amerikanischer Seite deuten alle darauf hin. Der Journalist IST im Konsulat ermordet worden. ABER, das waren eben nur untergeordnete Chargen, die im Übereifer einfach eine [...]
Alle Äußerungen von saudischer, und jetzt sogar von US-amerikanischer Seite deuten alle darauf hin. Der Journalist IST im Konsulat ermordet worden. ABER, das waren eben nur untergeordnete Chargen, die im Übereifer einfach eine Bemerkung aus dem Herrscherhaus "mißverstanden" hätte. Oder, um miit Trump zu sprechen, einfach ein Killerkommando. Aber das alles natürlich OHNE Wissen der Herrscher. Als wenn irgendetwas ohne deren Wissen in dem Land geschieht! Während in Brüssel, ohne Medienecho der Medien natürlich, schon wieder an neuen neue Sanktionsausreden gegen Russland gebastelt wird (chemische Waffen), wird hier die ganze Aktion wie das Hornburger Schießen ausgehen. Oder glaubt jemand ernsthaft, die USA oder Deutschland werden ihre Waffenexporte nach SA wegen eines einzelnen Journalisten stoppen? Was hier zynisch klingt, ist leider bittere politische Realität. Und die demokratische Öffentlichkeit findet sich damit ab!
HCG 15.10.2018
5. Oder aber...
Der evtl ermordete hat seinen Tod fingiert um dem Ansehen Saudi Arabiens zu schaden. Evtl. Ist ja auch die Verlobte des Journalisten involviert zB als Agentin. Es gibt viele Möglichkeiten denen man nachgehen muss...
Der evtl ermordete hat seinen Tod fingiert um dem Ansehen Saudi Arabiens zu schaden. Evtl. Ist ja auch die Verlobte des Journalisten involviert zB als Agentin. Es gibt viele Möglichkeiten denen man nachgehen muss...

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